Diskriminierung in Berlin: Mobbing gegen schwulen Lehrer – Senatorin äußert sich

Katharina Günther-Wünsch (CDU), Senatorin für Bildung, Jugend und Familie im Abgeordnetenhaus Berlin. Der Bildungsausschuss beschäftigte sich am Donnerstag (5.6.) mit dem Fall eines schwulen Lehrers, der in einer Grundschule in Moabit gemobbt worden sein soll.
Bernd von Jutrczenka/dpa- Berliner Lehrer Oziel Inácio-Stech meldet Mobbing und Homophobie wegen seiner sexuellen Orientierung.
- Bildungsverwaltung und Schulleitung reagieren zögerlich; Senatorin Katharina Günther-Wünsch äußert sich spät.
- Politiker fordern umfassende Akteneinsicht und strukturelle Verbesserungen.
- Vorfälle an der Carl-Bolle-Grundschule betreffen mehrere Lehrer und Eltern; religiös-fundamentalistische Kommentare häufig.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Fälle von Diskriminierung und Gewalt gegenüber Lehrern an einer Grundschule in Berlin wurden am Donnerstagnachmittag (5. Juni) Thema im Berliner Abgeordnetenhaus. „Seit wann sind der Bildungsverwaltung diese Fälle bekannt und welche konkreten Maßnahmen wurden ergriffen, um auf diese Vorfälle zu reagieren?“, lautet die Frage des SPD-Bildungsexperten Marcel Hopp im Bildungsausschuss.
Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) räumte ein, dass schon Ende des vergangenen Jahres eine Beschwerde des Anwalts eines Betroffenen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in ihrer Behörde eingegangen sei und sie auch persönlich einen Brief im Dezember 2023 erhalten habe.
Mobbing gegen Lehrer in Berlin – Akteneinsicht soll Aufklärung bringen
Die Schreiben habe sie aber an die zuständige Beschwerdestelle zur Bearbeitung weitergeleitet. „Diese ist nach Prüfung zu dem Entschluss gekommen, dass weder eine Benachteiligung wegen des Geschlechts noch wegen der sexuellen Identität vorliegt“, erklärte Wünsch.
Sie selbst habe sich mit dem konkreten Geschehen erst in den letzten Tagen auseinandergesetzt. „Der Fall ist um ein Vielfaches komplexer“, sagt Wünsch und forderte die Politiker auf, die betroffene Schule nicht zu stigmatisieren und Akteneinsicht zu nehmen. „Erst dann können wir darüber diskutieren.“
In dem Fall ging es um den Lehrer Oziel Inácio-Stech, der nach eigenen Angaben von Schülern aus muslimischen Familien monatelang beschimpft, beleidigt und gemobbt wurde - weil er schwul ist. Obwohl er Schulleitung, Schulamt und Bildungsverwaltung mehrfach um Hilfe bat, habe er diese nicht erhalten, sondern sei teilweise selbst schulintern ins Kreuzfeuer geraten, berichtete der Inklusionslehrer.
Die Vorfälle an der Berliner Schule waren an die Öffentlichkeit gekommen, nachdem dieses Nachrichtenportal im Februar über die homophoben Beleidigungen und Bedrohungen gegen den Lehrer sowie die unterlassene Hilfeleistung der zuständigen Behörden berichtet hatte. Weitere Medien griffen den Fall auf, und der Druck auf die Senatsbildungsverwaltung stieg. Am Donnerstag nun forderten Politiker der Grünen die Bildungssenatorin erneut auf, Rede und Antwort zu stehen.
Schule in Berlin – „Der Lehrkraft wurde nicht geholfen“
In der Aktuellen Fragestunde vom 22. Mai hatte Wünsch noch gesagt, dass sich die Senatsverwaltung nicht zu Personalangelegenheiten äußere.
„Uns geht’s eben nicht um den Einzelfall, uns geht es um die Strukturen, die an dieser Stelle offensichtlich nicht funktioniert haben. Denn dieser Lehrkraft wurde nicht geholfen“, betont Louis Krüger, Sprecher für Schulpolitik der Grünen-Fraktion.

Inklusionslehrer Oziel Inácio-Stech vor der Grundschule in Berlin-Moabit, an der er seit über acht Jahren arbeitet. Die Probleme fingen erst an, als er sich outete. Inzwischen ist er krankgeschrieben.
Maria NeuendorffDie Senatorin sprach von einem Dickicht an zuständigen Stellen, die für die Betroffenen übersichtlicher gemacht werden müssen. Auf die Frage nach Präventionsprojekten an Schulen und ob diese weiter eingespart werden würden, ging sie nicht näher ein. Daten zu Queerfeindlichkeit oder antisemitischen Vorfällen in Berlin, die Krüger zuvor in den Raum geworfen hatte, würden in der Bildungsverwaltung nicht erfasst, hieß es.
Mit der Antwort wollen sich die Grünen nicht zufriedengeben. Krüger will Akteneinsicht beantragen und an dem Thema dranbleiben. „Obwohl das eigentlich nicht unsere Aufgabe ist, sondern die Verantwortung der Senatorin, für ihre Beschäftigten da zu sein und kontinuierlich zu schauen, ob die Strukturen funktionieren.“
Schule in Berlin – Gewaltprotokoll als Beweis
Der betroffene Lehrer hatte schon im Mai 2023 um Hilfe an seiner Schule gebeten, nachdem es zu einer ersten bedrohlichen Situation in einer Deutschstunde gegen ihn aufgrund seiner Homosexualität gekommen war. Das Gewaltprotokoll, in dem die Szene von einer Kollegin geschildert wird, liegt diesem Nachrichtenportal vor.
Nachdem der brasilianisch-stämmige Inklusionslehrer sich von der Schulleitung sowie vom zuständigen Schulamt in Mitte im Stich gelassen fühlte, schickte sein Anwalt am 9. September 2024 eine Beschwerde nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz an die Schulaufsicht.
Als eine Reaktion ausblieb, schickte dieser im Dezember einen weiteren Brief per Einschreiben direkt an die Bildungssenatorin. Die Krux an der Sache ist, die Beschwerde wurde von der Bildungsverwaltung zur Bearbeitung zurück an das zuständige Schulamt Mitte gesandt, dessen Referatsleiter Teil der Beschwerde ist.
Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung meldeten sich inzwischen auch andere betroffene Lehrer der Carl-Bolle-Grundschule zu Wort, die die Zustände bestätigten. Auch die Elternvertretung bestätigte Missstände dieser Grundschule in Moabit, deren Schülerschaft zu rund 95 Prozent einen Migrationshintergrund hat. Lehrer wie Eltern berichteten von Ausgrenzung, Gewalt und fehlendem Respekt von Schülern, ohne dass das Konsequenzen gehabt habe.
„Leider wird Religion missbraucht, um andere Kinder und Erwachsene zu diskriminieren und herabzuwürdigen“, hieß es in einer Stellungnahme der Elternvertreter. So fielen unter anderem regelmäßig religiös-fundamentalistische Kommentare zu Geschlechterrollen oder Speisevorschriften.
Lehrer zeigt sich von Berlins Bildungssenatorin enttäuscht
Die Senatorin sagte am Donnerstag, sie hätte in den vergangenen Tagen mit der Schulleitung gesprochen. „Mit mir hat sie bis heute keinen Kontakt aufgenommen“, sagte Oziel Inácio-Stech. Er zeigte sich enttäuscht von den Ausführungen der Bildungssenatorin. „Sie soll mal in der Schule hospitieren. Dann weiß sie wirklich, wie ‚komplex‘ das Thema ist und wie die Realität aussieht“, sagte der 43-Jährige nach der Sitzung.


