Diskriminierung
: Stockende Integration: Was sich Geflüchtete von „Kenia“ wünschen

Es gebe zu viel Diskriminierung, zu viel Rassismus, sagt der Integrationslehrer.
Von
Mathias Hausding
Eberswalde
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Der Flüchtling und sein Integrationslehrer: Dawit Tekle aus Eritrea (l.) und Wilfred Josue von den Philippinen auf dem Eberswalder Marktplatz

Mathias Hausding

Die in Brandenburg unter ihrem Chef Andreas Kalbitz besonders radikale AfD hat bei der Landtagswahl 23,5 Prozent der Stimmen geholt. Im Osten des Bundeslands waren es teilweise noch mehr. Wie kommt das bei Geflüchteten an? Wie nehmen sie Brandenburg derzeit wahr? Und was erwarten sie von einer möglichen Kenia–Koalition aus SPD, CDU und Grünen?

Dawit Tekle ist 2017 aus Eritrea über Italien nach Deutschland gekommen, geflüchtet vor dem Militärdienst in dem ostafrikanischen Land, der junge Menschen in sklavenartiger Abhängigkeit hält. Ein Mal im Monat telefoniert der 22–Jährige mit seinen Eltern in Eritrea. Würde er hinfahren, käme er ins Gefängnis, sagt Tekle. Er will sich in Brandenburg etwas aufbauen, macht den Integrationskurs, jobbt als Zeitungszusteller, strebt eine Mechatroniker–Ausbildung an. „Wer in Deutschland viel arbeitet, kann etwas erreichen“, glaubt Tekle. Viele Flüchtlinge würden das so sehen. „Ein Freund von mir schläft kaum, weil er so viel arbeitet.“

Er erzählt das, weil er findet, dass manche Brandenburger nur wenig darüber wissen, was Geflüchtete tun, was sie denken, worauf sie hoffen. „Die Leute gucken mich an, sind wahrscheinlich auch unsicher, fragen sich: Warum ist er hier?“ Leider komme es nicht zum Austausch. Dawit Tekle sagt, er würde sich gerne unterhalten. Seine Deutschkenntnisse sind dafür gut genug. Aber dann denke er an das Wahlergebnis, spüre eine gewisse Ablehnung.

Tekles Integrationslehrer in Eberswalde sagt, dass es vielen Flüchtlingen so geht. „Wie sollen wir damit umgehen, dass so viele Leute AfD gewählt haben?“, würden sie sich fragen. Wilfred Josue, selbst 2014 als Student von den Philippinen nach Deutschland gekommen, unterrichtet in seiner Klasse elf Frauen und zehn Männer aus insgesamt elf Nationen. Dawit Tekle ist mit 22 der jüngste Schüler, der älteste ist 50.

„Deutsch lernen ist richtig schwierig. Außerdem werden Werte vermittelt. Sie geben sich Mühe, wollen ein Teil der Gesellschaft sein. Die Stereotype, dass Flüchtlinge es nur auf Geld abgesehen haben, keinen Kontakt wünschen, am liebsten unter sich bleiben, stimmen nicht“, betont Josue. „Die Leute wollen gehört werden.“

Aber er könne derzeit nicht erkennen, wo die Politik Verantwortung dafür übernimmt, die Kommunikation zwischen Einheimischen und Geflüchteten zu verbessern. Es gebe zu viel Diskriminierung, zu viel Rassismus. „Dabei kann ein gutes Miteinander doch für Brandenburg nur von Vorteil sein.“

Wilfred Josue hofft, dass sich eine eventuelle Kenia–Koalition dem Thema stellt. Erforderlich sei zum Beispiel ein Landesgesetz, das die Integration und die Partizipation von Geflüchteten regelt. "Es sollte doch allen klar sein, dass das eine Daueraufgabe ist“, sagt der Integrationslehrer.