Einbau Wärmepumpe: Energie-Lösung für mehr Wärme im Haus und weniger Kosten

In Einfamilien- und Doppelhäusern gibt es großen Nachholbedarf an modernen Heizsystemen. Das Interesse ist groß. Welches System erfüllt den individuellen Bedarf am besten? Welche Abstandsregeln sind zu beachten? Diese und weitere Fragen hat ein Energieberater im Webseminar beantwortet.
Daniel Reinhardt/dpa-tmn/dpa- Wärmepumpen stoßen auf großes Interesse in Ein- und Doppelhäusern, auch in Brandenburg.
- Ein Webseminar erklärte Voraussetzungen, Systeme, Geräusche und Förderung beim Heizungstausch.
- Luft-Wasser-Wärmepumpen sind häufig und günstig, benötigen gute Planung und Abstandsregeln.
- Tests mit 50–55 Grad Vorlauf zeigen Eignung; Dämmung und große Heizflächen verbessern Effizienz.
- Förderung: 30 % Grundförderung, plus Boni möglich, Mindestanteil der Wärmepumpe bei Hybriden 65 %.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Gerade in älteren Eigenheimen und Doppelhäusern wird weiterhin überwiegend mit Gas und Öl geheizt. Auch in Brandenburg. Doch das Interesse an der Umstellung auf Wärmepumpe ist groß. Und so hat Oliver Buchin, Energieberater bei der Verbraucherzentrale Brandenburg, beim Webseminar „Heizen mit Wärmepumpe“ Fragen zu Voraussetzungen beim Heizungswechsel, den Funktionen verschiedener Systeme und Fördermöglichkeiten beantwortet.
Unser Haus wurde in den 90er-Jahren gebaut. Jetzt denken wir darüber nach, auch mit dem Blick auf die Preisentwicklung bei fossilen Rohstoffen, unsere Gasheizung zu ersetzen. Wir wollen ein moderneres System. Was ist notwendig, um eine effektive und nicht zu teure Lösung zu finden, die zu den baulichen Bedingungen unseres Hauses passt?
Da wäre die Möglichkeit, sich in verschiedenen Handwerksbetrieben Angebote für Wärmepumpen machen zu lassen. Diese Unterlagen können Sie durch einen Energieberater der Verbraucherzentrale prüfen und vergleichen lassen.
Die beratenden Experten der Verbraucherzentrale können aber auch gemeinsam mit Ihnen vor Ort nach der optimalen Lösung in Sachen Heizsystem suchen. Bei diesen Terminen geht es nicht nur um eine unabhängige Beratung, ganz konkret bezogen auf Ihren Haushalt, sondern es wird immer nach individuellen Lösungen für das Haus und den familiären Energiebedarf geschaut. Dabei betrachtet der Experte Gebäudehülle, Anlagentechnik und Regelungen.
Wärmepumpe im Haus senkt Kosten für Energie am meisten
Vorbereiten können Sie solch eine Beratung langfristig, indem Sie beispielsweise regelmäßig den Energiebedarf des Hauses für die Heizung und warmes Nutzwasser protokollieren. Ratsam für einen aussagekräftigen Vergleich wäre unserer Erfahrung nach wöchentliches Erfassen, bestenfalls mit Angabe von Außentemperaturen. Dann hat man eine Grundlage für die Entscheidung, wie künftig der Energiebedarf ressourcenschonend gedeckt werden kann.
Sind Wärmepumpen wirklich die effizienteste Form der Wärmeerzeugung aus Strom?
Das lässt sich einfach und am überzeugendsten durch Zahlen belegen. Für das Bereitstellen einer Kilowattstunde (kWh) Wärme benötigt man 1,1 kWh Energie aus Erdgas bei einem fossilen Gaskessel oder etwa 1,6 bis 1,8 kWh erneuerbaren Strom zur Erzeugung von synthetischem Gas. Eine Wärmepumpe benötigt etwa 0,3 kWh Strom zur Bereitstellung von einer Kilowattstunde Wärme.
Was ist beim Umbau auf ein Wärmepumpensystem zu beachten, um Energie zu sparen?
Das am häufigsten eingebaute System und auch das mit den geringsten Investitionskosten ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe. Dabei wird die Luft der Umgebung angesaugt und Wärme entzogen. Im kalten Winter, wenn die angesaugte Luft zu kalt ist, kommt zusätzlich ein elektrischer Heizstab zum Einsatz. Die Leistung der Wärmepumpe wird jeweils der Gebäudegröße und dem individuellen Wärmebedarf angepasst.
Wichtig ist bei der Planung außerdem der Aufstellungsort. Auch wenn moderne Geräte leiser laufen, entstehen beim Ansaugen und Ausblasen der Luft sowie beim Verdichtungsprozess Geräusche. Moderne Geräte haben einen leiseren Nachtmodus, aber vor dem Schlafzimmerfenster sollte das Gerät eher nicht stehen. Deshalb gilt es bei der Planung, Abstandsregeln einzuhalten.
Muss ich den Einbau einer Wärmepumpe wegen der Betriebsgeräusche mit meinen Nachbarn abstimmen?
Die ersten Wärmepumpen arbeiteten nicht gerade leise, gerade in kalten Nächten, wenn Leistung benötigt wurde. Inzwischen wurde an der Ventilatorengeometrie viel verbessert, die Flügel wurden vergrößert. Die Konstrukteure haben sich zusätzlich an Eulenflügeln orientiert, denn diese Vögel sind sehr geräuscharm unterwegs.
Auch an den Gehäusen wurde manches verändert. Trotzdem ist der Einsatz einer Wärmepumpe noch nicht geräuschlos. Es gibt aber in den meisten Fällen Varianten, die strengen gesetzlichen Vorgaben im Nachtbetrieb einzuhalten (im reinen Wohngebiet 35 Dezibel). Das sollte in der Planungsphase beachtet und berechnet werden.
Wärmepumpe macht auch im alten Haus Sinn
Macht eine Wärmepumpe in einem alten Haus überhaupt Sinn oder muss baulich so viel verändert werden, dass sich dies am Ende gar nicht rechnet und die Kosten explodieren?
Es gibt eine wissenschaftliche Studie des Fraunhofer Instituts, die genau dies untersucht hat. In Bestandsgebäuden – also alten, unsanierten Häusern – kamen Luft-Wasser-Wärmepumpen zum Einsatz. Auch die Heizkörper blieben gleich, es wurde also nicht auf Fußbodenheizung umgestellt. Die Kosten explodierten nicht, das zeigten die Untersuchungen selbst bei den für Wärmepumpen nicht optimalen Bedingungen. Je niedriger die Temperaturen im Heizungssystem waren, die die Wärmepumpen erzeugen mussten, desto effizienter war ihr Einsatz.
Wenn allerdings ein Haus mehr als 150 kWh Wärme pro Wohnquadratmeter im Jahr benötigt, dann sollte das Gebäude vor dem Einbau einer Luft-Wasser-Wärmepumpe thermisch saniert werden, damit das neue Heizsystem effektiv läuft. Und Tatsache ist auch, Dämmung ist immer sinnvoll.
Gibt es für mich selbst als Hausbesitzer eine einfache technische Möglichkeit festzustellen, ob eine Wärmepumpe überhaupt infrage käme?
Das geht in Monaten mit tiefen Außentemperaturen, ratsam wären Temperaturen unter minus fünf Grad Celsius. Regeln Sie Ihren Wärmeerzeuger auf eine Vorlauftemperatur von 55, besser noch 50 Grad Celsius, und schalten Sie die Nachtabsenkung aus. Weiterhin wird die Umwälzpumpe „bis Strömungsrauschen“, werden die Thermostatventile völlig aufgedreht.
Werden unter diesen Voraussetzungen alle Räume warm, dann ist das Haus für den Einbau einer Wärmepumpe geeignet. Werden einzelne Räume nicht mehr ausreichend warm, kann man mit größeren oder tieferen Heizkörpern nachsteuern. Sind alle Räume zu kalt bei der Prüfeinstellung der Heizung, wäre vor dem Einbau einer Wärmepumpe erst das Dämmen des Gebäudes notwendig, oder es müssen Geräte mit höheren Betriebstemperaturen verbaut werden.
Wärmepumpe: Alter Heizkörper oder neue Fußbodenheizung?
Muss ich Heizkörper durch eine Fußbodenheizung ersetzen, wenn ich eine Wärmepumpe einbauen lasse?
Natürlich ist eine Flächenheizung immer vorteilhafter als Gliederheizkörper oder kleinere Konvektoren es sind. Die Effizienz-entscheidende Vorlauf-Temperatur des Heizsystems wird durch die Heizkörper bestimmt. Allerdings zeigt die Praxis, dass viele vorhandene Heizkörper überdimensioniert sind, d.h. das Temperaturniveau oftmals schon für Wärmepumpen geeignet ist. Während ein Gliederheizkörper in einer unsanierten Immobilie 75 Grad Vorlauftemperatur benötigt, wären das bei einer Fußbodenheizung in diesem Gebäude nur 35 Grad.
Durch die Anpassung der Heizkörper kann man jedes System effektiver werden lassen. Das lässt sich in Zahlen überzeugender darstellen. Jedes Grad mehr Vorlauftemperatur verlangt zwei bis drei Prozent mehr Stromeinsatz. Gerade deshalb sollte ein Wärmepumpensystem genau geplant werden, sollten Temperaturen und Wärmebedarf vorher feststehen.
Kann eine Wärmepumpe problemlos auch die Warmwasseraufbereitung übernehmen?
Ja, die meisten Geräte sind darauf ausgelegt. Im Vorfeld sollte geprüft werden, welche Zapfmengen nötig sind. Als alternative Option könnte man eine Warmwasser-Wärmepumpe prüfen oder mit Blick auf Effektivität und umweltschonenden Verbrauch an selten genutzten Zapfstellen einen Durchlauferhitzer installieren.

Oliver Buchin, Energieberater der Verbraucherzentrale Brandenburg, war der beratende Experte beim Webseminar zum Thema Wärmepumpe, Kosten und Sparen.
Yolanda Marie HöchnerWie sinnvoll ist es, gerade mit dem Blick auf kältere, nicht lichtintensive Monate, eine Wärmepumpe mit Photovoltaik zu kombinieren?
Photovoltaik ist auch ohne Wärmepumpe eine sinnvolle Technologie und umgekehrt. Die gemeinsame Hauptnutzung ergibt sich im Sommer für die Warmwasseraufbereitung oder, wer seine Wärmepumpe auch als kühlende Klimaanlage in heißen Zeiten nutzt, für den käme auch da der Strom der PV-Anlage infrage. In der Übergangszeit wäre dann das Heizsystem der Stromabnehmer der Eigenerzeugung. Im Winter allerdings sind die Erträge der PV-Anlage meistens nicht relevant. Es sollte in der Planung bereits auf ein gutes Energiemanagement-System geachtet werden.
Wärmepumpe in Deutschland: Förderung senkt Kosten deutlich
Wie sieht es derzeit mit der Förderung für Wärmepumpen aus?
Es erfolgt nach der Gesetzesumstellung vor wenigen Wochen jetzt eine Neujustierung. Was derzeit greift, ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude. Da fällt der Heizungstausch rein. Die Grundförderung beträgt 30 Prozent, oft kombiniert mit fünf Prozent als Effizienzbonus für besonders umweltfreundliche Wärmepumpen. Möglich sind weiterhin 20 Prozent Geschwindigkeitsbonus und bis zu 30 Prozent Einkommensbonus. Für Vermieter ist die Förderung auf 35 Prozent begrenzt.
Bringen Hybridlösungen Einsparungen im Haus?
Fossile Systeme und Wärmepumpe zu kombinieren, ist eher nicht so günstig in Einfamilienhäusern, da durch die Nacheinbauten meist eine höhere Fehleranfälligkeit entsteht. Wenn Sie als Eigenheimbesitzer befürchten, dass gerade an kalten Wintertagen das Heizsystem nicht ausreicht, dann lohnt sich eher ein zusätzlicher Heizstab als das Weiterbetreiben der alten Heizung.
Bei Mehrfamilienimmobilien ist das etwas anders. Anstelle des Heizstabes unterstützt hier der fossile Kessel bei sehr kalten Tagen. Mindestens 65 Prozent der Energie eines Hauses sollte die Wärmepumpe erzeugen, sonst wird das System nicht gefördert.
Kann man Wärmepumpen auch ohne Pufferspeicher betreiben?
Die meisten benötigen einen. Gerade bei den Luft-Wasser-Systemen sind diese bei Frost zur Eisabtauung wichtig, und der Speicher sollte eine Mindestlaufzeit ermöglichen, die etwa bei 20 Minuten liegt. Längere Laufzeiten sind gut für selteneres Anspringen und fördern die Verlängerung der Betriebszeit des Geräts insgesamt.
Qualität von Wärmepumpe aus dem Ausland
Bisher habe ich meine Gastherme unter dem Dach. Kann man da auf eine Wärmepumpe umrüsten?
Ja. Eine Wärmepumpe steht ja außerhalb des Gebäudes. Vor dem Einbau müssen nur die Leitungssysteme angepasst und vielleicht umgebaut werden, und man sollte den Anschlusspunkt für die Hauptverteilung günstig festlegen.
Wie schätzen Sie die Qualität von Wärmepumpen ein, die aus dem Ausland kommen?
Im deutschen, aber auch im internationalen Bereich gibt es langjährige Erfahrungen mit dem Bau, denn jede Wärmepumpe ist eine Klimaanlage und die Kältetechnik ist ja keine neue Technologie. Wichtig bei der Wahl des Geräteherstellers sollte neben den Kosten sein: Wie sieht es mit der regelmäßigen Wartung nach dem Einbau aus, wie breitgefächert ist das Händlernetz, wo findet man im Notfall Hilfe, über welche Erfahrungen berichten Kunden? Die Verbraucherzentrale bietet außerdem an, Angebote unabhängig von der jeweiligen Firma zu vergleichen.
Kostenfreie Energieberatung der Verbraucherzentrale Brandenburg:
Telefon-Hotline 0800 – 809 802 400
online www.verbraucherzentrale-energieberatung.de



