Galeria-Warenhaus in Spandau: Karstadt ist gerettet - so geht es weiter

Das lange Bangen hat ein Ende: Die Karstadt-Filiale in Berlin-Spandau kann bestehen bleiben. Doch am Konzept muss sich zukünftig etwas ändern.
Jessica NeumayerÜber Karstadt in der Spandauer Altstadt wird viel diskutiert – und spekuliert. Die Seniorenvertretung fordert in einem offenen Brief den Erhalt, zahlreiche Parteien äußern ihr Bedauern über die erneute Insolvenz. Ideen zur Nachnutzung werden leise in den Raum geworfen. Bürgermeister Frank Bewig (CDU) schwieg meist. Jetzt gibt es Neuigkeiten.
Am Freitag (7. Juni) gab Galeria Karstadt Kaufhof die Rettung der Filiale bekannt. „Wir können Spandau von der Schließungsliste herunternehmen“, bestätigte Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus. Es konnte eine Einigung mit dem Vermieter erzielt werden.
Das lange Bangen um Galeria in Spandau hat ein Ende
42 Tage lang haben im Hintergrund Gespräche stattgefunden. Das Ergebnis: Sechs Filialen bleiben offen. Neben Spandau werden die Karstadt-Warenhäuser in Köln (Breite Straße), Mainz, Mannheim, Oldenburg und Würzburg erhalten bleiben.
„Wir haben in den letzten Wochen sehr intensiv zusammen gearbeitet“, sagte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD), die alle Beteiligten an einen Tisch holte. „Es war klar, dass bei den drei Standtorten in Berlin, die geschlossen werden sollen, Spandau die größten Chancen hat, von der Liste herunterzukommen.“

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) vermittelt zwischen allen Beteiligten. Die Verträge zur Rettung der Karstadt-Filiale wurden am Freitag (7. Juni) unterschrieben.
Jessica NeumayerAlle Beteiligten wissen, dass das Warenhaus der Zukunft ein anderes als das der Vergangenheit sein muss, fasste Giffey die Erkenntnisse zusammen. Auf die Frage, wie das neue Konzept aussieht, wurde jedoch lediglich ausweichend geantwortet.
Neues Konzept für den Wandel des Warenhauses
„Wir können jetzt nicht stehen bleiben“, fasste Kartstadt-Eigentümer Bernd Beetz zusammen. Die Fehler der Vergangenheit sollen nicht wiederholt werden. „Es ist klar, dass wir jetzt Pläne machen“, sagte Karstadt-CEO Olivier Van den Bossche. An diesem Tage solle jedoch vorerst die gute Nachricht und der Erhalt von über 75 Jobs alleine in Spandau gefeiert werden. Weiteres werde erst später bekannt gegeben.
Deutlich wurde: Karstadt soll zukünftig kein Warenhaus mit fünf Geschossen mehr sein, sondern unter anderem auch attraktive Angebote für die junge Generation bieten. „Wir werden gemeinsam alles geben, dass dieser Standort eine Zukunft hat“, sagte Van den Bossche.

Die Zukunft der Altstadt-Spandau liegt nun in den Händen der Taskforce Zentren des Senats. Neben dem Erhalt von Warenhäusern soll in der Arbeitsgemeinschaft der gesamte Bedarf der Einkaufsstraße analysiert werden.
Jessica Neumayer„Wenn es gelingt, dass Karstadt bleibt, ist allen Akteuren klar, dass es nicht so bleiben kann, wie es jetzt war. Da geben wir als Bezirk schon den ein oder anderen Hinweis“, sagte Bürgermeister Bewig noch auf der Bezirksverordnetenversammlung in einem Nebensatz. Das sieht der Senat ähnlich.
Eine Taskforce für die Altstadt Spandau
Warenhäuser retten, Marktplätze attraktiver gestalten, Besuchermagneten identifizieren und ausbauen: Neben dem Erhalt von Karstadt gibt es viele Ideen gegen die sogenannte Verödung der Altstadt. Das steht jetzt im Fokus der „Taskforce Zentren“ des Berliner Senats.
Zentrale Einkaufsstraßen sind ein wirtschaftliches und soziales Rückgrat eines Stadtteils, heißt es in der Mitteilung der Senatsverwaltung von Montag (3. Juni). Durch Umbrüche und Veränderungen seien solche Zentren einer steten Herausforderung ausgesetzt.
Von insgesamt 80 solcher Erlebnis- und Einkaufsorte in ganz Berlin hat die Taskforce zwölf Zentren ausgewählt. Für diese werden nun fallbezogene Bedarfe erarbeitet. Die Altstadt-Spandau gehört dazu.
Förderung und Entwicklung lokaler Wirtschaftszentren
Am ersten Zentrengipfel haben neben dem Senat, Vertreter der Bezirke, Branchenverbänden und Partnern aus der Privatwirtschaft teilgenommen. In den nächsten zwölf Monaten werden 30 bestehende Maßnahmen und Förderprogramme eingesetzt und, wo nötig, Lösungswege entwickelt, schreibt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.
Im Fokus stehen „die Stärkung des lokalen Standortmanagements, die Gestaltung und die Infrastruktur vor Ort, Fragen der Nutzungsmischung, die Digitalisierung des Handels sowie die derzeit verfolgten Ansätze für neue Wirtschafts-, Mobilitäts- und Logistikkonzepte“.
Der Plan sei dabei, ganzheitlich vorzugehen. „Zwar standen zuletzt die Insolvenzen von Galeria Karstadt Kaufhof oder Rückzugspläne von Häusern wie Galerie Lafayette im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, sie sind aber Teil eines größeren Wandels am Handelsstandort Berlin“, teilt die Senatsverwaltung mit. Die Herausforderungen der Zentren müssen zusammenhängend betrachtet werden.


