Kliniken in Berlin-Spandau: Kritik an Krankenhausreform – und was sich ändern könnte

Die Krankenhausreform der Bundesregierung ist umstritten. Wird auch Berlin-Spandau vom Krankenhaussterben betroffen sein? (Symbolbild)
Rolf Vennenbernd/dpa-tmn/dpa- Die Krankenhausreform wird die Gesundheitslandschaft verändern; Berlin-Spandau ist betroffen.
- Reform reduziert Fallpauschale und fördert Spezialisierung; Bundestag hat Reform beschlossen.
- Berliner Senat muss noch Plan erstellen; konkrete Auswirkungen noch unklar.
- Vivantes und andere Kliniken in Spandau erwarten keine Schließungen.
- Kritik an Reform wegen Gefahr für wohnortnahe Versorgung und hoher Kosten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Weniger Fallpauschale, mehr Spezialisierung: Der Bundestag hat am 17. Oktober 2024 die Krankenhausreform von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mit den Stimmen der Ampelparteien beschlossen. Jetzt muss das Vorhaben noch den Bundesrat passieren, der dem Gesetz aber eher ablehnend gegenübersteht. Und wie sind die Reaktionen in den Einrichtungen in Berlin-Spandau?
Reale Auswirkungen auf Krankenhäuser wird die Reform erst haben, wenn sie das Gesetzgebungsverfahren komplett durchlaufen hat. Danach muss der Berliner Senat noch einen Plan für das Land aufstellen. Aus den Eckpunkten des Papiers könnten sich Krankenhäuser aber schon heute eine Vorstellung ihrer Zukunft machen.
Krankenhausreform – müssen Kliniken in Berlin-Spandau schließen?
In Spandau gibt es sechs Kliniken beziehungsweise Krankenhäuser, die von der Reform betroffen sein könnten. Im Bezirk gibt es laut Daten des Bundesgesundheitsministeriums rund 1500 Betten.
Spandaus größtes Krankenhaus ist das evangelische Waldkrankenhaus am Stadtrand. Es gehört zusammen mit dem Wichernkrankenhaus an der Schönwalder Allee zur Johannesstift-Diakonie. „Die Reform hat erst dann praktische Auswirkungen, wenn die Planung des jeweiligen Bundeslandes vorliegt“, erklärt eine Pressesprecherin der Diakonie. „Das ist für uns dann der spannende Teil.“ Bis dahin heißt es abwarten. Mehr Informationen kann die Diakonie zu diesem Zeitpunkt nicht geben.
Das Berliner Gesundheitsnetzwerk Vivantes sieht weder eine Gefahr für ihr Krankenhaus in Spandau, noch für die restlichen Standorte in der Stadt: „Alle neun Krankenhäuser werden erhalten bleiben“, erklärt ein Sprecher. Das Unternehmen arbeite derzeit intern daran, die Vorgaben des Gesetzes umzusetzen. Grundsätzlich soll sich zwar für Patienten nichts ändern. Dennoch: „Es werden in Zukunft nicht mehr alle Standorte alle Leistungen anbieten.“
Bestimmte Bereiche sollen sich in Zukunft an einzelnen Standorten konzentrieren. Was genau das für die Patienten bedeutet, kann Vivantes bisher nicht sagen. Sicher sei aber: „Das Krankenhaus und die Rettungsstelle in Spandau bleiben erhalten.“
Das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe im Ortsteil Kladow erwartet keine Schließungen. „Nein, wir sind nicht gefährdet, weder Teile noch als Krankenhaus gesamt“, erklärt die Geschäftsführerin Christa Foppe. Das anthroposophische Krankenhaus will aber seine Ausrichtung etwas anpassen. In Zukunft soll es weniger stationäre, dafür mehr ambulante Leistungen geben. Die frei werdenden Betten wolle Foppe dann „für eine Erweiterung unserer Akutgeriatrie und Suchtmedizin nutzen“. Man rechne mit steigenden Patientenzahlen nach der Reform, sowohl stationär als auch ambulant.
Auch kleinere Kliniken sehen bisher keine Gefahr für ihre Existenz. „Die Havelklinik wird weiterhin die bisherige Gesundheitsversorgung in vollem Umfang aufrechterhalten und Patienten wie gewohnt betreuen“, erklärt eine Sprecherin der chirurgischen Spezialklinik. Auch das Repertoire der Klinik im Ortsteil Gatow soll unverändert bleiben: „Es sind keine Veränderungen im Leistungsspektrum der Havelklinik geplant.“
Eine Sprecherin der Klinik Median im Ortsteil Kladow gibt zu bedenken, dass man als Reha-Klinik nicht direkt von der Reform betroffen sei. „Wir werden schauen, wie sich im Akutbereich Strukturen verändern“, so die Klinik. Das könne sich dann indirekt auch auf die Nachfrage für Rehabilitationen auswirken.
Bezirksamt Spandau sieht Krankenhausreform kritisch
Und was erwartet das Bezirksamt? „Grundsätzlich sehe auch ich den Bedarf einer Reform der deutschen Krankenhauslandschaft“, erklärt die Stadträtin für Jugend und Gesundheit, Tanja Franzke (CDU). Das Vorhaben der Bundesregierung sehe sie jedoch kritisch, da es die wohnortnahe Versorgung gefährde.
Für Spandau lasse sich zu diesem Zeitpunkt aber noch kein eindeutiges Bild zeichnen. „Noch ist nicht absehbar, welche Auswirkungen die Reform auf die Spandauer Krankenhäuser haben wird. Ich stehe dazu in engem Austausch mit den Geschäftsführungen der Kliniken im Bezirk“, erklärt die Stadträtin.
Krankenhausreform der Bundesregierung – Kernpunkte
- Entmachtung der Fallpauschale
Die Reform sieht ein neues Vergütungssystem vor. Fallpauschalen sollen nur 40 Prozent der Einnahmen darstellen, die restlichen 60 Prozent sollen Kliniken allein für das Vorhalten von Leistungen erhalten. Dazu zählen etwa die Notaufnahme oder spezielle Medizintechnik. - Medizinische Spezialisierung
Nicht mehr alle Krankenhäuser sollen alle Leistungen anbieten. Kleinere Kliniken sollen sich auf einfache Eingriffe beschränken, die sie gut beherrschen. Komplexere Aufgaben sollen sich an weniger, dafür aber gut ausgestatteten Standorten konzentrieren. Damit soll die Qualität der Behandlungen verbessert werden. - Geregeltes Kliniksterben
Viele Krankenhäuser in Deutschland schreiben rote Zahlen. Auch nach der Reform werden einige Standorte aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen. Mit dem Gesetz will die Bundesregierung das unkontrollierte Sterben von Krankenhäusern in eine geregelte Bahn lenken, um trotzdem eine ausreichende Versorgung anzubieten.
Kritik an der Reform kommt vor allem aus den Ländern, aber auch von Gesundheitseinrichtungen und Krankenkassen. Sie kritisieren Kosten, bürokratischen Aufwand und Effektivität der Reform. Mehrere Bundesländer planen daher, sich im Bundesrat gegen das Vorhaben zu stellen.
Quellen: Bundesgesundheitsministerium (BMG), tagesschau


