Lehrermangel und Studium
: Radikaler Plan – so will Brandenburg schnell Lehrer gewinnen

Die Landesregierung Brandenburg präsentiert ein Zehn-Punkte-Programm für die Lehrer-Ausbildung – weniger NC, bezahlte Praxissemester und kürzere Studienzeit. Einiges davon wird sofort wirksam.
Von
Mathias Hausding
Potsdam
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Zwei Studentinnen auf Lehramt in einem vollen Hörsaal: Zugangsbeschränkungen für angehende Lehrkräfte sollen in Brandenburg künftig die Ausnahme sein. (Symbolbild)

Julian Stratenschulte/dpa

Brandenburg kämpft wie andere Bundesländer auch mit einem Lehrermangel in bislang ungekannten Dimensionen. Diverse Maßnahmen wurden bereits angeschoben. Am Freitag (30. Juni) präsentierten die zuständigen Minister gemeinsam mit Vertretern der Universitäten ein Zehn-Punkte-Programm, das weitere konkrete Schritte zum Beispiel an der Universität Potsdam vorsieht.

„Zugangsbeschränkungen zu Lehramtsstudiengängen werden in Zukunft die Ausnahme sein“, heißt es in dem Papier. Bereits zum kommenden Wintersemester gebe es zum Beispiel für Mathematik auf Lehramt an der Uni Potsdam keinen NC mehr. Sollte der Studiengang nun überbucht sein, freue man sich darüber und sei darauf vorbereitet, die Studierenden dennoch gut zu betreuen, sagte Andreas Borowski, der Chef der Lehrerbildung an der Universität.

Die Uni Potsdam verspricht: Kein NC-Studienplatz bleibt unbesetzt

Im Programm fixiert ist außerdem, dass die Uni gemeinsam mit anderen Akteuren den Bewerbungsprozess vor Semesterstart penibel im Blick behält, damit wirklich alle Studienplätze besetzt werden. In der Vergangenheit gab es Kritik, dass Plätze frei blieben, weil Leute mit Zusage absprangen, aber nicht ersetzt wurden. „Kein zulassungsbeschränkter Lehramtsstudienplatz darf unbesetzt bleiben“, lautet ab sofort die verbindliche Maxime.

Neu ist auch, dass die Studierenden während ihres Praxissemesters vom Land bezahlt werden sollen. Der Hintergrund: Während des stressigen Praxissemesters können die Studierenden kaum einem Nebenjob nachgehen. Sie haben dann also Geldmangel, was belastend sei und die Studiendauer verlängern könne. Beides sei im Ringen um die Fachkräfte nicht zielführend, deshalb werde man hier helfen, sagte Bildungsminister Steffen Freiberg (SPD). Er bat dabei um Verständnis: Dieser Punkt sei so neu, dass sowohl die Höhe als auch die technische Umsetzung dieser finanziellen Unterstützung noch offen ist.

Mehr Praxisbezug und kürzere Studienzeit – ein Vorzeige-Modell?

Das Programm enthält außerdem Verbesserungen, die mittelfristig wirken sollen. Mit Verweis auf den in Rekordzeit aufgebauten Standort für die Lehrkräfte-Ausbildung in Senftenberg betonte Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD), dass das Land dort auch ein völlig neues Konzept verfolgte. Das Ziel: Deutlich mehr Praxisbezug von Anfang an und kürzere Studienzeiten. „Wir werden bundesweit Vorreiter beim dualen Studium“, gab die Ministerin als Credo aus.

Sämtliche Schritte etwa auch bei der Seiteneinsteiger-Qualifizierung und der Lehrerweiterbildung in Sachen Digitalisierung sollen von einem zum Januar 2025 neu aufgebauten Schulinstitut, dem Lisum-Nachfolger, begleitet werden. Ziel ist ein schnellerer Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Schulpraxis. Last but not least: Ab dem Wintersemester 2024/25 startet an der Universität Potsdam eine neue Berufsschullehrer-Ausbildung mit 60 Studienplätzen. Und schon ab diesem Herbst wird an der FH Potsdam die Zahl der Studienplätze für angehende Schulsozialarbeiter erhöht.

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