Nach Brücken-Abriss in Berlin
: Gibt es doch einen Neubau in Schöneweide?

Der Berliner Senat prüft einen Neubau für die abgerissene Brücke An der Wuhlheide in Oberschöneweide. Das Verkehrskonzept hängt auch von einer geplante Schnellstraße ab.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Da stand sie noch: Die Brücke an der Wuhlheide im Ortsteil Oberschöneweide wurde im Frühjahr 2025 wegen Schäden im Tragwerk gesperrt und dann abgerissen. Wochenlang war auch der Verkehr unter der Brücke auf der Edisonstraße/Treskowallee untersagt.

Da stand sie noch: Die Brücke An der Wuhlheide im Ortsteil Oberschöneweide wurde im Frühjahr 2025 wegen Schäden im Tragwerk gesperrt und dann abgerissen. Wochenlang war auch der Verkehr unter der Brücke untersagt.

dpa/Jens Kalaene
  • Berliner Senat prüft Neubau der Brücke An der Wuhlheide.
  • Verkehrskonzept hängt von geplanter Schnellstraße TVO ab.
  • Ergebnisse der Untersuchung in drei Monaten erwartet.
  • Prognose: Verkehr in Oberschöneweide wird stark zunehmen.
  • Diskussion über alternative Lösungen wie Straßenbahn und Kreisverkehr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Verkehr an der Kreuzung Edisonstraße/Treskowallee im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick rollt zwar wieder, doch der spontane Brückenabriss An der Wuhlheide wird für Pendler im Südosten von Berlin noch ein Nachspiel haben.

Die wichtige Kreuzung war Mitte Mai gesperrt worden, nachdem erhebliche Schäden in der Brücke in Oberschöneweide festgestellt worden waren. Die Überführung, die die Rummelsburger Straße mit der Straße An der Wuhlheide verband und kreuzungsfrei die wichtige Nord-Süd-Achse zwischen Karlshorst mit Oberschöneweide überspannte, wurde Ende Mai 2025 wegen Einsturzgefahr abgerissen.

Neue Brücke für Berlin – Ergebnisse in drei Monaten erwartet

Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) betonte einige Tage später im Abgeordnetenhaus, dass es keinen Ersatzneubau geben werde. Doch wie zuerst der Tagesspiegel berichtete, war diese Ankündigung wohl etwas verfrüht.

Denn die Senatsverkehrsverwaltung prüft doch einen Neubau. „Auf Grundlage einer Verkehrsuntersuchung sollen verschiedene Varianten zur Verkehrsführung untersucht werden - sowohl mit als auch ohne Brücke“, bestätigt ein Sprecher der Senatsverwaltung auf Nachfrage. Bei der Untersuchung soll die Leistungsfähigkeit des Knotenpunktes betrachtet werden und als Grundlage für die Entscheidung über einen Wiederaufbau der Brücke dienen.

Das Ergebnis wird frühestens in drei Monaten erwartet. „Wir sind sehr gespannt auf die Erkenntnisse“, sagt Kristian Ronneburg, Verkehrsexperte der Linken. Nach seinen Beobachtungen vermutet er, dass eher kein Ersatzbau nötig sein wird. Vielmehr müsste man die Kreuzung unter der ehemaligen Brücke neu gestalten und für zusätzliche attraktive Straßenbahn-Verbindungen ausbauen sowie diese auch frühzeitig planen, findet der Politiker. Bisher seien aber für eine neue Tram-Trasse nur die Flächen gesichert worden.

„Bei den aktuellen Untersuchungen wird eine weitere Straßenbahntrasse nicht berücksichtigt“, heißt es dazu aus der Verkehrsverwaltung. „Da erst bei einem möglichen Ergebnis zum Brückenneubau diese Frage überhaupt eine Rolle spielen müsste“, erklärt der Sprecher. „Bei allen anderen Varianten wäre auch in Zukunft ein Umbau des Kreuzungsbereiches für eine weitere Straßenbahntrasse möglich.“

Mehr Verkehr in Schöneweide erwartet

Dass nun überhaupt eine neue Autobrücke in Betracht kommen könnte, liegt an Prognosen der Senatsverwaltung, die besagen, dass der Verkehr in Oberschöneweide stark zunehmen werde. Auslöser dafür soll vor allem die seit Jahrzehnten geplante Tangentiale Verbindung Ost (TVO) sein.

Die neue Schnellstraße soll Marzahn mit Köpenick und dem Flughafen BER verbinden. Die Planungen für das fehlende Teilstück durch die Wuhlheide stocken seit vielen Jahren. Sollte die TVO jedoch 2030 fertig sein, werden laut Senatsveraltung für die Kreuzung in Oberschöneweide 31.000 Fahrzeuge prognostiziert.

Bislang fuhren täglich 17.000 Kraftfahrzeuge über die Brücke, 4000 weitere über die parallelen ebenerdigen Fahrbahnen. Das geht aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage hervor, die die Grünen im Mai an die Senatorin gestellt hatten.

Ob und wann es mit der Schnellstraße überhaupt weitergeht, steht in den Sternen. „Derzeit werden Einwendungen und Stellungnahmen digitalisiert, gesichtet und beantwortet“, so der Sprecher der Verkehrsverwaltung. Zudem liefen Abstimmungen mit den beteiligten Behörden. „Darüber hinaus gibt es hier keinen neuen Sachstand.“

Bund zahlt nicht mehr für Schnellstraße

„Es ist überhaupt nicht klar, ob die TVO kommt“, betont Kristian Ronneburg. Das liege vor allem daran, dass durch neue Förderrichtlinien den Löwenanteil von geschätzten 400 Millionen Euro nicht wie einst geplant der Bund, sondern das Land Berlin tragen müsste.

Die Investitionsplanung sieht einen Landesanteil von mehr als 92 Prozent vor, das entspräche Kosten von mindestens 325 Millionen Euro, statt der bisher vorgesehenen 37 Millionen Euro, rechnet auch die Grünen-Fraktion vor. Weitere Kostensteigerungen seien dabei noch nicht eingerechnet.

Die Berliner Grünen streben mit der SPD Brandenburg an, stattdessen lieber die Nahverkehrstangente (NVT) weiter voranzubringen.

Dabei handelt es sich um eine 12,5 Kilometer lange Schienen-Verbindung zwischen dem Karower Kreuz im Norden und dem Grünauer Kreuz im Süden der Stadt. „In einer Sitzung Ende Februar 2024 hatte sich der Senat schon zugunsten der weiteren Planung einer neuen Verbindung zwischen dem S-Bahnhof Springpfuhl und dem Grünauer Kreuz ausgesprochen“, berichtet Antje Kapek, Sprecherin für Verkehrspolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus.

Grüne wollen zweiten S-Bahn-Ring

„Damit schließen wir die letzte Lücke im Bahnaußenring“, erklärt die gebürtige Kreuzbergerin. „Berlin erhält neben dem S-Bahn-Ring einen kompletten zweiten Bahn-Ring um die Stadt herum. Das verbessert die Anbindungen im Berliner Osten, sowie in das Umland.“ Die ersten groben Kostenschätzungen für das Mammutprojekt gehen von 1,3 Milliarden Euro aus.

Den Neubau der Brücke An der Wuhlheide sieht Kapek dagegen als Geldverschwendung an. „Schon die jetzige Verkehrsmenge auf der Kreuzung an der Wuhlheide rechtfertigt eine zusätzliche Brücke in keinster Weise“, betont die Grünen-Politikerin. „Der Autoverkehr nimmt dort stetig ab - genauso wie im Rest Berlins.“ Umso absurder sei es, dass der Senat eine völlig unerklärliche Verdopplung eben dieser Verkehrsmenge erwarte und deshalb einen millionenschweren Brückenneubau in Erwägung ziehe.

„Stattdessen braucht es ein realistisches Verkehrskonzept für die Kreuzung, gemeinsam entwickelt mit den betroffenen Bezirken“, so Antje Kapek. Eine mögliche Variante habe die Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick ins Spiel gebracht und den Kreisverkehr mit Vorrang für die Straßenbahn vorgeschlagen. Auch diese Möglichkeit werde bei den neuen Prüfungen berücksichtigt, heißt es von der Verkehrsverwaltung.

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