ÖPNV in Berlin: BVG unter Strom – jetzt kommen Betriebshöfe nur für E-Busse

An der Säntisstraße in Berlin-Marienfelde sollen in Zukunft mehr als 200 Elektrobusse parken und laden können.
Monika Skolimowska/dpa- BVG baut bis 2027 Berlins ersten reinen E-Bus-Betriebshof in Marienfelde mit 218 Ladesäulen.
- Zusätzliche Ladepunkte und Umbauten anderer Depots sollen die E-Bus-Flotte bis 2030 sichern.
- Ziel: 500 E-Busse bis 2027, vollständige Umstellung auf Elektromobilität bis 2030.
- Experten fordern Straßenbahn-Ausbau für überlastete Buslinien, z. B. in Spandau und Neukölln.
- Straßenbahnen bieten mehr Kapazität und Fahrkomfort, fördern Umstieg aufs ÖPNV.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) rüsten weiter auf. Am Freitag (8. August 2025) wird der Spatenstich für den ersten reinen E-Bus-Betriebsbahnhof im Süden der Stadt gefeiert.
Der Neubau mit 218 E-Ladesäulen entsteht bis 2027 auf einem 66.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Säntisstraße in Berlin-Tempelhof, im Ortsteil Marienfelde. Dazu sind ein Verwaltungsgebäude, eine Werk- und Servicehalle, eine Tiefgarage und weitere Abstellflächen sowie die dazugehörigen Verkehrs- und Außenanlagenflächen geplant, heißt es von der Zech Group, die die Planungen für die BVG übernommen hat.
BVG in Berlin – erster Neubau seit 60 Jahren
Doch es wird nicht der einzige Ort sein, an dem künftig E-Busse in Berlin nicht nur geladen, sondern auch gewartet und repariert werden. Schon im März 2025 hatte die BVG mit dem Bau eines Betriebshofes an der Köpenicker Landstraße im Südosten Berlins begonnen. Das Projekt auf einem 44.000 Quadratmeter großen Areal war damit der erste Neubau eines Omnibusbetriebshofs nach fast 60 Jahren.

So soll der neue BVG-Betriebshof für E-Busse an der Säntisstraße in Berlin-Marienfelde 2027 aussehen. (Grafik)
ARGE BVG SäntisDieses neue Depot für E-Busse in Treptow-Köpenick ist Teil des neuen Straßenbahn-Betriebshofs in Schöneweide und soll ebenfalls im Jahr 2027 in Betrieb gehen.
In Marienfelde dagegen werden künftig nur noch E-Busse beheimatet sein. Laut der Sweco GmbH, die für die Generalplanung verantwortlich ist, sind 209 Ladepunkte mit einer Leistung von bis zu 150 Kilowatt für das Laden über Nacht geplant.
Zusätzliche Lademöglichkeiten in Berlin – auch für Doppeldecker
Dazu werden neun Ultraschnellladesäulen mit einer Leistung von bis zu 450 Kilowatt, eine Übergabestation, zwölf Wechselrichterstationen und neun Lademasten an den Stellplätzen der Fahrzeuge errichtet. „Die Option, Ladevorgänge für den Doppeldeckerbusbetrieb sicherzustellen, besteht ebenfalls“, heißt es von den Planern.
Bis 2027 will die BVG laut eigenen Angaben mindestens 500 E-Busse im Einsatz haben, bis 2030 die gesamte Flotte auf Elektromobilität umgewandelt haben. Um diese auch mit genug Strom zu füttern, sollen neben den ersten reinen E-Bus-Betriebshöfen noch weitere zusätzliche Lademöglichkeiten im Stadtgebiet entstehen. Zudem werden bestehende Betriebshöfe für den Betrieb von Elektrobussen umgebaut.
Das ist vor allem nötig, um die Mitte und den Norden besser zu vernetzen. Lange Wege zur Ladesäule oder in die Werkstatt sind nicht nur unwirtschaftlich, sondern blocken auch mehr Personal, das sowieso schon an allen Ecken knapp ist.
Der Umbau und Neubau der Betriebshöfe sei für die Umwandlung der Busflotte auf emissionsfreie Mobilität notwendig, findet auch der Fahrgastverband IGEB. „Doch zugleich muss man schauen, wie man Verkehrs-Korridore, die jetzt schon mit Bussen überfrachtet sind, entlasten kann“, betont der Sprecher Christian Linow.
Forderung nach Straßenbahn-Ausbau
Als Beispiel nennt er den Bezirk Spandau sowie die Buslinie M41 zwischen Neukölln und Treptow. „Da sind die Kapazitäten im Busverkehr ausgereizt. Da kann man keine dichteren Takte mehr fahren“, sagt Linow. „Dort wäre es besser, auf den Ausbau der Straßenbahn zu setzen.“
Denn diese fassen zwei- bis dreimal so viele Fahrgäste wie die herkömmlichen Berliner Busse. Eine Forderung vom Fahrgastverband, aber auch von den Linken und dem Bündnis pro Straßenbahn an die Politik ist deshalb schon länger, in Spandau ein Inselnetz für die Tram aufzubauen. „Längerfristig könnte man das dann über Tegel an das restliche Netz anschließen“, erklärt Linow.
Die Straßenbahn habe zudem eine bessere Akzeptanz bei neuen Nutzern als Busse, wenn es darum geht, vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Das liege nicht nur an den größeren Kapazitäten, sondern auch am besseren Fahrkomfort.
Diese unter Experten „Schienenbonus“ genannte Beobachtung habe man auch bei der Verlängerung der M10 vom Hauptbahnhof in die Turmstraße nach Moabit gemacht. Ursprünglich habe die BVG für den neuen Tram-Abschnitt rund 10.000 Fahrgäste Tag prognostiziert, berichtet Linow. „Nun sind dort 23.000 Menschen unterwegs.“




