Trinkwasser in Berlin
: Blei-Wasser aus dem Hahn? Wie man versteckte Rohre entlarvt

Wasserleitungen aus Blei sind seit 2026 verboten. In Berlin findet sich das Schwermetall trotzdem noch im Trinkwasser. Besonders für Kinder ist das schlecht. So lassen sich versteckte Rohre erkennen.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Blei-Rohr: Stecken solche Leitungen noch in alten Häusern, wirkt sich das auf die Trinkwasser-Qualität aus. Besonders für Kinder ist bleihaltiges Wasser gefährlich. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Bleirohr: Stecken solche Leitungen noch in alten Häusern, wirkt sich das auf die Trinkwasser-Qualität aus. Besonders für Kinder ist bleihaltiges Wasser gefährlich.

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  • Bleirohre in Berlin trotz Verbot: seit 12. Januar dieses Jahres faktisch untersagt.
  • BWB-Test auf Blei: für Schwangere/Säuglinge gratis, sonst 17,85 Euro.
  • Probeabgabe: 0,5-l-Flasche im Kundenzentrum, Neue Jüdenstr. 1, Mo–Fr.
  • 2023: 1157 Proben, 179 mit Blei, Grenzwert 0,01 mg/l 67 Mal überschritten.
  • Erkennung: dumpfer Klang, weiches Material; DVGW-Siegel bei Armaturen beachten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die meisten Menschen befassen sich das erste Mal mit dem Thema Blei, wenn sie Eltern werden. Denn das Schwermetall im Trinkwasser ist für Schwangere und Babys besonders ungesund. Auch deshalb sind die Tests, ob man in einem Mietshaus mit Bleirohren lebt, bei den Berliner Wasserbetrieben für Schwangere und Familien mit Säuglingen kostenlos.

Alle anderen zahlen 17,85 Euro, um zu erfahren, ob Blei in ihrem Trinkwasser ist. „Dafür muss man nichts weiter tun, als das Wasser von zu Hause in eine leere saubere Halbliter-Plastikflasche abzufüllen und es in der Zentrale unweit des Berliner Alexanderplatzes abzugeben“, erklärt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe.

Ist der Test positiv, kann man seinen Vermieter anzählen. Denn laut einer neuen Verordnung müssen alle Bleirohre und bleihaltigen Teile in Trinkwasserinstallationen bis zum 12. Januar 2026 stillgelegt oder entfernt worden sein, „Eigentümer und Vermieter sind verpflichtet, Mieter und Nutzer zu informieren und die Sanierung durchzuführen, sonst drohen Bußgelder“, heißt es von den Wasserbetrieben.

Blei ist schlecht für das Nervensystem von Kindern

Denn gesundheitlich problematisch sei vor allem die schleichende Belastung durch regelmäßige Aufnahme kleiner Bleimengen, warnt auch das Bundesumweltamt. Das Blei beeinträchtige die Blutbildung und Intelligenzentwicklung bei Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern.

Wasserflaschen mit der Aufschrift „Berliner Wasser“ und der Schriftzug „Ganz klar für Berlin.“, aufgenommen bei der Jahres-Pressekonferenz der Berliner Wasserbetriebe. +++ dpa-Bildfunk +++

Leitungswasser aus Berlin gilt gemeinhin als so gut, dass es inzwischen auch auf mancher Veranstaltung gereicht wird. Doch wenn alte Bleirohre ins Spiel kommen, kann es gesundheitsgefährdend sein.

Jens Kalaene/dpa

Besonders empfindlich auf Blei reagiert das sich entwickelnde kindliche Nervensystem, heißt es. Beim Erwachsenen werde Blei ausgeschieden oder in den Knochen eingelagert, könne aber wieder in den Blutkreislauf gelangen, zum Beispiel während der Schwangerschaft.

Dazu gilt Blei laut Bundesumweltministerium als ein schwaches indirektes genotoxisches Karzinogen, das heißt, dass Erbinformationen verändert und somit Krebserkrankungen verursacht werden können.

So wird das einst so beliebte Leitungs-Material schon seit Ende der 1960-Jahre nicht mehr in Trinkwasserleitungssystemen verbaut. Ob man in seinem Mietshaus trotzdem noch Blei hat, kann man auch testen, in dem man mit einem Schraubenzieher gegen die Rohre klopft. „Eisen oder Kupfer klingen glockenartig, Blei dagegen hört sich dumpf an“, erklärt Natz.

Das im Verhältnis weichere Material lasse sich auch schnell einritzen oder beschädigen. „Wenn man mit dem Schraubenzieher reinsticht, ist man schnell mal durch“, beschreibt es Natz.

179 Mal Blei in Wasserproben von Mietern

Dass Bleirohre für die Mieter sichtbar durch Berliner Wohnungen und Keller führen, käme heute eher selten vor. „Die meisten Häuser wurden in den vergangenen Jahrzehnten generalsaniert“, sagt Sprecher der Wasserbetriebe. Eher sei es möglich, dass sich im Inneren der Wände vielleicht noch ein halbes Meter Teilstück aus Blei befindet, das bei der Sanierung nicht extra freigemeißelt wurde.

In den 1157 Proben, die die Berliner Wasserbetriebe im vergangenen Jahr untersuchten, wurde 179 Mal Blei festgestellt. Der Grenzwert von 0,01 Milligramm pro Liter wurde 67 Mal überschritten.

Zu den Zahlen muss man allerdings sagen, dass nicht nur die Berliner Wasserbetriebe solche Tests durchführen. Auch andere Institute und Umweltvereine untersuchen Wasserproben. Der gesetzliche Grenzwert für Blei im Trinkwasser wurde seit 2003 in ganz Deutschland sukzessive von 0,04 Milligramm je Liter auf 0,01 im Jahre 2025 abgesenkt.

Bleirohre seit 2026 in Wohnhäusern verboten

Seit dem 12. Januar dieses Jahres wurde er auf 0,005 mg/l halbiert. Damit sind Bleirohre für Trinkwasser in Wohnhäusern nun faktisch verboten. „Denn diese Werte sind auch bei langem Ablaufen des Wassers nicht einhaltbar, wenn in der Hausinstallation irgendwo noch Blei verbaut ist“, erklärt Natz.

Die meisten Bleirohre oder Teile von ihnen finden sich in den Westbezirken Berlins, ergänzt er. Das habe damit zu tun, dass die Kriegszerstörung im Osten größer gewesen sei. Beim Neubau habe man dann eher anderes Material verwendet, da Blei in der DDR einen hohen Materialwert gehabt habe und man das Schwermetall lieber für andere Dinge nutzte.

Dass Blei im Trinkwasser nicht gut für die Gesundheit ist, wussten schon unsere Vorfahren. „Viele ließen deshalb das Wasser einfach so lange laufen, bis es kalt war, um sicherzugehen, dass es nicht schon zu lange im Bleirohr stand und dadurch wenig kontaminiert war“, erklärt der Mann von den Wasserbetrieben. Der neue seit Januar 2026 gültige Richtwert sei nun so gering, dass man damit selbst ein nur zehn Zentimeter langes Teilstück aus Blei entlarven könne.

Blei in Wasserhähnen: Prüfsiegel kann Aufschluss geben

Allerdings gebe es noch einen weiteren Faktor, den man als Mieter ausschließen sollte: „Preiswerte Mischbatterien“, sagt Natz. Denn selbst wenn die Wasserhähne außen laut Anbieter aus „hochwertigem Edelstahl“ sind, bestünden die Kugelköpfe im Inneren manchmal aus Messing und können damit einen geringen Anteil von Blei aufweisen.

Wer in diesem Fall sicher gehen will, sollte darauf achten, dass die Armaturen ein Zertifikat des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) haben, erklärt Natz. Das Prüfsiegel stelle sicher, dass das Produkt auch die technischen Regeln und Hygienebestimmungen einhält, die für den unbedenklichen Genuss von Wasser aus dem Hahn nötig sind.

Wasseranalyse

Proben mit Wasser vom heimischen Wasserhahn (bitte Stagnationswasser vorher ablaufen lassen und Probe in saubere 0,5 Liter-Mineralwasserflasche abfüllen) können im Kundenzentrum der Berliner Wasserbetriebe, Neue Jüdenstr. 1, 10179 Berlin, Montag bis Donnerstag (8.30 bis 16.30 Uhr, Freitag bis 15.30 Uhr) abgegeben werden.

Für Haushalte, in denen Schwangere oder Säuglinge im Alter bis zu einem Jahr wohnen, sind die Blei-Analysen bei Vorlage des Mutterpasses oder der Geburtsurkunde kostenfrei, sonst kostet sie 17,85 Euro.