OECD-Bildungsdirektor: Digitalisierung der Schulen steht noch am Anfang

Ein Schüler des Gymnasium Carolinum errechnet eine Gleichung mit einem iPad im Matheunterricht.
dpa/Britta Pedersen„Das ist ein ganz guter Start“, sagte er dieser Zeitung. „Entscheidend ist aber, Lehrkräfte darauf vorzubereiten, die Infrastruktur sinnvoll einzusetzen.“ Schleicher gilt als einer der Väter der Pisa-Vergleichstests, in deren Rahmen zuletzt auch der Einsatz digitaler Ressourcen in den Fokus rückte. Mit bislang uneindeutigen Ergebnissen, wie er sagte. „Wir sehen, dass die Digitalisierung in Deutschland nicht durchgängig zu besseren Ergebnissen führt.“
Der Bundestag hat am Donnerstag mit Zwei-Drittel-Mehrheit die Grundgesetzänderungen beschlossen, die Voraussetzung für den Digitalpakt Schule ist. Erwartet wird, dass im März auch der Bundesrat zustimmt. Tags hatten sich Bund und Länder im Vermittlungsausschuss auf einen Kompromiss verständigt. Dieser sieht unter anderem vor, dass die Bundesregierung anlassbezogen Akten verlangen darf, um sicherzustellen, dass Bundesmittel für die Bildung wie verlangt verwendet werden.
Zugleich ist eine Klausel gestrichen worden, die vorsah, dass die Länder künftig alle Investitionen des Bundes in gleicher Höhe bezuschussen müssen. Ländervertreter wie der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) legten nach der Einigung Wert darauf, dass Einfluss des Bundes auf die Bildungspolitik verhindert wurde.
Dabei spielt das laut OECD-Bildungsdirektor Schleicher gar nicht die entscheidende Rolle. „Ob Bildungsentscheidungen vom Bund oder von den Ländern kommen, macht für die Schulen nicht so viel aus“, sagte er. Die Frage, ob Schulen Gestaltungsfreiräume haben, sei viel wichtiger. „In Deutschland werden 13 Prozent aller bildungsrelevantenEntscheidungen in den Schulen getroffen. In den Niederlanden sind es 80 Prozent“, sagte Schleicher.
Für eine gelingende Digitalisierung der Schulen seien zwei weitere Dinge wesentlich. Einerseits die Qualität der Software. „Kaum ein Kind würde in der Freizeit mit einem Computerspiel spielen, das die Qualität von Schulsoftware hat“, so Schleicher. Wichtig sei zudem die Weiterbildung der Lehrer - und die brauche Zeit.
Ein Problem seien deswegen die vielen Unterrichtsstunden, die die Lehrkräfte leisten müssten: „Lehrer in Deutschland haben jedoch deutlich weniger Zeit für Tätigkeiten, die über den Unterricht hinausgehen, als das in anderen Ländern der Fall ist. Sie werden zwargut bezahlt und haben gute Arbeitsbedingungen. In Singapur oder Shanghai unterrichten sie aber nur halb so viel.“
Schleicher hält gerade diese beiden Länder für Vorbilder: Dort seien zwar die Klassen um mindestens ein Drittel größer, dafür haben die Lehrer Zeit für andere Dinge. Dass Deutschland bislang einen anderen Weg gegangen sei, hält er für falsch. „Man kann das Geld eben nur einmal ausgeben.“