Wahlen im Barnim 2024: 500 Bewerber für den Kreistag

Qual der Wahl: Bei der Kreistagswahl am 9. Juni haben die Barnimer in den neun Wahlkreisen die Auswahl zwischen 500 Kandidaten aus 19 Gruppierungen.
Thomas Burckhardt/ Sven Klamann/ Tilman Trebs/ Fion Grosse/ Ralf Hirschberger/ Soeren Stache/ Milena Raddatz/ Carola Voigt/56 Sitze werden am 9. Juni im Kreistag Barnim neu gewählt. Und die Wähler in den neun Wahlkreisen haben die Qual der Wahl. Genau 500 Kandidaten bewerben sich um die vakanten Ehrenamtsposten. Auf den Listen befinden sich einige Altbekannte, aber auch viele Neulinge. Insgesamt 19 verschiedene Parteien, Wählergemeinschaften und Einzelkandidaten treten an.
Die Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen (BVB)/ Freie Wähler stellen mit 81 Leuten die größte Kandidatenschar, gefolgt von der CDU und der SPD mit jeweils 80 Bewerbern. Dahinter folgen Bündnis 90/ Die Grünen (60), Die Linke (44), die FDP (40) und die AfD (37).
Umstrittene Wahlkreise bleiben
Umstritten war im Vorfeld die erneute Einteilung in neun verschiedene Wahlkreise. Die Kreisverwaltung wollte die Anzahl reduzieren – von neun auf vier. Das stieß auf wenig Gegenliebe bei der Kommunalpolitik. Viele ehrenamtliche Politiker, allen voran die SPD, fürchteten eine Entfremdung durch zu große Wahlkreise.
In der nun abgestimmten Variante mit neun Wahlkreisen liegt die Untergrenze pro Wahlkreis bei 16.012 Einwohnern und die Obergrenze bei 26.687 Einwohnern. Die Städte Eberswalde und Bernau wurden somit zweigeteilt, die Gemeinden Wandlitz und Panketal erhalten eigene Wahlkreise. Die Stadt Werneuchen und die Gemeinde Ahrensfelde werden für die Kreistagswahl zusammengelegt, ebenso die Gemeinde Schorfheide, Biesenthal, Marienwerder und Melchow. Den letzten Wahlkreis bilden die Ämter Joachimsthal und Britz-Chorin-Oderberg sowie die Gemeinden Sydower Fließ, Breydin und Rüdnitz.
Landtags- und Bundestagsabgeordnete auf der Liste
Die Wahlkreise sind zum Teil auch prominent besetzt. Im Wahlkreis 1 (Eberswalde) kämpfen beispielsweise SPD-Landtagskandidat Kurt Fischer und FDP-Europakandidat Martin Hoeck als Spitzenkandidaten um Stimmen. Konkurrenz bekommen sie durch die erfahrenen Kommunalpolitiker Karen Oehler (Grüne), Tilo Weingardt (AfD) und Steffi Schneemilch (Linke). CDU, SPD, FDP, Grüne und BVB/ Freie Wähler sind hier mit je neun Kandidaten vertreten.

Paul-Wunderlich-Haus in Eberswalde: Hier wird die Kreispolitik gemacht. Wer zieht als ehrenamtlicher Abgeordneter im Juni hier ein? Die Bürger haben die Wahl unter 500 Kandidaten.
Markus PettelkauIm Wahlkreis 2 (Eberswalde) ist die Anzahl der Kandidaten ähnlich verteilt. Als Spitzenkandidaten stechen hier CDU-Landtagskandidat und Preussen Eberswalde-Präsident Danko Jur, der GLG-Konzernbetriebsratsvorsitzende Marco Stropp (Linke), AfD-Landtagskandidat Roman Kuffert und der Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bürgermeister von Eberswalde Friedhelm Boginski (FDP) hervor. Mit dem Brandenburger Linke-Vorsitzenden Sebastian Walter und den lokal bekannten Kommunalpolitikern Viktor Jede und Carsten Zinn vom Bündnis Barnim wird auch hier ein heißer Kampf um die Stimmen erwartet.
Duell der Bürgermeister
Auch in den beiden Bernauer Wahlkreisen wird es heiß hergehen. Im sogenannten Wahlkreis 3 werben unter anderem Bernaus CDU-Chef Daniel Sauer, das kommunalpolitische Urgestein Lutz Kupitz (Linke) sowie SPD-Landtagskandidatin Martina Maxi Schmidt um Stimmen. Im zweiten Bernauer Wahlbezirk versuchen, unter anderem, der aktuelle Kreistagsvorsitzende Othmar Nickel (CDU), der BVB/ Freie Wähler-Landtagsabgeordnete Péter Vida sowie Steffi Bernsee (Grüne) als Spitzenkandidaten für ihre Ideen zu werben.
In Wandlitz schickt die CDU ihre Landtagskandidatin Ulrike Mauersberger ins Rennen, im Wahlkreis Biesenthal-Schorfheide soll es Biesenthals Bürgermeister Carsten Bruch als Spitzenkandidat richten. Er tritt dort aber gegen die SPD-Landtagskandidatin und Bürgermeisterin der Gemeinde Marienwerder, Annett Klingsporn, an. Auch Sven Weller und Sabine Buder (beide BVB/ Freie Wähler) gelten als Stimmenmagnete. Im Wahlkreis 9 (Joachimsthal und Britz-Chorin-Oderberg) tritt unter anderem der ehemalige Landeswirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) an. Er muss sich unter anderem mit dem Verdi-Gewerkschaftssekretär Jens Gröger (SPD) messen.
Geringer Frauenanteil
Auffällig ist auch bei dieser Wahl der geringe Frauenanteil unter den Kandidaten. Lediglich bei den Linken stellt das weibliche Geschlecht mit 23 von 44 Kandidaten die Mehrheit. Bei den Grünen sind es mit 26 von 60 Kandidaten zumindest annähernd die Hälfte. Zum Vergleich: Bei der CDU ist nur jeder vierte Kandidat eine Frau, bei der AfD jeder sechste. Insgesamt treten 153 Frauen zur Wahl an. Drei der 500 Kandidaten sind sogenannte Unionsbürger – ohne mit Staatsangehörigkeit in einem Land der EU. Zwei davon kandidieren für BVB/ Freie Wähler, einer für die AfD.


