ArcelorMittal Eisenhüttenstadt
: Bundeskanzler fordert Ergebnis bei Stahlgipfel

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich im Bundestag persönlich zur deutschen Stahlindustrie geäußert. Was er will, was er mit Blick auf einen Stahlgipfel fordert und wo es Applaus gab.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Blick auf ArcelorMittal von Norden

Blick auf ArcelorMittal Eisenhüttenstadt: Die Zukunft des Stahlstandortes ist ungewiss. Aktuell befindet sich Branche in Deutschland und Europa in der Krise.

Bernd Geller
  • Kanzler Merz betont die Bedeutung einer eigenständigen deutschen Stahlindustrie.
  • Kritik an ArcelorMittal: Rückzug aus geplanten grünen Stahlprojekten in Bremen und Eisenhüttenstadt.
  • Forderung nach wettbewerbsfähigen Energiekosten und beschleunigtem Wasserstoffausbau.
  • Merz offen für Stahlgipfel, verlangt jedoch konkrete Ergebnisse statt bloßer Diskussionen.
  • Betriebsratschef Vogeler unterstützt Merz und fordert ebenfalls greifbare Fortschritte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein klares Statement zur Stahlindustrie hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am 9. Juli im Bundestag abgegeben. „Deutschland muss eine eigene Stahlindustrie haben“, betonte er und kassierte dafür auch Applaus. „Ich möchte Deutschland nicht abhängig sehen von Stahlimporten aus anderen Ländern, gleich wo diese Länder sein mögen, ob in Europa, in Amerika oder in China“, machte der Bundeskanzler klar und bezeichnete die deutsche Stahlindustrie als Kernindustrie.

Er ging zwar nicht auf die aktuelle Krise der Branche ein, nahm aber ohne Wertung Bezug auf die jüngste Entscheidung von ArcelorMittal, nicht in die zunächst gemeinsam geplanten Anlagen zur Herstellung von grünem Stahl in Bremen und Eisenhüttenstadt zu investieren. „Ein prominentes Unternehmen“ habe vor kurzem mitgeteilt, „dass es die Bemühungen um eine Direktreduktionsanlage eingestellt hat, weil dies kostenmäßig nicht darstellbar sei“, sagte Merz.

Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Stahlindustrie stärken

Er hoffe, dass es gemeinsames Interesse daran gibt, dass die Stahlproduktion in Deutschland auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter möglich bleibt. „Wir wollen deswegen sehr viel unternehmen, um das zu ermöglichen.“ Wie genau, das sagte der Bundeskanzler an diesem Tag nicht.

Aber Merz bekannte sich ausdrücklich zu den Vereinbarungen im Koalitionsvertrag, wo es unter anderem um „dauerhaft niedrige und planbare, international wettbewerbsfähige Energiekosten“ geht, um einen beschleunigten „Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft“ und „Leitmärkte für klimafreundliche beziehungsweise klimaneutrale Produkte“ wie CO₂-reduzierten Stahl.

Was im Koalitionsvertrag geschrieben steht, sei für ihn politisch bindend. „Wir wollen ein gemeinsames Ziel erreichen, nämlich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie insgesamt zu stärken. Und dazu gehört eben eine solche Kernindustrie wie die deutsche Stahlindustrie ganz fundamental dazu.“ Er werde alles tun, um dieses Ziel zu erreichen und sagte ausdrücklich: „Ich möchte eine Lösung.“ Mit den Stahlunternehmen in Deutschland, mit der Branche, stehe er in einem engen Dialog.

Bundeskanzler Merz zeigt sich offen für Stahlgipfel

Der Bundeskanzler zeigte sich offen, was die Forderung von Gewerkschaften und SPD nach einem Stahlgipfel angeht. Er werde dies „sehr wohlwollend prüfen“, sagte Merz bei der Fragestunde im Bundestag. Bei einem solchen Gipfel müsse allerdings auch ein Ergebnis herauskommen. „Ich möchte, dass wir ein Ergebnis haben und wenn ein Ergebnis möglich ist, werde ich dazu auch einladen.“

Vorausgegangen war eine Frage des SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Roloff (Landesliste Bayern). Für diese bedankte sich Friedrich Merz sogar, weil er nun die Gelegenheit habe, „mal etwas ganz Grundsätzliches zu dieser Grundstoffindustrie und hier zur Stahlindustrie zu sagen“.

Dirk Vogeler, der Betriebsratsvorsitzende von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt, sieht in den Äußerungen des Bundeskanzlers ein „wichtiges Signal“. Auch Vogeler fordert einen Stahlgipfel und er erklärt, dass auch die brandenburgische Landesregierung einen solchen unterstütze. Wenn der Kanzler Ergebnisse fordere, dann sei das richtig. „Wir brauchen jetzt nicht nochmal den x-ten Stahlgipfel mit schönen Worten und mit tollem Kaffee, sondern wenn wir einen Stahlgipfel machen, dann wollen wir auch Ergebnisse haben. Das deckt mit dem, was der Bundeskanzler sagt.“

Auszüge aus dem Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD

„Wir gehen mit dem Strompreispaket einen großen Schritt, um wettbewerbsfähige Energiepreise für die Industrie zu gewährleisten. [...] Unser Ziel sind dauerhaft niedrige und planbare, international wettbewerbsfähige Energiekosten. Wir werden bei Bedarf nachsteuern. Das Wasserstoffkernnetz muss deutschlandweit die industriellen Zentren anbinden, auch im Süden und Osten Deutschlands. Wir werden den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft beschleunigen und pragmatischer ausgestalten.  Im Hochlauf müssen wir alle Farben nutzen.“

„Wir wollen als marktgerechtes Instrument Leitmärkte für klimafreundliche beziehungsweise klimaneutrale Produkte schaffen, zum Beispiel durch Quoten für die emissionsarme Herstellung von Stahl, eine Grüngasquote oder vergaberechtliche Vorgaben.“

„Die Stahlindustrie ist von zentraler strategischer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Wir werden sie erhalten und zukunftsfähig machen und sie bei ihrer Umstellung der Produktionsprozesse auf dem Weg zur Klimaneutralität unterstützen.“