Landtagswahl Brandenburg 2024: Warum der ÖDP-Kandidat aus Erkner als „Neu-Brandenburger“ ideal ist

Landtagswahl Brandenburg 2024: Thomas Löb aus Erkner bewirbt sich für ein Mandat im Landtag Brandenburg. Dort will er sich für nachhaltige Industrialisierung und mehr regionale Kreisläufe in der Wirtschaft einsetzen. Was ihn dazu antreibt.
Thomas BurckhardtThomas Löb, Landesvorsitzender der Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), ist im Dauereinsatz. Noch vor Kurzem sammelten er und die Mitstreiter Unterstützungsunterschriften, ohne die sie als Landtags-Neulinge nicht zur Wahl zugelassen werden.
Für Löb lief es gut. Bereits Anfang August hatte schon die geforderten 200 Unterschriften zusammen, wie er sagt. Doch für die Kollegen der gemeinsamen Listenvereinigung galt es noch weiter zu sammeln. Nach dem Gespräch mit dem Märkischen Medienhaus setzte er seine Tingel-Tour von Haus zu Haus direkt in Müllrose fort.
ÖDP-Kandidat bewirbt sich bei der Landtagswahl Brandenburg 2024
Der 57-jährige Löb, der für die ÖDP im Kreistag sitzt und neuerdings Stadtverordneter in Erkner ist, kandidierte im vergangenen April bereits für den Landratsposten im Landkreis Oder-Spree. Um die Chance zu erhöhen, trotz Fünf-Prozent-Hürde in den Landtag einzuziehen, haben sich ÖDP, Piraten und Volt zur Listenvereinigung Plus Brandenburg zusammengeschlossen. Nun bewirbt sich Thomas Löb um ein Mandat in Potsdam. Er ist Direktkandidat für den Wahlkreis 31 und drittplatzierter auf der Liste Plus Brandenburg.
Löb, gelernter Einzelhandelskaufmann von Beruf, trat 1987 in die ÖDP ein, damals lebte er noch in Bayern. Politische engagiert hat er sich dann 11 Jahre lang, auch als er nach Erfurt zog. Nach einer längeren Politikpause packte ihn wieder die Motivation, sich politisch einzumischen. Inzwischen war er Berliner geworden und die Bewegung Fridays for Future hatte das Thema Ökologie wieder vorn auf die politische Tagesordnung gepuscht. Durch letzteres und das Erstarken der AfD fühlte er sich herausgefordert.
Frisch nach Erkner für die Wahl in Brandenburg gezogen
Erst im Herbst vergangenen Jahres schließlich zog der Politiker aus der Hauptstadt nach Erkner in Brandenburg. Seine Kandidatur zum Landrat von LOS bestritt er noch von Berlin aus. Das ist laut Wahlgesetz erlaubt. Die Tatsache, Neu-Brandenburger zu sein, empfindet er für seine jetzige Kandidatur aber nicht als Hindernis, wie er sagt. Im Gegenteil: „Der Vorteil ist, ich bin noch nicht so verstrickt in die lokale Politik.“ So könnte er frei und unabhängig agieren.
Land, Leute, Mentalität und Probleme der Einheimischen kennt Thomas Löb inzwischen durch unzählige Gespräche. Einen intensiven Austausch mit seinen Brandenburger Landsleuten erlebt er derzeit beim Sammeln von Unterstützungsunterschriften an Haustüren und Gartenzäunen.
Landtagswahl 2024: Kandidatinnen und Kandidaten im Wahlkreis 31
Zum Wahlkreis 31 (Märkisch-Oderland I/Oder-Spree IV) gehören Hoppegarten, Neuenhagen bei Berlin, Erkner, Schöneiche und Woltersdorf. Neben Thomas Löb (ÖDP) kandidieren auch:
Faina Dombrowski (Bündnis 90/Die Grünen)
Laura Jasmin Iden (FDP)
Rainer Galla (AfD)
Rico Obenauf (Freie Wähler)
André Schaller (CDU)
Fritz Viertel (Die Linke)
Jörg Vogelsänger (SPD)
Die Gruppe, die seine Liste am ehesten mit einer Unterschrift unterstütze, seien Frauen bis 45 Jahren, das habe er mittlerweile erkannt. Insgesamt habe sich die politische Debatte radikalisiert, das merke man auch beim Unterschriften sammeln.
ÖDP: Ausbau von Kreisläufen regionaler Wirtschaft in Brandenburg
„Bloß nicht grün!“, höre er manchmal. Dabei grenzt sich Löb von den Grünen deutlich ab. Statt grünem Wirtschaftswachstum ohne allzu viel Rücksicht auf Verluste setze die ÖDP stark auf eine nachhaltige Industrialisierung und den Ausbau regionaler Wirtschaftskreisläufe. Dabei müsse man zum einen dafür sorgen, dass die bestehenden Brandenburger Unternehmen gut am Standort (weiter-)wirtschaften könnten.
Sie bräuchten teils mehr Gehör bei Ämtern und ausreichend Fachkräfte. Fachkräfte zu mehren und zu halten setze aber eine vernünftige Familien-, Bildungs- und Ausbildungspolitik voraus. Seine Ansicht macht Löb deutlich am Beispiel AcelorMittal in Eisenhüttenstadt.
Die ÖDP sei keinesfalls gegen die Industrie, betont der Erkneraner, der auch Mitglied in der Tesla-kritischen BI Grünheide ist. Was die nachhaltige Industrialisierung angehe, sei Tesla eher ein Hemmnis als ein Gewinn, so Löb: „Es ist erwiesen, dass Tesla weltweit nicht sachgemäß mit Gefahrstoffen umgeht.“ Auch der Standort des Werks im Landschaftsschutz- bzw. Trinkwasserschutzgebiet samt geplanter Erweiterung sei ein Fehler.
Die Idee vom „Regionalen Wirtschaften“ beinhaltet für Löb auch, wohnortnahe Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Die lokalen Einkaufsmöglichkeiten und der ÖPNV-Ausbau reduzierten den Individualverkehr. Die ÖDP promotet auch das Konzept der Gemeinwohl-Bilanz und der Gemeinwohl-Zertifizierung, um einen nachhaltigen Wirtschaftswandel voranzubringen.
Plus Brandenburg: Transparenz und Beteiligung
Transparenz und mehr Beteiligung sind Themen, die den Parteien der Listenvereinigung Plus Brandenburg besonders wichtig sind. Es ist „nachgewiesen, dass die Zufriedenheit der Bürger mit unserer Gesellschaft und der Demokratie deutlich steigt, wenn sie das Gefühl haben, etwas bewirken zu können“, so steht es im aktuellen Plus Brandenburg Programm für den Landtagswahlkampf.
Deswegen wolle man die Bedingungen für direkte Beteiligungsmöglichkeiten deutlich verbessern. Zudem will die Liste ein Transparenzgesetz nach Hamburger Vorbild einführen. Ob allerdings Plus Brandenburg eine Chance erhält, ihre Vorschläge im Landtag einzubringen, entscheiden am Ende die Wähler und Wählerinnen.



