Kaum einer polarisierte in der SPD durch seine Ideen wie er. Er ist jung, engagiert und provokant. Für die einen sind seine Ideen die Antwort auf soziale Fragen der Zukunft, für die anderen der Rückfall in den Kommunismus. Der ehemalige Juso-Vorsitzende gilt über seine Partei hinaus als ein unheimliches Talent. Seit knapp einem Jahr ist er Generalsekretär der ältesten deutschen Partei – der SPD. Am 7. September kommt Kevin Kühnert zum MOZ-Talk mit Musik ins Kleist Forum Frankfurt (Oder).
Die Moderatoren Lilo Wanders und David Friedrich freuen sich: „Den wollten wir schon immer mal auf der großen Bühne auf der Couch haben.“ Und Kevin Kühnert will es diesmal möglich machen: trotz gut gefüllten Terminkalenders und schwieriger politischer Zeiten. Denn als Bundestagsabgeordneter wird er am 7. September zunächst diszipliniert im Bundestag sitzen. Anschließend kommt der 33-Jährige dann an die Oder. Und sein Büroleiter im Willy-Brandt-Haus lässt durchblicken, dass er auch sehr neugierig auf die Kult-Moderatorin Lilo Wanders und den Sprachkünstler David Friedrich ist.

Ein Besserwisser? Kevin Kühnert scheint sich verändert zu haben

Kevin Kühnert, hieß es einst, sei ein Besserwisser. Die Sicht der ihm nahestehenden Beobachter ist jedoch inzwischen: Kühnert hat einen klaren Politikstil, visionäre Positionen, aber auch die Fähigkeit zum Kompromiss. 2018 noch stand er an der Spitze der No-Groko-Kampagne. Damals unterlagen die Gegner einer Neuauflage von Schwarz-Rot in einem SPD-Mitgliederentscheid – aber Kühnert verzichtete nach der Rückkehr seiner Partei in die Große Koalition aufs Nachtreten. Stattdessen erarbeitete er ein neues Sozialstaatskonzept der SPD mit. Viele fürchteten später, dass Kühnert für Olaf Scholz als Bundeskanzler anstrengend werden könnte. Denn immer mal wieder hatte Kühnert Scholz zuvor auch kritisiert. Da treffen auch Mentalitäten eines waschechten Berliners und spröden Hanseaten aufeinander.
Kritiker werfen ihm vor, eine reine Politikkarriere eingeschlagen zu haben. Der gebürtige West-Berliner stammt aus einer Beamtenfamilie, er arbeitete im Büro einer SPD-Abgeordneten des Berliner Abgeordnetenhauses und hat ein Politikstudium für seine Rolle als Juso-Chef ruhen lassen. Als er mit 15 Jahren in die SPD eintrat, war seine Überlegung: Reicht es, für sich alleine politisch zu sein oder muss man sich nicht auch organisieren? „Ich habe mich für Letzteres entschieden“, betonte er in einem Interview mit dem Berliner Stadtmagazin.

Talkshows, so wie der MOZ-Talk in Frankfurt (Oder), sind nichts Neues für ihn

Inzwischen erklärt er als SPD-Generalsekretär nun häufig auch als Gast in den überregionalen Talkshows die Politik der Regierungspartei SPD. Und Zuschauer erleben einen scheinbar neuen Kühnert: freundlich, schlagfertig, humorvoll und nachdenklich. Das irritiert zuweilen den politischen Gegner und überrascht in der eigenen Partei. Kühnert will der Politik, in welcher Rolle auch immer, treu bleiben. In welcher, möchte er nicht spekulieren. Doch der Ort, von dem das herkommt, soll auch noch ganz lange Tempelhof-Schöneberg sein. „Weil das der Bezirk ist, um den sich eigentlich mein ganzes Leben dreht“, bekennt er.

Musik und Diskussionen über das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen

Viel Musik gibt es diesmal beim MOZ-Talk. Die Berliner Sängerin Angelika Mann singt aus ihrem großen und vielseitigen Repertoire. Sie wird auch erzählen, wie sie in den vergangenen Monaten den Brustkrebs besiegte. Die Schauspieler-Legende Gojko Mitic kehrte im Juni als Herbergsleiter mit dem Kinderfilm „Alfons Zitterbacke“ auf die Leinwand zurück. Er wird an diesem Abend auch ein Indianer-Medley singen.

Frankfurt (Oder)

Weitere Gäste des 33. MOZ-Talks sind der zweifache Echo-Jazz-Preisträger Giovanni Weiss sowie der polnische Publizist Adam Krzeminski. Der Viadrina-Preisträger wird an diesem Abend mit seinem langjährigen deutschen Kollegen, Dietrich Schröder, der seit 30 Jahren für die MOZ über die deutsch-polnische Nachbarschaft berichtet, Sichten über die aktuellen deutsch-polnischen Beziehungen austauschen. Die MOZ-Show Band mit Søren Gundermann, Thomas Strauch und Jacek Fałdyna wird zum 30. mal in Folge die MOZ-Talk-Show musikalisch begleiten.
Tickets gibt es an der Kasse im Kleist Forum, Montag bis Freitag, 12 bis 17 Uhr, in der Tourist-Information, Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr, und Sonnabend, 10 bis 14 Uhr, sowie über kleistforum.de