Essen in Königs Wusterhausen: Was Gewerbetreibende zum „Fressmeilen“-Vorwurf sagen

Ilana Olitzsch vor ihrem Wäscheladen „Midas“, der am Anfang der Bahnhofstraße von Königs Wusterhausen ist.
Marlene Wetzel- Streit um „Fressmeile“: In der Bahnhofstraße gibt es mehr Gastronomie und weniger Läden.
- Einige Händler sehen Vorteile wie wenig Leerstand, andere wünschen eine vielfältigere Mischung.
- Kritiker klagen über Preisdruck, Baustellen und fehlende Laufkundschaft, der Markt belebt jedoch.
- Genannt werden Wünsche nach Blumen, Sitzplätzen, mehr Toiletten sowie Copy- und Druckmöglichkeit.
- Citypartner betonen eine gute Mischung, die sich gegenseitig stützt – Angebot müsse genutzt werden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Bahnhofstraße in Königs Wusterhausen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Es gibt immer weniger Einkaufsmöglichkeiten, dafür mehr Restaurants. „Die Bahnhofstraße hat sich zu einer Fressmeile entwickelt“, sagt Rainer Kugel, der sich seit Jahren mit der Geschichte der Stadt auseinandersetzt.
Viele in der Bahnhofstraße befragte Passanten teilen Kugels Meinung. Unter den Passanten gibt es aber auch Stimmen, die sagen: Zeiten ändern sich. Während einige kleine Läden vermissen, weisen andere darauf hin, dass es in der KWer Innenstadt immerhin kaum Leerstand gibt und sich das Angebot eben nach der Nachfrage richtet. Onlinehandel und Malls wie das A10-Center in Wildau würden das Kaufverhalten der Menschen verändern.
Und was denken die Gewerbetreibenden, um die es ja eigentlich geht? Ist die Bahnhofstraße zu einer Fressmeile geworden? Und wenn ja, wie bewerten sie das? Haben sie Ideen, wie sich die KWer Innenstadt lebendig halten lässt?
Fehlen Geschäfte in der Bahnhofstraße in Königs Wusterhausen?
Inhaberin des Modeverstecks, Karin Spengemann, sieht die Entwicklung der Bahnhofstraße nicht so negativ. „Ich finde nicht, dass die Bahnhofstraße leidet“, so Spengemann. Das sage sie auch den Anwohnern und anderen Gewerbetreibenden, wenn sie „rumjammern“. Sie gehe gerne in den Restaurants hier essen. „Ich will, dass es denen gut geht.“ Für sie als Einzelhändlerin sei nichts schlimmer als Leerstand, und den gebe es kaum in der Bahnhofstraße. Auch die Vergrößerung des Eiscafés nebenan sei gut für ihr Geschäft.
Grit Voigt, die seit über 20 Jahren den Wolladen betreibt, sagt demgegenüber sofort: „Ja, die Bahnhofstraße ist eine Fressmeile geworden.“ Wenn ein Laden schließe, finde sich meist nur ein Nachmieter aus der Gastronomie. Das sei das Problem. Auch wenn sie selbst keine Absatzprobleme habe, sondern viele Stammkundinnen, die ihretwegen in die Stadt kämen, wünsche sie sich eine schönere Mischung an Läden, ein schöneres Miteinander, ein schöneres Einkaufserlebnis. Dennoch findet sie auch, dass es in KW ja noch viele schöne Geschäfte gebe.
Preise der anderen Lokale setzt Jagdschloss 1896 unter Druck
Viel negativer klingt Cornelia Wandke, Pächterin des gegenüberliegenden Gasthauses Jagdschloss 1896. Sie findet, dass es zu viel Gastronomie auf einer zu kurzen Strecke auf der Bahnhofstraße gebe. Das führe zu Konkurrenz untereinander. Im Jagdschloss müsse sie die Preise an die der anderen Lokale anpassen, weil die Leute sich sonst beschweren würden. Zwar verkaufe sie hochwertiges Bier wie Radeberger, Budweiser und Erdinger, doch die Leute seien die Warsteiner-Preise aus der Nachbarschaft gewohnt.
Auch sonst klingt sie gefrustet: Alles sei teurer geworden, gleichzeitig hätten die Leute kein Geld mehr, und die Baustelle in der Bahnhofstraße belaste ihr Geschäft noch zusätzlich. Sie schwärmt von den ehemaligen Festen in der Innenstadt, die die Leute angezogen hätten. Nicht zuletzt wünscht sie sich weniger Autos in der Innenstadt, denkt aber gleichzeitig, dass die Leute „ja irgendwo parken müssen“.
Der Inhaber von Pizza Europa Express hat bei einem spontanen Besuch im Laden alle Hände voll zu tun. Am Telefon sagt er, dass sich wenig verändert habe, seit er das Geschäft in der Bahnhofstraße betreibt. Nur die Parkplatzsituation für die Kunden werde immer schwieriger. Seine Tochter übersetzt für ihn. Zum Vorwurf der Fressmeile äußert er sich nicht.
Jennifer, Conny, Andrea und Heike, die beim Sanitätshaus Stettnisch angestellt sind, denken auch, dass die Bahnhofstraße eine Fressmeile geworden ist. Ebenso wie Grit Voigt vermissen sie das ehemalige Kaufhaus in der Mitte der Bahnhofstraße. Vielfältige Läden zu haben, sei gerade für ältere Leute wichtig, die nicht online shoppen könnten. „Die wollen gucken, anfassen, probieren“, sagt Conny. Eine diverse Ladenstruktur sei aber grundsätzlich für alle wichtig, die es nicht ins A10-Center schaffen würden. Problematisch finde sie auch, dass es in der Innenstadt ihrer Ansicht nach immer mehr Obdachlose gebe. Auch wenn diese nichts für ihr Schicksal könnten, schrecke das ab.
Markt wichtig für Bahnhofstraße von Königs Wusterhausen
Der Markt hingegen halte die Innenstadt lebendig. Der ziehe die Leute in die Stadt, sei ein Treffpunkt. Sie wünschen sich mehr Toiletten in der Innenstadt und eine Möglichkeit, etwas zu kopieren oder auszudrucken. Es kämen regelmäßig Leute in ihren Laden und würden danach fragen.

Sanitätshaus Stettnisch an einem Markttag in der Bahnhofstraße von Königs Wusterhausen.
Marlene WetzelDass der Markt für die KWer Innenstadt wichtig ist, meint auch Ilana Olitzsch, seit 28 Jahren Besitzerin des Wäscheladens Midas. Auch sie habe ihre Stammkundinnen, die gezielt für sie in die Innenstadt kämen und ihre Beratungsleistung und ihr Sortiment schätzten. Wie auch Grit Voigt und die Angestellten von Sanitätshaus Stettnisch angeben, habe sie keine Absatzprobleme.
Doch sie sei auch an Neukundinnen interessiert, sagt sie. Weil die Bahnhofstraße nicht mehr so viele attraktive Läden biete, gebe es aber immer weniger Laufkundschaft, Leute, die hier ein bisschen bummeln gingen. „Eine Einkaufsstraße in KW wie die Bölschestraße in Friedrichshagen, mit großer Auswahl und vollständigem Sortiment, wäre toll“, findet sie.
Alle Ideen, die die Bahnhofstraße schöner machen und das Sortiment erweitern, würde sie in der Bahnhofstraße begrüßen. Und sie hat noch eine Hoffnung: „Im A10-Center ist auch nichts mehr los, vielleicht ist das jetzt wieder ein Vorteil für die Bahnhofstraße.“
Bahnhofstraße gute Mischung aus Gastronomie und Einzelhandel
Thomas Eberlein, stellvertretender Vorsitzender der Citypartner Königs Wusterhausen, einem Verein für die KWer Gewerbetreibenden, findet: „Wenn die Nachfrage nach Geschäften sinkt, ist es ganz natürlich, dass Raum für etwas anderes, insbesondere Gastronomie, frei wird.“ Selbst Barber Shops, die viele kritisch betrachten, seien Geschäfte, die offenbar eine Nachfrage hätten.

Thomas Eberlein vom Verein Citypartner Königs Wusterhausen, in dem sich Gerbetreibende von KW zusammengeschlossen haben, in seinem Bistro Schmitz Katze.
Marlene WetzelIn KW beobachte er, dass sich Geschäfte mit Nischenprodukten und Reparaturdiensten wie „Uhren und Schmuck Thomas“ dennoch hielten. Das deckt sich mit den Aussagen von Ilana Olitzsch, Grit Voigt und den Angestellten des Sanitätshauses Stettnisch.
Dass die Bahnhofstraße eine reine Fressmeile sei, sieht er nicht so. Es sei eine gute Mischung von Einzelhandel und Gastronomie, und die mache es aus. Das eine unterstütze das andere: „Wenn ich meine Uhr reparieren lassen will, esse ich noch ein Croissant, und wenn ich was essen gehen will, bringe ich schnell noch meine Uhr weg.“ Im Verein selbst, in dem sowohl Einzelhändler als auch Gastronomen Mitglieder sind, gebe es keine verschiedenen Lager oder Interessengruppen.
Nicht verstehen könne er die Leute, die meckern, dass es in Königs Wusterhausen kein Angebot mehr gebe, und dann selbst online einkaufen oder zu Hause essen. Man müsse das Angebot auch nutzen, sagt er.
Allerdings glaubt er auch, dass die Bahnhofstraße schöner sein müsste, um die Leute anzuziehen: mit Blumenampeln beispielsweise und Sitzmöglichkeiten. Diese zu sponsern, habe er mit den anderen Citypartnern überlegt. Doch beides sei mit viel Bürokratie verbunden und der Frage, wer sich am Ende etwa um die Pflege der Blumen kümmere – die Stadt oder die Gewerbetreibenden?



