Tee- und Wärmestuben Königs Wusterhausen
: Umzug in ein Gebäude mit Grundschule geplant

Die Tee- und Wärmestuben von Königs Wusterhausen müssen umziehen. Das steht schon lange fest. Jetzt scheint eine Lösung gefunden. Wie sinnvoll ist sie?
Von
Marlene Wetzel
Königs Wusterhausen
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Das Gebäude der alten Kita Klein und Groß. Hier könnten die Tee- und Wärmestuben bald einziehen.

Marlene Wetzel
  • Tee- und Wärmestuben müssen umziehen, da der Mietvertrag im März ausläuft.
  • Geplant ist der Einzug in die frühere AWO-Kita in der Erich-Kästner-Straße 10.
  • Gebäude mit zwei Eingängen – getrennte Nutzung mit der Erich-Kästner-Grundschule möglich.
  • Eltern fordern einen eigenen Wartebereich und einen sicheren Schulweg ohne Engstellen.
  • Vorteile: Nähe zur Tafel und zu Bewohnern im Neubaugebiet, Nachteil ist die größere Bahnhofsdistanz.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

In den Tee- und Wärmestuben finden Menschen, die in Armut und Wohnungslosigkeit geraten sind, in Königs Wusterhausen Unterstützung: warme Mahlzeiten und Getränke, Duschen und Waschmöglichkeiten, Kleidung aus der Kleiderkammer, Beratung bei Anträgen und Krisen. Zudem können Menschen ohne festen Wohnsitz die Postadresse nutzen.

Noch ist das die Maxim-Gorki-Straße 6/7 – aber nicht mehr lange. Weil der Mietvertrag im März ausläuft, müssen die Tee- und Wärmestuben umziehen. Das steht schon länger fest.

Geplant ist, dass sie in die alten Räumlichkeiten der AWO-Kita Klein und Groß in der Erich-Kästner-Straße 10 ziehen. Das sollte aus zwei Gründen zumindest aufhorchen lassen. Zum einen sollen die Grundschüler der Erich-Kästner-Schule dieselben Räumlichkeiten nutzen, gewissermaßen gemeinsam mit den Besuchern und Besucherinnen der Tee- und Wärmestuben. Zum anderen wird mit den Tee- und Wärmestuben eine Anlaufstelle für in prekären Situationen lebende Menschen in ein Gebiet verlegt, das ebenfalls als prekär gilt: in das sogenannte Neubaugebiet. Dieses soll eigentlich eine Aufwertung erfahren.

Ein Gebäude für Tee- und Wärmestube und Grundschüler

Zunächst zur gemeinsamen Nutzung der ehemaligen Kita-Räumlichkeiten von Tee- und Wärmestuben und der Erich-Kästner-Grundschule: Das Gebäude hat zwei Eingänge, so dass beide Gruppen es getrennt voneinander nutzen könnten. Für die Grundschüler soll dort ein Bewegungsraum eingerichtet werden, weil das schräg gegenüberliegende Schulgebäude aus allen Nähten platzt.

Speckgürtel

Alles Wichtige aus dem Berliner Speckgürtel.

Sarina Gensigk, Vorsitzende der Schulkonferenz, und Markus Frye, Vorsitzender der Elternkonferenz der Grundschule Erich Kästner,  begrüßen ausdrücklich, dass das Gebäude zukünftig von beiden Gruppen genutzt werden soll. Sie schreiben auf Nachfrage: „Wir sehen darin eine Chance, schulische Bedürfnisse und ein wichtiges soziales Angebot für ein solidarisches Miteinander in unserer Stadt zu verbinden.“

Im Vorfeld seien jedoch von einigen Eltern Bedenken geäußert worden. Deshalb müsse sichergestellt sein, dass die Schülerinnen und Schüler gemäß der vereinbarten Aufteilung den schulischen Bereich eigenständig, uneingeschränkt und ungestört nutzen können. Gegenseitige Rücksichtnahme und ein respektvolles Miteinander stünden dabei an erster Stelle.

Tee- und Wärmestuben braucht Wartebereich

Gleichzeitig müsse für die Menschen, die dort auf Einlass warten, ein eigener, geeigneter Wartebereich geschaffen werden. Die Gehwegsituation an der Erich‑Kästner-Straße sei bereits beengt und dürfe durch wartende Gruppen nicht zusätzlich verschärft werden. Dabei gehe es sowohl um die Sicherheit der Fußgängerinnen und Fußgänger als auch um einen möglichst reibungslosen Schulweg für die Kinder. Zur Einordnung: Auf der Website des Diakoniewerks Simeon, dem Betreiber der Tee- und Wärmestuben, heißt es, dass täglich rund 30 Personen die Einrichtung besuchen und über 6.000 Kontakte jährlich stattfinden.

Dennoch könne die geplante gemeinsame Nutzung nur eine mittelfristige Lösung sein, so Gensigk und Frye. Angesichts der knappen Sporthallenkapazitäten benötige die Grundschule eine Lösung, die über einen Bewegungsraum hinausgehe. Daher solle bereits jetzt die Herrichtung des Außenbereichs des Geländes für den Sportunterricht sowie die Errichtung einer eigenen Sporthalle auf dem Areal geprüft werden.

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Der Außenbereich der alten Kita Klein und Groß bietet viele Spielmöglichkeiten.

Marlene Wetzel

Auch Stadtverordnete Birgit Uhlworm (UFL), die sich in der Stadtverordnetenversammlung und im Sozialausschuss immer wieder nach dem Sachstand erkundigt, ist überzeugt, die gemeinsame Nutzung sei gelebtes Miteinander. Vielleicht könnten Kinder, Klientinnen und Klienten sogar voneinander profitieren. Kinder könnten lernen, dass die Welt nicht „heil“ sei, sondern dass es Verlierer und Gewinner gebe. Gleichzeitig könnte der Kontakt mit den Kindern den Klientinnen und Klienten helfen, weniger einsam zu sein. Sie betonte, in der Tee- und Wärmestube gebe es klare Regeln gegen Drogen und Alkohol.

Tee- und Wärmestuben im Neubaugebiet förderlich?

In Städten lässt sich häufig beobachten, dass Personen mit ähnlichen Lebensstilen und Milieus in einem Wohngebiet wohnen. In der Soziologie heißt dieses Phänomen „Segregation“. Vorteil davon: Die Menschen können Netzwerke und Unterstützungsstrukturen bilden. Zum Nachteil wird die räumliche Trennung erst dann, wenn Lebenschancen und gesellschaftliche Privilegien örtlich deutlich ungleich verteilt sind und die Ausgrenzung und Diskriminierung von benachteiligten Menschen durch ihren Wohnort noch verstärkt wird.

Um den nachteiligen Effekten, die das Neubauviertel auf die Anwohnenden hat, entgegenzuwirken, wird es seit 2020 über das Städtebauförderungsprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ gefördert. Das Programm verfolgt die Ziele, die Wohn- und Lebensqualität in den Quartieren zu erhöhen, die Integration aller Bevölkerungsgruppen zu unterstützen und den Zusammenhalt in der Nachbarschaft zu stärken.

Erst im Juli 2026 hatte es eine Auftaktveranstaltung zur Neugestaltung des Viertels gegeben. In Zukunft sollen die Bewohner sagen können, dass sie im Wilhelm-Busch-Viertel leben – und nicht „in der Plattenbausiedlung“, so Bürgermeisterin Michaele Wiezorek vor einigen Monaten. Und im Dezember 2025 hatte die SVV beschlossen, ein Quartiersmanagement im Neubaugebiet zu installieren, um das Zusammenleben und die Beteiligung der Quartiersbewohner zu stärken.

Kurze Wege und Nähe zur Tafel ein Vorteil

Ortsvorsteher des Ortsteils Königs Wusterhausen, Georg Hanke (SPD), schreibt auf Nachfrage zu den Vor- und Nachteilen, die Tee- und Wärmestuben ins Neubaugebiet zu verlegen: „Ein Vorteil ist sicher, dass manche der Besuchenden der Tee- und Wärmestube im Neubaugebiet wohnen und damit nicht so weite Wege haben werden. Auch die Nähe zur Tafel ist sicher hilfreich. Ein Nachteil ist sicher die größere Entfernung zum Bahnhof, wo Besuchende zum Teil auch ankommen.“

Er räumt ein, dass es sicher auch Bürgerinnen und Bürger geben wird, die den Umzug in die Nähe des größten Wohngebietes in der Stadt nicht gut finden werden, insbesondere auch wegen der Nähe zur Grundschule Erich Kästner. Eine Befragung hätte es nicht gegeben, zumal es keine Auswahlmöglichkeiten für den neuen Standort gegeben hätte und der Umzug wegen der Kündigung des Mietverhältnisses notwendig sei. Ihm sei wichtig, dass dieses Angebot in der Stadt nicht verloren gehe. Nicht zuletzt glaubt er, dass das Angebot in die Arbeit des Quartiersmanagements eingebunden werden sollte.

Derzeit prüft die Stadt, ob die Räumlichkeiten der Kita überhaupt umgenutzt werden können. Die Mitarbeitenden der Tee- und Wärmestuben wollten sich zu dem Umzug nicht äußern.