In Ostprignitz-Ruppin steigt die Zahl der Corona-Fälle stetig weiter an, wenn auch nicht mehr so stark wie in den letzten Wochen. So kamen allein seit dem vergangenen Freitag, 6. November, 79 neue Covid-19-Fälle hinzu. Am Freitag meldete das Gesundheitsamt zehn Neuinfektionen. Somit haben sich seit Beginn der Pandemie insgesamt 394 Menschen im Landkreis nachweislich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert. „Davon sind 154 Fälle aktiv, 240 Personen gelten mittlerweile als genesen“, teilte Landkreis-Sprecher Alexander von Uleniecki mit.

Alter Corona-Fall ergänzt

Auf dem Dashboard des Landkreises, auf dem tagesaktuell die Fallzahlen angegeben werden, wird sogar ein Plus von elf Fällen seit dem Vortag angegeben. Es handele sich dabei um einen alten Corona-Fall, der inzwischen sogar schon genesen sei, der jedoch nachgetragen wurde, heißt es aus der Landkreisverwaltung.
„Von den zehn neuen Covid-19-Fällen haben fünf Personen ihren Wohnsitz in Neuruppin, die anderen kommen jeweils aus den Bereichen Kyritz, Wittstock, Fehrbellin, Rheinsberg sowie Heiligengrabe“, so von Uleniecki. Ein Teil der Neuinfektionen steht dabei in Zusammenhang mit Infektions-Clustern an Schulen: So hat sich ein Familienangehöriger eines Schülers der Carl-Diercke-Schule in Kyritz infiziert, der sich schon in Quarantäne befand.
Auch ein Schüler der Neuruppiner Puschkin-Oberschule ist erkrankt, befand sich aber bereits laut Landkreis-Sprecher in häuslicher Isolation. „Auch ein Angehöriger eines Schülers des Evangelischen Gymnasiums in Neuruppin wurde positiv auf Sars-CoV-2 getestet“, so von Uleniecki. In Quarantäne müssen jetzt auch Schüler und Lehrer der MBN-Schule für Gesundheitsberufe in Gildenhall, weil sich ein Auszubildender mit dem Coronavirus infiziert hat.
Die meisten aktiven Corona-Fälle gibt es aktuell mit 43 in Neuruppin. Es folgen Wittstock mit 23, Kyritz mit 22, das Amt Temnitz mit 20 und Heiligengrabe mit 13 aktiven Fällen. In Neustadt gibt es elf, in Wusterhauen neun, in Fehrbellin sechs, in Rheinsberg fünf und im Amt Lindow zwei Covid-19-Fälle.

Acht Covid-19-Fälle im Krankenhaus

Acht Patienten müssen derzeit stationär behandelt werden. „Davon wird eine Person im KMG Klinikum Wittstock auf einer Normalstation betreut“, so Alexander von Uleniecki. „Sieben Personen werden in den Ruppiner Kliniken behandelt, davon drei auf einer Intensivstation. Eine Person muss beatmet werden.“

Schnelltests an Ruppiner Kliniken eingetroffen

An den Ruppiner Kliniken sind derweil am Mittwoch die erwarteten Antigentests, die sogenannten Schnelltests, eingetroffen. Laut Kliniksprecherin Verena Clasen erhofft man sich mit deren Einsatz eine größere Sicherheit in den sogenannten „reinen Bereichen“. Patienten sollen vor der stationären Aufnahme so auf eine mögliche Corona-Infektion, die bisher symptomlos verlaufen ist, untersucht werden. „Derzeit lassen wir Hygienefachkräfte im Umgang mit den Schnelltests schulen, um etwaige Wartezeiten vor der Aufnahme zu verkürzen“, so Clasen. Zudem tragen Mitarbeiter im Operationssaal, bei diagnostischen Eingriffen und bei kopfnaher Körperpflege fortan ausschließlich FFP2-Masken.
Weil die Kassenärztliche Vereinigung Berlin-Brandenburg (KVBB) entschieden hat, dass den Kliniken der Mehraufwand, der durch die Vielzahl an Testungen entsteht, ab dem 1. Dezember nicht mehr vergütet wird, übernehmen die Ruppiner Kliniken ab diesem Zeitpunkt keine Corona-Tests mehr für extern niedergelassene Ärzte.
Betrieben wird die Neuruppiner Corona-Teststrecke von den Ostprignitz-Ruppiner Gesundheitsdiensten (OGD), einem Tochterunternehmen der Ruppiner Kliniken. „Wir sehen uns daher nicht mehr in der Lage, die mit einem zusätzlichen personellen und materiellem Aufwand verbundenen Testungen für die extern niedergelassenen Ärzte zu übernehmen“, sagte Susanne Rost von der Betriebsleitung der OGD.

Entscheidung geht zu Lasten der Menschen

„Die KVBB verweist in Verbindung mit ihrer Entscheidung darauf, dass die Hausärzte einen Versorgungsauftrag haben und auf eine Liste von Hausärzten, ohne zu erkennen, dass die Liste nur wenig Hausärzte enthält, die selbst testen“, teilte die Pressestelle des Landkreises mit. Sozialdezernentin Waltraud Kuhne kritisiert deshalb: „Das geht zu Lasten der Menschen und der bisherigen gut funktionierenden Infrastruktur für Testungen.“
Bisher sollten mit der zentralen Teststrecke an den Ruppiner Kliniken die Hausärzte und deren Einsatzbereitschaft so vor einer möglichen Quarantäne geschützt werden. Waltraud Kuhne mahnt deshalb, dass möglicherweise nicht mehr Hausärzte bereits sein könnten entsprechend der Empfehlung und des Prisorisierung des Robert Koch Instiitutes Corona-Tests durchzuführen.
In den Ruppiner Kliniken werden jetzt vorrangig Patienten und Mitarbeiter getestet, um eine sichere Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, so Clasen. Auch die über das Gesundheitsamt veranlassten Tests werden weiterhin durchgeführt.
Aus der Woiwodschaft Masowien hat die Ruppiner Kliniken zudem eine Anfrage nach nicht mehr benötigter Medizintechnik für die Versorgung von Covid-19-Patienten erreicht. „Unsere Medical IT-Abteilung prüft gerade, ob und in welcher Form wir die polnischen Nachbarn unterstützen können“,so Clasen.
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