Kirchenmusikdirektor Prof. Matthias Eisenberg wollte sich eigentlich 2021 zur Ruhe setzen und hat daher nur noch ganz wenige Gastspiele im Terminplan. Am Sonntag gab er ein Konzert in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow. Wie es ich für einen Organisten gehört, bespielte Eisenberg die Truhenorgel, die aber ein Provisorium darstellt.

Spendenstand jetzt bei knapp 40.000 Euro

Das originale Instrument wurde Ende April 1945 zerstört, wie die Kirche selbst. Ihrem Wiederaufbau hat sich 1996 ein Förderkreis verschrieben, dem der aus Sachsen stammende Organist seit 2016 angehört. Er unterstützt aktiv das aktuelle Spendenprojekt des Förderkreises, der für eine neue Orgel sammelt. Nach Abzug aller Unkosten spendete Prof. Eisenberg die kompletten Konzerteinnahmen.
Durch seine 1.000 Euro ist der Spendenstand auf knapp 40.000 Euro gestiegen. Die Kosten für die Neuanschaffung werden auf etwa eine Million Euro  geschätzt.

Nach dem Gottesdienst stundenlang geübt

Der Gast war in Begleitung seiner Schwester, Andrea Eisenberg, schon früh nach Rathenow gereist. Er nahm am Gottesdienst um 10.00 Uhr teil und übte in der Folge stundenlang auf der Truhenorgel seine ausgewählten Stücke für das Konzert in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche, das erst um 17.00 Uhr begann.
Für Förderkreischef Heinz-Walter Knackmuß war die Toccata Nr. 11 A-Dur von Allessandro Scarlatti (1660-1725) das filigranste Stück, das Eisenerg am Sonntag spielte. Es habe ein Stück italienisches Flair nach Rathenow gebracht. Sommerliche Fröhlichkeit sei durch die drei letzten Programmstücke in das einstündige Konzert gekommen.

Kuckuck deutlich zu hören

Es war zunächst das Andante F-Dur für eine kleine Orgelwalz von Wolfgang Amadeus Mozart  (1756-1791) zu hören. Eisenberg habe mit der Genauigkeit einer mechanischen Spieluhr gespielt, so Knackmuß.
Ferner erklang das Capriccio sopra il cucu von Johann Caspar Kerll (1627-1693), wobei man laut Knackmuß deutlich den Kuckuck an der Orgel wahrnehmen konnte: „Und wer von den Zuhören 2021 noch keinen Kuckuck gehört haben sollte, konnte dabei seine Geldbörse schütteln. Denn es heißt, wenn man das erste Mal im Jahr den Kuckuck hört und dabei seine Geldbörse schüttelt, dem geht das Geld nicht mehr aus.“

Variationen über französisches Kinderlied zum Hochzeitstag gewünscht

Das dritte sommerliche Stück hatte sich das Ehepaar Viola und Heinz-Walter Knackmuß zum 18. Hochzeitstag gewünscht, der auf den 1. August 2021 fiel. Es waren zwölf Variationen über das französische Kinderlied „Ah, vous dirai-je, Maman“ von Mozart zu hören, „wobei ein Kind sich bei seiner Mutter über die strengen Anordnungen des Vaters beklagt und doch lieber Süßigkeiten naschen möchte“, wie Knackmuß erläutert. In Deutschland sei die Melodie unter dem Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ bekannt.  

Juwel in der Rathenower Musiklandschaft

Die Zuhörer erklatschten sich noch zwei Improvisationen über die Lieder „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ und über „Der Mond ist aufgegangen.“  Rückblickend bezeichnet Knackmuß das Gastspiel von Kirchenmusikdirektor (KMD) Prof. Matthias Eisenberg als ein Juwel in der Rathenower Musiklandschaft. Es war das erste öffentliche Konzert in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Mehr über die Aktivitäten und Spendenaktionen des Förderkreises ist hier zu erfahren.