Krankenhaus Angermünde
: Groß-Demo - Uckermark kämpft um Rettung der Krankenhäuser

Prenzlau und Angermünde demonstrieren Solidarität und Stärke im Kampf zur Rettung der Kliniken. GLG und Politik werden scharf kritisiert.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Große Protest-Demo in Prenzlau: Hunderte Menschen aus der Uckermark protestieren gegen die geplante Schließung der Krankenhäuser in Angermünde und Prenzlau. Nach der riesigen Kundgebung in Angermünde im Dezember 2024 mit über 1.200 Teilnehmern ist es die zweite Massen-Aktion in der Uckermark gegen die GLG-Sparpläne.

Große Protest-Demo in Prenzlau: Hunderte Menschen aus der Uckermark protestieren gegen die geplante Schließung der Krankenhäuser in Angermünde und Prenzlau. Nach der riesigen Kundgebung in Angermünde im Dezember 2024 mit über 1.200 Teilnehmern ist es die zweite Massen-Aktion in der Uckermark gegen die GLG-Sparpläne.

Daniela Windolff
  • Hunderte demonstrieren in der Uckermark gegen die Schließung der Krankenhäuser Angermünde und Prenzlau.
  • GLG und Politik scharf kritisiert, da Pläne ohne Einbeziehung der Betroffenen erstellt wurden.
  • Mitarbeiter verunsichert, viele kündigen aufgrund schlechter Kommunikation und schlechter Bezahlung.
  • Proteste und Aktionen geplant, um die Krankenhäuser zu erhalten.
  • Bürgermeister und Gewerkschaften fordern faire Löhne und Respekt für die Beschäftigten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit wütenden Appellen, Lärm und scharfen Worten protestierten am Donnerstagabend (13.2.2025) hunderte Menschen in Prenzlau gegen die geplante Schließung von GLG-Kliniken in der Uckermark. Es ist die zweite Groß-Demo nach der Massenkundgebung in Angermünde im Dezember mit über 1.200 Menschen. Anlass der Proteste sind die Pläne der GLG-Geschäftsführung, die Krankenhäuser mit stationärer Grundversorgung, Notfall- und ITS-Medizin in Angermünde und Prenzlau zu schließen und in ambulante Versorgungszentren (MVZ) umzuwandeln.

Dagegen formiert sich ein immer breiterer Widerstand in der Uckermark, der nicht nur die Beschäftigten erfasst, sondern auch Gewerkschaft, Kommunalpolitiker, Ärztekammer, Marburger Bund und viele Bürger, die um die Zukunft einer wohnortnahen, verlässlichen Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum fürchten.

GLG-Führung zeigt bisher kein Entgegenkommen

Doch trotz massiver Kritiken aus vielen Teilen der Gesellschaft an den als Strukturanpassung bezeichneten Plänen und dem Alleingang der GLG-Führung in Eberswalde (Barnim) zeigt diese bisher kein Entgegenkommen.

Auch auf die Einladung des Prenzlauer Bürgermeisters Hendrik Sommer (parteilos) zur Teilnahme an der Demo reagierte die Geschäftsführung nicht.

Dafür zeigten viele andere Redner in Sorge um die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum und im Protest gegen die Gesundheitspolitik des Bundes ihre Unterstützung für die Beschäftigten der Krankenhäuser und Zusammenhalt der Region im Kampf um deren Erhalt und Zukunft. Die Sorge, dass es zu spät sein könnte, ist gerade in Prenzlau groß.

Mitarbeiter im Krankenhaus Prenzlau kündigen

Hier will der in Eberswalde (Barnim) ansässige kommunale Gesundheitskonzern GLG als Träger auch der beiden Häuser in der Uckermark die Sanierungspläne bereits Mitte des Jahres 2025 beginnen und unter anderem die Intensivstation schon zum 20. März schließen. Erst im Dezember 2024 setzte die Geschäftsführung die Mitarbeiter über die Umstrukturierungspläne in Kenntnis. Weder Gesellschafter, Aufsichtsrat noch die betroffenen Stadtverwaltungen wurden darüber im Vorfeld informiert, geschweige denn einbezogen.

Viele erfuhren davon erst aus der Presse, wie Bürgermeisterin Ute Erhardt kritisiert. Hendrik Sommer bezeichnete die Kommunikation als „unterirdisch“. Die Verunsicherung der Mitarbeiter über ihre berufliche Perspektive führt bereits zu einer großen Kündigungswelle.

GLG schlägt Gespräche über Tariferhöhungen aus

Provoziert die GLG diese Abstimmung mit den Füßen sogar, um seine Pläne ohne großen Widerstand schneller umzusetzen?, fragten Uckermark-Landrätin Karina Dörk (CDU) und Susanne Krasemann, Leiterin des Gesundheitsamtes Uckermark und unterstellen der GLG, Fakten zu schaffen für eine schnellere Abwicklung.

Das ließe auch die fehlende Gesprächsbereitschaft der GLG in den seit Jahren laufenden Tarifverhandlungen für eine Lohnangleichung der Beschäftigten in der Uckermark vermuten, die die Tarifforderungen der Gewerkschaft Verdi auszusitzen scheint.

.„Es geht um Solidarität, aber auch um Respekt und um Wertschätzung für die Beschäftigten in Angermünde und Prenzlau“, betont Ivo Garbe von der Gewerkschaft Verdi. Es brauche nicht nur Worte, sondern Verantwortliche, die Nägel mit Köpfen machen, wie die Uckermark-Landrätin Karina Dörk, die im Kreistag einen ganz wichtigen Beschluss zum Erhalt der stationären Versorgung in Angermünde und Prenzlau herbeigeführt hat und auch insgesamt 4 Millionen Euro aus dem Kreishaushalt dafür bereitstellt, betonte Ivo Garbe.

Er hob auch das Engagement der Bürgermeisterin von Angermünde, Ute Erhardt hervor, „die innerhalb weniger Tage ganz viele zivilgesellschaftliche Kräfte zusammenführte und die größte Demo nach der Wiedervereinigung in Angermünde mit 1.200 Menschen auf den Weg gebracht hatte. Das war ein Supersignal!", so Garbe.

1000 Euro weniger Lohn für gleiche Arbeit

Jetzt heiße es, hart arbeiten für ganz konkrete Beschlüsse für stationäre Gesundheitsabteilung in Prenzlau und Angermünde, dazu gehöre eine gute Bezahlung der Mitarbeiter.  „Es ist ein Schlag ins Gesicht für die Beschäftigten, sie warten seit Sommer 2024 auf ein Angebot. Es kann nicht sein, dass Mitarbeiter im Krankenhaus Eberswalde für die gleiche Arbeit bei gleicher Qualifikation 1.000 Euro mehr verdienen“, empört sich der Gewerkschafter unter lautem Beifall der Demonstranten.

Das bestätigt auch der GLG-Betriebsratsvorsitzende Jörn Liefke: Die Krankenhäuser Angermünde und Prenzlau seien tarifliches Schlusslicht in der Region. So lasse sich kein Fachpersonal halten. Es fehlen berufliche Perspektiven und Verlässlichkeit für Beschäftigte, für die der Arbeitsort meist auch Wohnort ist. Sie müssten künftig lange Wege zur Arbeit in Kauf nehmen, gibt Liefke zu bedenken.

Angermünder Bürgermeisterin plädiert für Zusammenhalt

Zu ihnen sprach auch die Angermünder Bürgermeisterin Ute Erhardt (parteilos):  „Angermünde und Prenzlau stehen geschlossen hinter den Beschäftigten unserer Kliniken. Ein Krankenhaus ist die Seele einer Stadt. Es ist Daseinsfürsorge. Das wollen wir behalten. Denn was einmal weg ist, ist weg“, mahnte Ute Erhardt. Sie ermutigte, „das Wahlversprechen, das uns gegeben wurde, dass keine Klinik im ländlichen Raum schließt, einzufordern.“

Harsche Kritik an der GLG-Politik übte auch Steffen König, Arzt und Vertreter der Landesärztekammer und des Marburger Bundes: „Was mir die Haare zu Berge stehen lässt, ist, dass man hier ein 24/- MVZ aufbauen will, so einen Blödsinn habe ich noch nie gehört. Ich habe mal bei meinen ärztlichen Kollegen nachgefragt, wer von ihnen in einem 24/7 MVZ arbeiten will. Die Antwort: Niemand!", kritisiert König.

Kritik an Gesundheitsreform von Lauterbach

und geht auch scharf mit der Bundespolitik zu Gericht. : „Sie sollten auf ihre Bundestagsabgeordneten zugehen und sie bombardieren mit der Forderung, unbedingt Änderungen an diesem ,Krankenhausversorgungsverschlimmbesserungsgesetzes durchzusetzen. Die Äußerung Lauterbachs, dass das die Zukunft der kleinen Krankenhäuser sichert, ist blanker Hohn“, wetterte König.

Etwas Gutes sehe das Gesetz jedoch vor, räumt der Arzt ein, „nämlich die vollständige Finanzierung der Tarifsteigerungen für alle Beschäftigten. „Sie haben ein Recht, das einzufordern. Das Geld, das dafür von den Krankenkassen gezahlt wird, gehört in die Portmonees derjenigen, die hier tagtäglich ihre Arbeit leisten und nicht als Sonderabgabe für irgendeine verrückte Krankenhauspolitik von Herrn Lauterbach“, so Steffen König.

Polizei spricht von 600 Teilnehmern der Demo

Laut Polizeiangaben versammelten sich rund 600 Menschen, darunter auch viele Angermünder, zur Kundgebung auf dem Marktberg in Prenzlau.

So geht es weiter: am 17. 2. trifft sich die Tarifkommission mit Uckermark-Landrätin Karina Dörk. Am 18. 2. hat die Gewerkschaft zu weiteren Protesten in Form einer aktiven Mittagspause vor den Krankenhäusern in Angermünde (12 Uhr) und Prenzlau (13.15 Uhr).  Am 27.2. ist ein neuer Verhandlungstermin mit der GLG-Geschäftsführung.