Krankenhaus Angermünde
: Wie besorgte Patienten für Erhalt der Klinik kämpfen

Das Krankenhaus Angermünde ist auf schwere Atemwegserkrankungen spezialisiert. Eine Frau mit Lungenkrebs aus Eberswalde erzählt, was es für sie bedeutet, wenn diese Klinik geschlossen wird.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Plakat auf der Protest-Demo in Angermünde gegen die geplante Schließung der Klinik für innere Medizin. Sie ist auch auf Atemwegserkrankungen spezialisiert.

Plakat auf der Protest-Demo in Angermünde gegen die geplante Schließung der Klinik für innere Medizin. Sie ist auch auf Atemwegserkrankungen spezialisiert.

Daniela Windolff
  • Patienten protestieren gegen die Schließung des Krankenhauses Angermünde, das auf Lungenerkrankungen spezialisiert ist.
  • Christiane Topp, Lungenkrebspatientin, lobt das Team der Klinik und fürchtet lange Fahrten zu anderen Kliniken.
  • Die GLG plant, die Klinik in ein ambulantes medizinisches Versorgungszentrum umzuwandeln, um Kosten zu sparen.
  • Eine Petition zur Rettung der Klinik wurde gestartet, um weiterhin eine gute medizinische Versorgung zu gewährleisten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Diagnose Lungenkrebs stürzte Christiane Topp in ein schwarzes Loch. Dass sie noch lebt und sie sich trotz vieler Qualen aus dem Tief wieder aufgerappelt hat, verdankt sie dem Chefarzt und dem Team der Klinik für Pulmologie im Krankenhaus Angermünde. Hier wird die Eberswalderin seit zwei Jahren behandelt. Doch wie soll es für sie weitergehen, wenn die Klinik wie geplant geschlossen wird?

Der kommunale Krankenhauskonzern GLG (Gesellschaft für Leben und Gesundheit) beabsichtigt, aus Gründen der Wirtschaftlichkeit die stationäre Klinik für Innere Medizin in Angermünde zu schließen und stattdessen ein ambulantes medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) einzurichten. Von diesen Sparplänen betroffen ist ebenso das Krankenhaus Prenzlau mit Innerer Medizin und Chirurgie.

GLG will Kliniken in ambulante MVZ umwandeln

Durch Umstrukturierungen will die GLG den finanziell angeschlagenen Konzern, zu dem das Forßmann-Klinikum Eberswalde, das Martin-Gropius-Krankenhaus Eberswalde (Psychiatrie), die Reha-Klinik Wolletzsee sowie die Krankenhäuser in der Uckermark in Angermünde und Prenzlau gehören, sanieren und nach eigenen Aussagen somit die Standorte erhalten und spezialisieren. Allerdings künftig ohne stationäre Innere Medizin und Intensivmedizin in der Uckermark. In Angermünde soll nur die Klinik für Psychiatrie mit stationären Betten erhalten bleiben. Die Klinik für Innere Medizin wird nach den Plänen der GLG geschlossen.

Dabei ist sie mit der Spezialisierung für Pulmologie und Atemnotzentrum und einem hochqualifizierten Team um den renommierten Lungenspezialisten Dr. Christoph Arntzen einzigartig in der Region Uckermark und Barnim.

Angermünde hat Spezialisten für Lungenkrankheiten

Das bekam auch Christiane Topp am eigenen Leib zu spüren. „Die Ärzte und Schwestern in Angermünde haben mir das Leben gerettet“, sagt die 73-Jährige dankbar. Doch nun macht sie sich große Sorgen, wie es künftig weitergeht.

Vor gut zwei Jahren kam sie mit Luftnot und Schmerzen in die Notaufnahme des Forßmann-Krankenhauses in Eberswalde. „Ich bekam ein Tracheostoma, hatte ein Röhrchen im Hals und wusste aber gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich war auf mich allein gestellt", erzählt Christiane Topp. Ein Tracheostoma ist eine Öffnung und ein direkter Zugang zur Luftröhre.

Eberswalderin kämpft mit fortgeschrittenem Lungenkrebs

Nach einem CT wurde bei der Eberswalderin ein Lungenkarzinom diagnostiziert, das den linken Lungenlappen angegriffen und verschlossen hatte. „Der Krebs war schon so weit fortgeschritten, dass auch die Bronchien und die Stimmlippen angegriffen waren“, berichtet die Patientin.

Sie wurde von Eberswalde in das Krankenhaus Angermünde in die Fachabteilung für Pneumologie verlegt. „Dort wurde mir nicht nur kompetent erklärt, wie man mit dem Tracheostoma umgeht, sondern auch einfühlsam jeder Schritt der Therapie erläutert, mir Ängste genommen, sich liebevoll gekümmert. Vom Chefarzt Dr. Arntzen über den Oberarzt Dr. Grimm über die Schwestern, Therapeuten bis zur Sozialarbeiterin Frau Schmoldt erfuhr ich individuelle und fürsorgliche Behandlung und Betreuung und ich bin dem gesamten Team überaus dankbar, betont Christiane Topp“, erzählt Christiane Topp.

Patienten fürchten lange Wege zum Krankenhaus

Nach langem stationärem Aufenthalt in der Angermünder Klinik mit Chemo und Bestrahlung rappelte sich die Patientin mühsam wieder auf. Inzwischen muss sie nur noch zur regelmäßigen Nachsorge und Kontrolle nach Angermünde fahren.

Doch schon jetzt spürt sie die drohenden Veränderungen, die Sorgen und Unruhe bei den Mitarbeitern und Patienten: „Bisher habe ich ohne lange Wartezeiten immer sofort Termine für Bronchoskopie und CT bekommen, was ich auch weiterhin halbjährlich brauche. Das wird jetzt zum Problem. Wo soll ich denn zukünftig hin? Wenn Angermünde schließt, muss ich nach Neubrandenburg oder Berlin fahren. Das bedeutet enorm lange Fahrwege und höhere Fahrkosten, die ich selber tragen muss. Die Krankheit ist schon Strapaze genug! Und auch Angehörige, die zu Besuch kommen, haben dann viel größeren Aufwand und höhere Kosten“, gibt Christiane Topp zu bedenken.

Diese Sorgen plagen auch viele andere Mitpatienten, mit denen sie sich austauscht.

Patienten fühlen sich im Krankenhaus Angermünde wohl

„In Angermünde habe ich viele Patienten getroffen, die aus der ganzen Region kommen und sich in Angermünde sehr gut betreut fühlen, obwohl sich die Mitarbeiter auch um ihre Zukunft sorgen. Die Patienten lassen sie das nicht spüren. Das Angermünder Krankenhaus ist familiär und übersichtlich. Hier ist man keine Nummer, sondern wird persönlich und ganzheitlich behandelt,“ so Christiane Topp.

Deshalb möchte auch sie als betroffene Patientin etwas tun, damit das Krankenhaus erhalten bleibt.

Patienten starten Protestaktion zur Rettung der Klinik

Sie hat eine Protestaktion der Patienten gestartet und sammelt Unterschriften für die Rettung der Klinik für Innere Medizin in Angermünde. „Die Schwestern und Ärzte sind ganz begeistert und dankbar über unsere Initiative. Das gebe ihnen Hoffnung und mache Mut“, sagt Christiane Topp. Die Petition und Unterschriftenlisten hängen in der Rettungsstelle und in den Wartezimmern des Krankenhauses Angermünde aus und sind öffentlich für jeden zugänglich.

Auch in Eberswalde will die Patienteninitiative Unterschriftenlisten auslegen. „Wir wollen als Patienten auf etwas tun und hoffen auf ganz viel Unterstützung von Patienten, Angehörigen und Besuchern. Bitte helfen Sie uns, damit wir auch künftig eine so gute und kompetente medizinische Versorgung vor Ort bekommen“, appelliert Christiane Topp an ihre Mitmenschen.