Krise in der GLG: Uckermark plant eigene Krankenhaus-Gesellschaft

Ein eher ruhiger Protest vor der Aufsichtsratssondersitzung in der GLG-Zentrale in Eberswalde am 28. April 2025. Mitarbeiter aus der Uckermark und die Gewerkschaft Verdi verliehen ihrer Forderung nach mehr Lohn für nichtärztliche Mitarbeiter Ausdruck. Der Aufsichtsrat beschloss den Wirtschaftsplan.
Stephan Backert- Uckermark plant eigene Krankenhaus-Gesellschaft wegen Krise in der GLG.
- Landrätin Dörk sieht sich gezwungen zu handeln, um Insolvenz zu vermeiden.
- MSZ Uckermark leidet unter massenhaften Kündigungen und sinkenden Umsätzen.
- Uckermark will kreiseigene Gesundheitseinrichtungen aufbauen.
- Entscheidung über Ablösung aus der GLG steht am 30. April an.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In der GLG brennt die Luft, denn für die Krankenhäuser der GLG-Tochter MSZ Uckermark ist es 5 nach 12. Massenhafte Kündigungen von Ärzten und Pflegern und rasant sinkende Umsätze durch Leistungsabbau verschlechterten in den vergangenen Wochen die Situation vor allem für das Kreiskrankenhaus Prenzlau so dramatisch, dass sich Uckermark-Landrätin Karina Dörk zum Handeln gezwungen sieht.
Als Minderheitengesellschafterin in der GLG zieht sie nun endgültig die Notbremse, um das MSZ Uckermark, zu dem die Krankenhäuser Prenzlau, Angermünde und die Wohnstätten Criewen gehören, vor dem freien Fall in die Insolvenz zu bewahren.
Das heißt: Die Uckermark will ihre medizinischen Einrichtungen aus dem kommunalen Gesundheitskonzern Gesellschaft für Leben und Gesundheit GLG herauslösen und eine kreiseigene kommunale Krankenhaus-Gesellschaft aufbauen. So das Bestreben der Landrätin und Verwaltungsspitze.
Vertrauen in die GLG-Geschäftsführung verloren
Der Landkreis Uckermark hat als Mitgesellschafter an der GLG einen Anteil von 25,1 Prozent, den Löwenanteil tragen der Landkreis Barnim und die Stadt Eberswalde. Das monatelange Hickhack und gegensätzliche Interessen von GLG-Geschäftsführung im Barnim und der Uckermark haben die Gräben trotz kurzer Hoffnung auf einen Neuanfang immer tiefer wachsen lassen.
Das Fass zum Überlaufen brachten das überarbeitete Entwicklungskonzept der Geschäftsführung und der aktuelle Wirtschaftsplan für das MSZ Uckermark, das kurzfristig in der außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates am 28. April 2025 nach kontroverser Diskussion beschlossen wurde, gesteht Landrätin Karina Dörk. „Wir haben 5 Monate lang gekämpft, gewartet und auf Lösungen in beiderseitigen Interesse gehofft. Unterdessen bricht die gesamte Struktur in rasanter Geschwindigkeit zusammen."
Das Defizit des MSZ sei seit September 2024 auf aktuell 380.000 Euro angewachsen. Während das Krankenhaus Angermünde noch im positiven Bereich stabil weiterarbeitet, spitzt sich in Prenzlau die Situation weiter dramatisch zu. Durch die Kündigungswelle ist die ITS von 7 auf 2 Betten geschrumpft. In der Chirurgie werden durch Personalmangel viele OP abgesagt. Teilweise müssen ganze Stationen tageweise geschlossen werden.
Ärzte und Pfleger aus Angermünde schreiben Brief an Landrätin
„Ich kann nicht erkennen, dass die Geschäftsführung ernsthaft diesen Auflösungsprozess stattdessen unsere Vorschläge und Interessen missachtet. Über diesen Umgang bin ich entsetzt“, kritisiert Karina Dörk in einem Pressegespräch nach der Aufsichtsratssitzung.
Sie bestätigt, dass sie eine weitere Zusammenarbeit in der GLG für nicht mehr zukunftsfähig hält und das Vertrauen in die Geschäftsführung erschüttert sei. Das erklärten auch Mitarbeiter aus Angermünde in einem Brief an die Landrätin. Sie fühlen sich mit ihrem Krankenhaus verbunden, möchten bleiben bzw. zurückkommen, nicht jedoch in der derzeitigen Struktur, berichtet Karina Dörk. Deshalb müsse sie handeln, denn nicht nur die Zeit, auch die Mitarbeiter laufen davon.
Die GLG-Führung hat zwar ihr im Alleingang erstelltes und im Dezember 2024 präsentiertes Sanierungskonzept für das MSZ Uckermark überarbeitet, das heftige Proteste und Groß-Demos in Angermünde und Prenzlau auslöste. Der Landkreis Uckermark hatte sich Rechtsbeistand geholt und das Sanierungskonzept, das die Umstrukturierung von stationären in ambulante Strukturen vorsieht, prüfen lassen, das so fachlich und rechtlich gar nicht umsetzbar sei, erklärt Karina Dörk. Auch würden die Krankenkassen das nicht mittragen. Zudem widerspreche es dem Konsortialvertrag.
GLG fordert von der Uckermark Millionen für Sanierung
Das von der GLG-Spitze überarbeitete und erneut verteidigte Entwicklungskonzept halte an den grundsätzlichen kritischen Punkten fest und belaste zudem die Uckermark finanziell überproportional, kritisiert Dörk. Demnach müsste die Minderheitsgesellschafterin jährlich 4,4 bis 5,1 Millionen Euro in die GLG einzahlen ohne wirkliches Mitspracherecht. „Das ist für uns keine Option!“
Dabei hatte der Uckermark-Kreistag sowieso schon beschlossen, 2025 und 2026 jeweils 2 Millionen Euro für den Erhalt des Krankenhauses Prenzlau in seiner derzeitigen Struktur dazugeben, um die drohende Insolvenz abzuwenden.
Diese Beträge sind auch im Wirtschaftsplan der GLG für das MSZ eingeplant, zuzüglich weiterer Umlagen, die die Uckermark zahlen soll. Bei der Abstimmung im Aufsichtsrat hatte sich Karina Dörk enthalten und nur deshalb nicht dagegen gestimmt, um die neu aufgenommenen Verhandlungen um höhere Löhne für die Mitarbeiter des MSZ nicht zu verhindern. Auch diese ungleiche Entlohnung zwischen GLG-Beschäftigten in Barnim und Uckermark ist seit Jahren ein Streitthema.
Wie es in der Uckermark nun weiter geht
Nun also doch ein Alleingang ohne GLG? Der Landkreis Uckermark bringt entsprechende Beschlussanträge in einem Sonderkreistag ein, der am 30. April darüber entscheidet, ob eine Ablösung aus der GLG vorbereitet und eingeleitet werden soll.
Entscheidungshilfe soll auch ein Gutachten geben, mit der auf Wunsch der Uckermark die Consus.Health-Beratungsgesellschaft als unabhängiger Dritter beauftragt wurde. Sie wird in den kommenden 6 Wochen prüfen, welche fachlichen, finanziellen und organisatorischen Strukturen und Konzepte notwendig sind, um das MSZ Uckermark und das Krankenhaus Prenzlau als Krankenhaus der Grundversorgung mit Basisnotfallversorgung wirtschaftlich stabil aufzustellen. In die neue Gesellschaft würden alle Einrichtungen in der Uckermark übergehen, auch die Fachklinik Wollletzsee und die Psychiatrie Angermünde, die beide sehr erfolgreich dastehen.
Als nächster Schritt müsste eine Wertermittlung der Anteile der Uckermark an der GLG erfolgen, die erworben werden müssten. Beschließt daraufhin der Kreistag die Loslösung der Uckermark aus der GLG, muss die Gesellschafterversammlung einberufen werden und der Weg für eine kreiseigene Gesundheitsgesellschaft wäre frei.
Landrätin will Neuanfang in Eigenverantwortung
Wie lange das dauert, hängt von allen Verhandlungspartnern ab. Es wird nicht einfach und es ist nur die zweitbeste Lösung, aber aus unserer Sicht inzwischen die einzige, um unsere Krankenhäuser und unseren gesetzlichen Versorgungsauftrag im ländlichen Raum sicherzustellen. Auch die Mitarbeiter brauchen ein Signal, dass wir einen wirklichen Neuanfang in Eigenverantwortung wollen und dafür jeden brauchen", betont Karina Dörk.






Die geplante Schließung der Klinik für Innere Medizin in Angermünde sorgt für Kritik und große Unruhe.