In Märkisch-Oderland und der Kreisstadt Seelow ist man sich der besonderen Verantwortung gegenüber den Nachbarn im Osten stets bewusst. Das haben sowohl Landrat Gernot Schmidt und Kreistagsvorsitzende Bettina Fortunato als auch Stadtverordnete und Bürgermeister von Seelow immer wieder betont.
Angesichts der bedrohlichen Lage in der Ukraine haben sich jetzt Landrat Gernot Schmidt (SPD), Jörg Schröder, Bürgermeister von Seelow und Mitglied bei Mayors für Peace (parteilos), die Linken-Landtagsabgeordnete und Kreistagsvorsitzende Bettina Fortunato sowie Wolfgang Heinze, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung Seelow (Linke), gewandt. Der darin erklärte Friedenswunsch ist mit einer Einladung nach Seelow verbunden. Ein Termin steht noch nicht fest.

Zuspitzung der Interessengegensätze

Die Politiker wenden sich direkt an Putin und erklären: „Tief beunruhigt vom verbalen Aufrüsten in großen Teilen der westlichen Welt und einer nach dem 2. Weltkrieg kaum dagewesenen Zuspitzung der Interessengegensätze zwischen der NATO und Russland wenden wir uns heute an Sie. Wir, das sind Bürger und politisch Verantwortliche aus der Stadt und der Region Seelow in Ostdeutschland.“
Gemeinsame Unterzeichnung: Landrat Gernot Schmidt, Seelows Bürgermeister Jörg Schröder und Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Heinze haben den Brief an Putin am Donnerstag unterschrieben. Bettina Fortunato hatte ihn bereits zuvor unterzeichnet.
Gemeinsame Unterzeichnung: Landrat Gernot Schmidt, Seelows Bürgermeister Jörg Schröder und Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Heinze haben den Brief an Putin am Donnerstag unterschrieben. Bettina Fortunato hatte ihn bereits zuvor unterzeichnet.
© Foto: Ulf Grieger
„Hier fand in den Apriltagen 1945 eine der opferreichsten Schlachten auf dem Weg der Roten Armee nach Berlin statt. Zehntausende damalige Sowjetsoldaten und deutsche Soldaten ließen auf dem Schlachtfeld der Seelower Höhen ihr Leben. Noch immer sind nicht alle im Oderbruch Gefallenen würdig begraben.“

Versöhnung über den Gräbern

„Für uns gilt die Verpflichtung, Versöhnung über den Gräbern zu leben und zu gestalten. Wir wissen welchen unermesslichen Blutzoll die Völker des Ostens leisten mussten, um uns zu befreien sowie die Chance für ein friedliches Europa zu ebnen. Nicht vergessen dürfen wir den Anteil Ihres Volkes bei der deutschen Einheit und bei der Versöhnung zwischen unseren Völkern. Wir sind glücklich, dass wir in einer der längsten Friedensperioden hier in Europa leben dürfen. Auch nach der deutschen Einheit leben wir gemeinsam einen Diskurs des Gedenkens sowie der partnerschaftlichen Zusammenarbeit.“

Langjährige Partnerschaft mit Kamyschin

„Wir denken dabei besonders an unsere Gedenkveranstaltungen am 16. April und 8. Mai auf den Seelower Höhen sowie an die gelebte Partnerschaft mit der Stadt Kamyschin. Friedenserziehung der jungen Generation ist nicht nur der Politik ein wichtiges Anliegen. Schulen wie Familien haben auch heute sehr oft und in großer Breite Wurzeln und ebenso oftmals Wunden in der Vergangenheit. Uns alle vereint der Wunsch – nie wieder Krieg! Dem ordnet sich alles unter. Ganz in der Erkenntnis Willy Brandts: Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts.“

Einladung nach Seelow

„Wir werden als Region alles tun – auf lokaler bis hin zur Bundes- und EU-Politik – darauf hinzuwirken, militärisch wie verbal abzurüsten und zum Geist des 2+4 Vertrages zurückzukehren und ein Bedrohungsempfinden Russlands durch ein weiteres Vorrücken der NATO nach Osten und die Stationierung offensiver Waffensysteme in unmittelbarer Nähe zur Russischen Föderation auszuschließen. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, Herr Präsident, und den Menschen Russlands Gesundheit und Wohlergehen und uns gemeinsam auf dieser Welt ein friedliches und freundschaftliches Miteinander, im Großen wie im Kleinen. In diesem Jahr begehen wir das 50-jährige Jubiläum der Gedenkstätte Seelower Höhen. Hierzu laden wir Sie, sehr geehrter Herr Präsident Putin, und Ihren Botschafter, S.E. Herrn Sergej J. Netschajew, auch im Namen der Bürger unserer Region herzlich nach Seelow ein.“

Unterschiedliches Verhältnis zu Russland

Landrat Gernot Schmidt machte bei der Unterzeichnung des Briefes deutlich, dass es ein unterschiedliches Verständnis im Verhältnis zu Russland und der Ukraine in Deutschland gibt. Das sei auch am Beispiel der Seelower Gedenkstätte und des Umgangs mit ihr zu erleben.