Bundestagswahl 2025: Grüne Ahmadi findet, Spandau hat seine Brennpunkte „gebaut“

Gollaleh Ahmadi vor ihrem Stadtteilbüro in Berlin-Siemensstadt. Die ehemalige Kommunalpolitikerin in Berlin-Spandau tritt zur Bundestagswahl als Direktkandidatin der Grünen an. Ihre Ideen für ein zukunftsfähiges Bildungssystem dürften kontrovers sein.
Dovile Sermokas- Gollaleh Ahmadi kandidiert 2025 für die Grünen in Berlin-Spandau.
- Sie setzt sich für bessere digitale Sicherheit und Medienkompetenz ein.
- Ahmadi kritisiert das aktuelle Schulsystem und fordert mehr Fokus auf Zukunftstechnologien.
- Sie betont die Notwendigkeit, Wohngebiete besser zu planen, um soziale Brennpunkte zu vermeiden.
- Ahmadi ist Sprecherin für Sicherheitspolitik im Berliner Abgeordnetenhaus.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am 23. Februar 2025 findet die Bundestagswahl statt und im Wahlkreis 77, der Charlottenburg-Nord und Spandau umfasst, gehen die Direktkandidaten in den Wahlkampf. Gollaleh Ahmadi tritt für die Grünen an.
Nonchalant empfängt Gollaleh Ahmadi in ihrem Bürgerbüro in Siemensstadt. Drei Jahre hat sie nach dem richtigen Raum gesucht. Hier in dieser kiezigen Nachbarschaft, in der sich die meisten Bewohner kennen, fühlt sie sich wohl. „Hier hängt alles zusammen. Die Vergangenheit und die Zukunft mit Siemens.“
Gollaleh Ahmadi: ihr Weg in die Kommunalpolitik in Spandau
In der Spandauer Bezirksverordnetenversammlung begann die 42-Jährige ihre politische Karriere als Fraktionsvorsitzende. Spandau war auch ihr Ausgangspunkt in Deutschland: Im Alter von 13 Jahren kam sie mit ihrer Familie aus dem Iran nach Berlin.
Mit dem Asylantrag führte der Weg der Familie zunächst nach Eisenhüttenstadt, dann wurde Fürstenwalde ihr Zuhause. Ahmadi studierte Geschichte und Kultur des Vorderen Orients und Politikwissenschaft in Magdeburg, Frankfurt (Oder) und schließlich an der FU Berlin. Nach Abschluss ihres Studiums zog sie zurück nach Spandau und engagierte sich von 2016 bis 2021 als Bezirksverordnete.
Bundestagswahl 2025: „Desinformation wird noch verkannt“
Themen wie diskriminierungsfreie Sicherheitspolitik und besserer Gewaltschutz für Frauen prägten ihre Arbeit im Bezirk. 2021 zog sie über einen Listenplatz in das Berliner Abgeordnetenhaus ein und ist dort Sprecherin für Sicherheitspolitik, Medienpolitik und Datenschutz.
In den Bundestagswahlkampf 2025 zieht sie nun mit zwei Herzensthemen: Sie setzt sich für die Verknüpfung von Sicherheits- und Medienpolitik ein. „Die meisten von uns verbringen mehr Zeit im digitalen als im öffentlichen Raum.“ Und dieser digitale Raum sei alles andere als sicher, sagt sie.
Gewaltandrohungen, Beschimpfungen, Beleidigungen – im analogen Leben gebe es Hemmschwellen und Strafen. Online passiere so etwas täglich und werde kaum geahndet. „Wir brauchen dringend mehr Rechtssicherheit für Betroffene, klare Gesetze gegen digitale Gewalt. Und wir brauchen eine stärkere Sensibilisierung von Polizei und Justiz für diese Taten.“ Studien würden die Auswirkungen von Gewalt im Netz auf die Betroffenen belegen. Dennoch würde diese Gewalt zu selten ernst genommen.
Desinformation ist ein weiteres Stichwort, das Ahmadi auf den Nägeln brennt. „Gerade jetzt im Wahlkampf werden die Risiken gezielter politischer Desinformation noch verkannt.“ Dabei wisse man, was der russische Präsident Wladimir Putin sowie der staatliche russische Fernseh- und Radiosender Russia Today seit Jahren in Europa anrichten.
Grüne hält Schulsystem für nicht zukunftsfest
Das Problembewusstsein bei Verfassungsschutz und Politik sei das eine, die digitale Medienkompetenz das andere. Dabei dürfe man vor allem die ältere Generation nicht vergessen. Diese könne zwar mit Printmedien umgehen, sei aber nicht in der Lage, ein auf Facebook geteiltes Bild von einer echten Nachricht zu unterscheiden. „Hier müssen wir viel aufholen“, sagt Ahmadi.
Was die junge Generation betrifft, so sagt sie: „Unser Bildungssystem ist nicht zukunftsfest“. Denn Bildungspolitik werde immer noch überwiegend von Älteren gemacht, fernab der Lebensrealität junger Menschen. Lesen, Schreiben und Rechnen seien wichtig. Aber junge Menschen müssten nicht mehr die Rechtschreibung beherrschen, sondern Geräte und künstliche Intelligenz bedienen können, die das für sie tun.
Diesen Ansatz halten einige für gefährlich. Jüngst hat ein Lehrer aus Neukölln in der Zeit beschrieben, dass arme Kinder bei der Nutzung von KI noch weiter abgehängt werden. Bildungsforscher springen ihm bei. So belegen zwei Studien aus den USA, dass fehlende Rechtschreibfähigkeit auch die Lesekompetenz beeinträchtigt und letztlich nur die Art der Fehler verändert.
Das ist Gollaleh Ahmadis Rat für Berlin-Spandau
Zur Wirklichkeit vieler junger Menschen in Großsiedlungen, wie es sie in Spandau zuhauf gibt, gehört auch ein Alltag in verwahrlosten Hochhäusern und ein geringes Sicherheitsgefühl – vor allem in den Abendstunden. Ahmadi sagt dazu: „Brennpunkte fallen nicht vom Himmel, sie werden gebaut.“
Es sei ein Versäumnis, dass an Kitas, Schulen, Gewerbeflächen, aber auch Freizeit- und Jugendräume, Bäume und Spielplätze nicht gedacht werde, bevor mit dem Bau begonnen wird. Das habe sie in ihrer Zeit als Bezirksverordnete in Spandau immer wieder erlebt. Sie wünscht sich deshalb eine Änderung bei der Planung von Bauvorhaben.
Vielleicht, so Ahmadi am Ende des Gesprächs, seien einige ihrer Themen für manche Wähler nicht alltäglich und greifbar genug, aber es seien ihre Herzensthemen, für die sie sich mit Sachverstand und Leidenschaft einsetze. Ahmadi hat den Listenplatz sieben der Berliner Grünen.

