Neue Grundschule in Spandau
: Verkehrschaos befürchtet – Schüler in Gefahr?

Der Bau einer neuen Grundschule an der Heerstraße in Berlin-Spandau stößt auf Kritik. Anwohner befürchten nicht nur noch mehr Verkehr, sondern sehen auch die Schulkinder gefährdet.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Neubau der Schule an der Herrstraße am Weidenweg, der zukünftig zum Bringen und Holen der Kinder dienen soll. Ortsbegehung mit Bürgerinitiative.

An der Heerstraße ins Berlin-Spandau wird eine Grundschule gebaut. Ende 2025 soll der Neubau fertig sein.

Jessica Neumayer
  • Neue Grundschule in Spandau: Bau kostet über 35 Millionen Euro, Fertigstellung Ende 2025 geplant.
  • Anwohner befürchten Verkehrschaos und Gefahr für Schüler durch fehlende Parkmöglichkeiten.
  • Initiative fordert bessere Verkehrsplanung; SPD-Kandidat Kleebank unterstützt Anliegen.
  • Verkehrsanalyse empfiehlt Weidenweg als Bring- und Abholzone, Anwohner kritisieren dies.
  • Bauausschuss soll Schulwegplan in Sondersitzung Ende Januar 2025 diskutieren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In einem Bezirk, in dem eine Unterversorgung an Schulplätzen herrscht, wird jeder Schulbau begrüßt, der zur Entlastung beiträgt. Problematisch wird es jedoch, wenn neben dem Bau weitere Faktoren wie Schulwege und Erreichbarkeit der Schule nicht ausreichend mitgedacht werden.

Derzeit entsteht an der Herrstraße für über 35 Millionen Euro eine dreizügige Grundschule für rund 432 Kinder. Der Bau ist vorangeschritten. Die erste Etage steht schon fast. Nach Bauplan der Schulbauoffensive soll das Gebäude Herbst 2025 an die Nutzer übergeben werden.

Der Eingang der Schule soll zur Herrstraße hin zeigen. Eine Parkmöglichkeit auf der Bundesstraße für Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, ist derzeit nicht geplant. Auf der Pendlerstrecke zwischen Brandenburg und Berliner Innenstadt könnte dies zu Behinderung auf der ohnehin schon strapazierten Strecke führen. Als Lösung dafür soll die Nebenstraße – der Weidenweg – dienen.

Mögliche Gefahr für Schüler und Verkehrschaos in Spandau

„Die 30er-Zone sei für das aktuelle Verkehrsaufkommen schon nicht geeignet“, sagt Zoltan Kiss. Er ist einer von 50 Anwohnern, die sich in der Initiative „Intelligente Verkehrslenkung Staakener Dorfkern“ engagieren. „2022 wurde klar, dass der Bau losgeht.“ Seitdem weist er den Bezirk darauf hin, dass das Verkehrskonzept mitgedacht werden muss.

Zolan Kiss (l.), Michael Lemb (r.) von der Bürgerinitiative betrachten gemeinsam mit Bundestagsabgeordneten und Direktkandidaten der SPD bei den Bundestagswahlen 2025 Helmut Kleebank (m.) (SPD) wo der Neubau der Schule an der Heestraße sein wird und welche Probleme das für den Verkehr mit sich bringen könnte

Anwohner Zoltan Kiss (l.) und Michael Lembke (r.) kritisieren die gefährliche Verkehrsplanung an der neuen Schule. Sie engagieren sich in einer Bürgerinitiative für sichere Schulwege und informierten SPD-Direktkandidaten Helmut Kleebank (Mitte vorne) über ihre Bedenken.

Jessica Neumayer

Die Lage spitze sich zudem noch zu, gibt Kiss zu bedenken. Im parallel verlaufenden Wiesenweg wird eine weitere Kindertagesstätte gebaut. Der Wiesenweg ist im Gegensatz zum Weidenweg eine verkehrsberuhigte Sackgasse. Doch durch eine weitere schon vorhandene Kita zeige sich, wie aufgeladen die Situation aktuell schon ist.

Kleebank sieht Probleme der Verkehrslenkung an der Heerstraße

Jetzt sei noch „ein guter Zeitpunkt, wo die Nachbarschaft ihre Bedarfe, Sorgen, Nöte und Vorschläge einbringen kann“, bestätigt Helmut Kleebank (SPD). Er ist einer Einladung der Initiative gefolgt und hat sich Mitte Januar die Problematik vor Ort angesehen.

„Der Bezirk hat über viele Jahre daran gearbeitet, den Standort dafür freizubekommen“, sagt der ehemalige Bezirksbürgermeister Spandaus. „Dem Bezirk war aber auch immer klar, dass es eine verkehrliche Herausforderung wird“, bestätigt der Direktkandidat der SPD für den Wahlkreis Spandau bei der Bundestagswahl 2025.

Hier wird zukünftig ein Verkehrschaos befürchtet:

Neben dem hohen Verkehrsaufkommen auf der Heerstraße sieht er noch andere Herausforderungen. „Es geht ja auch um die Sicherstellung der Logistik, also so etwas wie Anlieferung für die Mensa und Müllentsorgung.“ Die Thematik müsse bei der Verkehrsplanung unbedingt berücksichtigt werden.

Herausforderungen der Verkehrsplanung für Schule in Spandau

Gerade in den Stoßzeiten am Morgen und am Abend nutzen schon jetzt viele Autos die 30er-Zone als Abkürzung, um schneller von der Herrstraße zum Nennhauser Damm zu kommen, berichtet Kiss. Neben den parkenden Autos bleibt noch ein Fahrstreifen für den Verkehr.

Die Fahrbahn ist so schmal, dass sich entgegenkommende Fahrzeuge oftmals über den ebenfalls nicht allzu breiten Gehweg fahren müssen, um aneinander vorbeizukommen. Dort, wo zukünftig Kinder zu Fuß oder mit dem Rad auf dem Weg zur oder von der Schule sein werden.

Weidenweg Autos

Der Weidenweg im Spandauer Ortsteil Staaken soll zukünftig als Bring- und Abholzone für Grundschüler dienen. Doch schon jetzt müssen Autos, auf der hoch frequentierte Straße zwischen Heerstraße und Nennhauser Damm, beim Vorbeifahren teilweise auf den Gehweg ausweichen.

Jessica Neumayer

Anwohner Michael Lembke hat das Gefühl, dass sich über den Verlauf des Verkehrs zu wenig Gedanken gemacht wurde. „Das geht fünf- oder sechsmal gut, aber das eine mal passiert dann halt was Schlimmes“, ist seine Einschätzung zur bisherigen Planung.

Für ihn wäre eine denkbare Möglichkeit, den Weidenweg ebenso wie den Wiesenweg für den Durchgangsverkehr zu schließen, „beispielsweise durch einen Poller“.  So werde verhindert, dass sogenannte Elterntaxis in die Straße einfahren. „Dann wissen Eltern gleich, es lohnt sich gar nicht.“

Eine andere Variante sei, Parkplätze für Eltern direkt an der Schule oder auf der Heerstraße zu bauen. „Dafür müsste man dann irgendwo Flächen schaffen.“

Neubau der Schule an der Herrstraße am Weidenweg, der zukünftig zum Bringen und Holen der Kinder dienen soll. Ortsbegehung mit Bürgerinitiative., die ersten Treppen stehen schon

Der Schulneubau an der Heerstraße in Spandau schreitet voran. Zukünftig sollen dort über 400 Grundschüler und Grundschülerinnen unterrichtet werden. Die ersten Treppen stehen schon.

Jessica Neumayer

Eine Verkehrsanalyse des Bezirks sieht den Weidenweg als die beste Option, um das Bringen und Abholen der Schüler und Schülerinnen zu ermöglichen. Der Weidenweg ist sowohl vom Nennhauser Damm als auch von der Heerstraße aus befahrbar. 50 Elterntaxis werden laut der Analyse in den Morgenstunden zwischen sieben und acht Uhr erwartet.

Eine temporär beschränkte Parkzone in beide Richtungen soll Eltern Haltenstopps ermöglichen. Das bedeute aber auch, dass Anwohner ihre Autos für diese Zeiten umparken müssen. Zoltan Kiss berichtet, dass es auch Nachbarn in Schichtarbeit gebe, für die es nicht möglich ist, morgens um sieben regelmäßig ihr Auto wegzufahren.

„Das Bezirksamt hätte längst ein Verkehrskonzept vorlegen müssen, das die berechtigten Vorschläge der Nachbarschaft berücksichtigt“, sagt Helmut Kleebank nach dem Termin vor Ort. Dabei müsse man auch den breiten Randstreifen der Heerstraße als mögliche Kiss-and-go-Zone einbeziehen. „Andernfalls droht hier das totale Verkehrschaos.“

Ohne Plan ist der Bau jedoch nicht. Im Mai 2024 wurde den Anwohnenden ein Gutachten vorgestellt. „Dem vorhersehbaren Bringverkehr soll insbesondere durch eine Verkehrssensibilisierung von Eltern und Kindern in der Schule begegnet werden“, teilt Baustadtrat Thorsten Schatz (CDU) mit. Eine Einrichtung von Kiss-and-Go-Zonen ist Teil des Plans – nur laut Gutachten eben im Weidenweg.

Im Dezember 2024 hat Kiss unter anderem die potenziellen Gefahren für Schülerinnen und Schüler aus seiner Sicht in einem Schreiben an Schatz abermals geschildert. Seine Anfrage wurde bisher damit beantwortet, dass sie zur Prüfung an das zuständige Fachamt gegeben wurde. Anfrage und Antwort liegen der Redaktion vor.

Aktuell steht der Bau der Grundschule auf der Agenda des Bezirks. In einer Sondersitzung des Bauausschusses Ende Januar 2025 soll der „Schulwegplan“ nun thematisiert werden.