Natürlich ist das eine Flucht nach vorne. Denn es ist vor allem Laschets wohl aussichtsloser aber letzter verzweifelter Versuch, die eigene Haut zu retten, bevor es die Union vollends zerreißt. Dass nach diesem Absturz in CDU und CSU nichts so bleibt, wie es war, pfeifen längst die Spatzen von den Dächern. Erweist sich also diese Dreistigkeit als Realitätsverlust und der Versuch, mit Hilfe von FDP und Grünen doch noch den Kanzler zu stellen, als Luftnummer, dann ist Laschet wohl auch als CDU-Vorsitzender Geschichte.
Olaf Scholz, der wirkliche Wahlsieger, war zum Zeitpunkt von Laschets und Söders Vorpreschen noch gar nicht aufgetreten. Als er dann kurz darauf in der ihm typischen Nüchternheit analysierte, die Wählerinnen und Wähler wollten den Wechsel und ihn als Kanzler, dann klingt das zwar richtiger, stimmt aber rechnerisch auch nicht wirklich. Schließlich haben auch nur etwa ein Viertel von ihnen für die SPD gestimmt – nicht wesentlich mehr als für die Union. Ein Pfund, mit dem er um den Posten des Kanzlers wuchern könnte, ist das nicht.

CDU verliert in Brandenburg viele Stimmen

Eine echte Bank für die SPD ist indes Brandenburg. Hier wählten knapp 12 Prozent mehr die Sozialdemokraten als 2017, während die CDU in nahezu identischer Größe Stimmen verlor. Außerdem gingen alle zehn Direktmandaten an die SPD-Kandidatinnen und –Kandidaten. Olaf Scholz gewann auch seinen Wahlkreis deutlich gegen Annalena Baerbock.
Während die AfD insgesamt in Brandenburg zwar mit leichten Verlusten stabil die zweitmeisten Stimmen einfuhr, haben die Linken dramatisch verloren. Sie büßten fast 9 Prozent der Stimmen ein, und es liegt nahe, Sahra Wagenknecht Glauben zu schenken, die schonungslos bekannte: „Wir sprechen nicht mehr die Sprache unserer Anhänger.“ Die Linke habe sich immer weiter von dem entfernt hat, wofür sie eigentlich mal gegründet wurde, nämlich als Interessenvertretung für normale Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, für Rentnerinnen und Rentner. Insgesamt verlieren die beiden Parteien, die für sich beanspruchen, die Interessen der Ostdeutschen am ehesten zu vertreten, in Brandenburg annähernd 11 Prozent. Hier spiegelt sich, dass sich das innerdeutsche Ost-West-Thema ziemlich überholt hat und im Wahlkampf gar keine Rolle spielte.
Für die Regierungsbildung wird Brandenburg aber eine ganz entscheidende Rolle spielen. Denn die Kontrahenten aus dem Potsdamer Wahlkreis 61, Annalena Baerbock und Olaf Scholz, haben sich längst höchste politische Zuneigung gestanden. So wäre es keine Überraschung, wenn der nächste Kanzler und seine mögliche Vizekanzlerin ihre Wurzeln in Brandenburg hätten.
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