Update, 24. März: Bundeskanzlerin Angela Merkel rudert zurück. Der verschärfte Lockdown über Ostern wird gestoppt und so nicht stattfinden.
Was über Ostern, insbesondere Gründonnerstag und Karsamstag, nun wirklich gilt, lesen Sie ab sofort hier.
Das war der bisherige Stand bis zum 23. März:
  • Vom 1. April bis 5. April soll das öffentliche, private und wirtschaftliche Leben weitgehend heruntergefahren werden, um die dritte Welle der Pandemie zu brechen. Damit gehen weitgehende Kontaktbeschränkungen einher.
  • Der Corona-Lockdown wird bis zum 18. April verlängert

Welche Geschäfte dürfen Gründonnerstag und Karsamstag öffnen?

Der Gründonnerstag und Karsamstag werden als Ruhetage definiert. Nur am Karstamstag darf der Lebensmittelhandel öffnen. Alle anderen Geschäfte müssen geschlossen bleiben.

Wird es Hamsterkäufe vor Ostern geben?

Angesichts der geplanten strengeren Feiertagsregelungen warnt Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) die Bürger vor einem Ansturm auf die Supermärkte vor Ostern. „Wir haben immer gesagt, die Lebensmittelversorgung bleibt offen. Deshalb sind auch Hamsterkäufe nicht erforderlich“, sagte Braun am Dienstag in der Sendung „Frühstart“ von RTL/ntv. Mit der Öffnung am Karsamstag sei Einkaufen wie versprochen weiter möglich. Gleichzeitig wies der Kanzleramtschef darauf hin, dass auch an diesem Tag in den Supermärkten die Beschränkung auf eine bestimmte Zahl an Kunden pro Quadratmeter gelte.
Dagegen kritisierte der Hamburger CDU-Vorsitzende Christoph Ploß den Beschluss, den Einzelhandel am Donnerstag vor Ostern zu schließen. „Das geht gar nicht! Das sorgt für dichtes Gedränge und volle Supermärkte vor und nach dem Oster-Lockdown“, sagte er der „Bild“-Zeitung. „Man hätte stattdessen die Öffnungszeiten strecken sollen, damit Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden können.“

Ansammlungen im öffentlichen Raum untersagt

Ansammlungen im öffentlichen Raum werden über Ostern generell untersagt. Wo bereits Außengastronomie offen ist, muss sie für diese fünf Tage wieder geschlossen werden. Kirchen und Religionsgemeinschaft werden gebeten, an Ostern nur Online-Angebote für die Gläubigen zu machen. Nur Impf- und Testzentren sollen offen bleiben.

Wie darf Ostern zu Hause gefeiert werden?

Private Zusammenkünfte sollen auf den eigenen Haushalt und einen weiteren Hausstand, jedoch maximal fünf Personen beschränkt werden. Kinder bis 14 Jahre werden nicht mitgezählt. Paare mit getrennten Wohnungen gelten als ein Haushalt. In dieser Übersicht werden die Regeln im Detail dargestellt:
Infografik: So dürfen Sie Ostern (nicht) feiern | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Wer muss Gründonnerstag arbeiten?

Merkel erläuterte mit Blick auf das Wirtschaftsleben, die „Ruhetage“ bedeuteten Regelungen analog zu Sonn- und Feiertagen. Das heiße, dass etwa Tankstellen selbstverständlich geöffnet seien. Es könnten wie an Sonn- und Feiertagen auch bestimmte Unternehmen arbeiten. Da es zusammen mit den Osterfeiertagen insgesamt um eine Spanne von fünf Tagen (1. bis 5. April) gehe, könne der engere Lebensmitteleinzelhandel am Samstag öffnen.

Handel erwartet großen Andrang am Karsamstag

Nach den neuen Corona-Beschlüssen von Bund und Ländern rechnet der Handel mit erhöhtem Kundenandrang in Lebensmittelmärkten am Mittwoch und Samstag vor Ostern. Die vereinbarte Schließung am Gründonnerstag sei daher kontraproduktiv, teilte der Handelsverband Deutschland am Dienstag mit.
Die Branchenvertretung reagierte mit scharfer Kritik auf die Verlängerung der Beschränkungen bis Mitte April. „Bund und Länder agieren nur noch im Tunnelmodus“, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Sie konzentrierten sich auf Coronavirus-Infektionszahlen, nicht aber auf die tatsächliche Infektionsgefahr beim Einkaufen. Diese sei gering.
Der Handel fordert dagegen, alle Geschäfte wieder zu öffnen und dabei Hygienekonzepte strikt einzuhalten. Im Nicht-Lebensmittelhandel hinterlasse der seit drei Monaten andauerende Lockdown tiefe Spuren. Gut jeder zweite Händler von Bekleidung, Schuhen und Lederwaren sehe sich in Insolvenzgefahr. „Nach einem Jahr mit Corona ist die Lage bei vielen Händlern verzweifelt, vielerorts gibt es keine Hoffnung mehr, diese Krise wirtschaftlich überstehen zu können.“

So reagieren die Kirchen auf Oster-Lockdown

Es ist ein großes Überraschungsei, das Bund und Länder den Religionsgemeinschaften zu Ostern ins Nest gelegt haben: Wenn es nach den neusten Corona-Beschlüssen geht, sollen zum Höhepunkt der Karwoche und des jüdischen Pessachfestes keine religiösen Veranstaltungen stattfinden. Darum wollen sie die Religionsgemeinschaften zumindest in Gesprächen bitten. Davon waren die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die katholische Deutsche Bischofskonferenz und der Zentralrat der Juden am Dienstagmorgen irritiert. „Wir sind überrascht worden. Ostern ist das wichtigste Fest für uns, Gottesdienste sind kein Beiwerk“, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, laut einem Tweet, den die Bischofskonferenz veröffentlichte.
Der Limburger Bischof betonte, zu Weihnachten hätten die Kirchen gezeigt, dass sie mit Vorsicht Messe feiern könnten. „Darauf wollen wir Ostern nicht verzichten.“ Auch der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte, er sei überrascht worden. „Wir werden uns in den von der Bundeskanzlerin angekündigten Gesprächen zunächst genau erläutern lassen, warum die bewährten Hygieneschutz-Maßnahmen, die alle Landeskirchen für ihre Gottesdiensten haben, nun nicht mehr ausreichen sollen.“ Am Mittwoch wollen sich alle 20 evangelischen Landeskirchen beraten. Bis Donnerstagabend solle eine Position vorliegen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte nach den Beratungen in der Nacht zu Dienstag gesagt: „Wir werden an die Religionsgemeinschaften - dabei werden Bund und Länder auf die Religionsgemeinschaften zugehen - mit der Bitte an sie herantreten, religiöse Versammlungen in dieser Zeit nur virtuell durchzuführen; ich betone 'mit der Bitte'.“ Teil des Beschlusspakets ist eine „erweiterte Ruhezeit“ zu Ostern. Der Gründonnerstag (1. April) und der Karsamstag (3. April) sollen zu einmaligen Ruhetagen erklärt werden, so dass das Land vom 1. April bis zum Ostermontag am 5. April komplett herunterfährt.
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) verteidigte die Entscheidung, dass möglichst keine Ostergottesdienste stattfinden sollten. „Das Ziel ist, dass alles zur Ruhe kommt“, sagte sie. Daher gebe es die klare Erwartung an die Kirchen, auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) betonte, ein offizielles Verbot werde es nicht geben. Er hege auch keine Zweifel an den Hygienekonzepten der Gemeinden, aber jede Form von Bewegung müsse eingeschränkt werden.
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, es bleibe beim Appell „zu vermehrt virtuellen Angeboten“ wegen der steigenden Neuinfektionen. Die Möglichkeit zu Präsenz-Gottesdiensten an Sonn- und Feiertagen bleibe bestehen.
Es könnte für viele Gemeinden das zweite Jahr in Folge sein, in dem sie zu den höchsten christlichen Feiertagen auf Gottesdienste mit Besuchern verzichten.

Das sagt Brandenburgs Ministerpräsident Woidke zum harten Lockdown

Die neuen Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern sollen den Anstieg der Infektionszahlen auch in Brandenburg nach Worten des Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) verlangsamen. „Wir müssen jetzt die nächsten Wochen und Monate noch mal überbrücken, um den exponentiellen Anstieg zu stoppen“, sagte Woidke am Dienstag im RBB-Inforadio. „Es sind harte Entscheidungen, die wir zu treffen haben, aber wir haben auch einen wahnsinnig harten Gegner und einen gefährlichen Gegner, das Virus.“

Schulen und Kitas sollen geöffnet bleiben

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat trotz steigender Infektionszahlen und sonstiger Ruhepause für offene Schulen und Kitas plädiert. „Schule und Kita ist herausragend wichtig, weil wir wissen, dass gerade die Kinder nicht nur am stärksten unter der Krise leiden, sondern auch die größten Spätfolgen zu befürchten haben“, sagte Woidke im ZDF-„Morgenmagazin“ am Dienstag. Der Plan sei, dass im April „möglichst oft, möglichst schnell“ getestet wird und Lehrerinnen und Lehrer zügig geimpft werden.
Lockdown in Berlin - das gilt in der Hauptstadt
Der Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie wird in Berlin voraussichtlich bis zum 24. April verlängert und damit um knapp eine Woche mehr als von Bund und Ländern vereinbart. Darauf verständigte sich der Senat am Dienstag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur. Der Senat hat zunächst keine Beschlüsse über schärfere Corona-Beschränkungen zu Ostern gefasst.
Voraussichtlich am kommenden Donnerstag ist dazu nach dem Plenum des Abgeordnetenhauses eine Sondersitzung geplant. Das hänge aber von Festlegungen ab, die der Bund im Hinblick auf die angedachte Osterruhe angekündigt habe.
Der Berliner Senat will die Unternehmen verpflichten, mehr Corona-Tests für ihre Beschäftigten anzubieten. Das kündigte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) nach der Senatssitzung am Dienstag an.

Wirtschaftsfachleute kritisieren Corona-Beschlüsse

Nach den neuen Beschlüssen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie haben Ökonomen und Branchenverbände den Kurs der Politik kritisiert. Der Lockdown über Ostern verdeutliche, „dass die Öffnungsstrategie der letzten Wochen gescheitert ist“, sagte der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Clemens Fuest, dem „Handelsblatt“. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sprach von einem „faulen Kompromiss“.
Unklar ist, welche Kosten die Beschlüsse verursachen. Sollte der Gründonnerstag wie ein Feiertag behandelt werden, an dem auch die Bänder in Fabriken stillstehen, geht das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) von sieben Milliarden Euro aus.
DIW-Chef Marcel Fratzscher sagte, die Beschlüsse kämen einer „Kapitulation gegenüber dem Virus gleich“. Die Kehrtwende sei unvermeidbar gewesen, weil Virologinnen und Virologen schon zweieinhalb Wochen vor dem jetzigen Szenario gewarnt hätten. Die neue Entscheidung sei „wieder einmal ein fauler Kompromiss, der den Verantwortlichen eine Gesichtswahrung ermöglicht, aber zu wenig tut, um das Virus zu stoppen“.
Die Metall- und Elektroindustrie geht davon aus, dass der Gründonnerstag als zusätzlicher freier Tag allein die Branche rund 4,45 Milliarden Euro Umsatz und etwa eine Milliarde für trotzdem gezahlte Löhne kosten würde, wie der Verband Gesamtmetall vorrechnete.

Das sagt ein Epidemiologe zu Corona-Lockdown über Ostern

Epidemiologe Rafael Mikolajczyk vom Uniklinikum Halle (Saale) hält die beschlossenen Kontaktbeschränkungen über Ostern für unzureichend. „Fünf Tage sind zu kurz um Infektionsgeschehen nachhaltig zu beeinflussen“, erklärte er am Dienstag. Aber wenn an den Tagen zum Beispiel ein Drittel der sonst stattfindenden Infektionen vermieden werde, habe das zumindest kurzfristig eine Wirkung, sagte er.
„Ich finde es wichtig, dass die Einsicht sich durchgesetzt hat, dass die Pandemie weiterhin eine hohe Gefahr bedeutet – und auch trotz angelaufener Impfung eine Überlastung des Gesundheitswesens kurzfristig passieren kann“, erklärte Mikolajczyk. „Man muss zugleich sagen, dass die Kontrollmaßnahmen vor März nicht ausreichend waren, um die Verbreitung der britischen Virusvariante einzudämmen.“ Verschärfte Maßnahmen dürften nun nicht zu lange verzögert werden, sonst müssten die Einschränkungen zwingend verlängert werden.
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.