Hund in Berlin: Hunde-Führerschein soll Rasseliste ablösen – was heißt das?

Kira ist eine von rund 50 sogenannten Rasselisten-Hunden, die im Tierheim Berlin auf ein neues Zuhause warten. Durch erhöhte Auflagen ist ihre Vermittlung besonders schwierig.
Beate Kaminski- Berlin will die gefährliche Hunderassen-Liste abschaffen und einen Hunde-Führerschein einführen.
- CDU und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, die „Gefährliche-Hunde-Verordnung“ aufzuheben.
- Hunde-Führerschein könnte bis zu 150 Euro kosten, Prüfungen bestehen aus Theorie und Praxis.
- Aktuell leben rund 270 Hunde im Tierheim Berlin, davon 50 Listenhunde.
- Viele Tiere sind schwer zu vermitteln, teils wegen hoher Auflagen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Kira schließt genüsslich die Augen, wenn die Pfleger ihr die Schnauze kraulen. Die energiegeladene Staffordshire-Mix-Hündin lebt, seit sie ausgesetzt wurde, im Tierheim Berlin und hat dort schon viele Fans. „Denn sie ist unglaublich lieb und kuschelig, so wie man sich einen Hund vorstellt“, berichtet Tierheimsprecherin Inaiê Macedo.
Kira, die offiziell zu den als gefährlich eingestuften Listenhunden gehört, sei ein Paradebeispiel dafür, dass es überhaupt nichts mit der Rasse zu tun habe, ob ein Hund gutmütig oder gefährlich ist. „Das hat immer mit den Lebensumständen zu tun und wie mit ihm umgegangen wurde“, erklärt Inaiê Macedo.
Rasseliste für Hunde in Berlin – Schäferhunde beißen öfter zu
Sie und die anderen Tierheim-Mitarbeiter fordern deshalb, die Rasseliste abzuschaffen und durch einen Hunde-Führerschein für alle zu ersetzen. Eine neue Regelung, die noch in diesem Jahr in Berlin eingeführt werden könnte. CDU und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, die „Gefährliche-Hunde-Verordnung“ aufzuheben.
Die entsprechenden Prüfungen zur Abschaffung der Rasseliste für Hunde und die Einführung eines Hunde-Führerscheins dauere noch an, heißt es auch auf Anfrage aus der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz.
Laut der „Gefährliche-Hunde-Verordnung“, die seit 2016 in Berlin in Kraft ist und in Brandenburg im Sommer 2024 abgeschafft wurde, gelten Pitbulls, American Staffordshire Terrier, Bullterrier und deren Kreuzungen als gefährliche Rassen. Wer diese Tiere hält, muss in der Hauptstadt unter anderem höhere Hundesteuern zahlen und ein Führungszeugnis sowie eine Haftpflichtversicherung vorlegen und sich auch eine Genehmigung vom Vermieter einholen. Zudem gilt für die Tiere Maulkorb- und Leinenpflicht.
Dabei ist nicht belegt, dass die Hunde, die auf der Rasseliste stehen, häufiger Menschen anfallen. „Die Biss-Liste der Senatsverwaltung führen eher andere Rassen wie Schäferhunde und Dackel an“, betont Inaiê Macedo.
Ein Blick auf die Statistik der Justizverwaltung im Jahre 2024 bestätigt das: Von den angezeigten Bissvorfällen in Berlin, bei denen im vergangenen Jahr 523 Menschen verletzt wurden, sind nur 29 den sogenannten Listenhunden zuzuordnen.

Kira gilt als besonders lieb und zutraulich. Die Staffordshire-Mix-Hündin aus dem Tierheim Berlin lässt sich gerne kraulen.
Beate Kaminski„Das Problem liegt oftmals nicht bei den Hunden, sondern eher am anderen Ende der Leine“, sagt auch Eva Rönspieß, Vorstandsvorsitzende des Tierschutzvereins für Berlin. Um das Leben aller Berliner Hunde künftig sicherer und schöner zu gestalten, brauche es eher klare Regeln und eine nachgewiesene Sachkunde. Deshalb fordern die Tierschützer, die Gefährliche-Hunde-Verordnung nicht einfach abzuschaffen, sondern gegen einen Hunde-Führerschein für alle zu ersetzen.
Bisher gibt es in Deutschland keine bundeseinheitliche Regelung dazu. Aktuell gilt nur in Niedersachen sowie Baden-Württemberg die Hundeführerschein-Pflicht für alle Hunde. Das heißt, dass künftige Frauchen und Herrchen schon im Vorfeld eine theoretische Sachkundeprüfung ablegen müssen. Die praktische Prüfung ist dann während des ersten Jahres der Hundehaltung gemeinsam mit dem Schützling abzulegen.
Hunde-Führerschein kostet bis zu 150 Euro
Der Theorieteil der Hundehalterprüfung besteht aus einem Multiple-Choice-Test, der vor Ort bei einem anerkannten Prüfer in Papierform oder online beantwortet werden kann. Die Prüfung dauert 60 Minuten und ist mit 80 Prozent der möglichen Punktzahl bestanden.
Bei dem praktischen Teil geht es um Alltagssituationen, die der Halter mit dem Hund bewältigen muss. Dabei wird unter anderem geprüft, ob der Hund auf Kommandos wie „Sitz“, „Komm“ und „Aus“ hört, wenn man zum Beispiel eine Menschenmenge passiert oder ein Jogger vorbeiläuft.
In Niedersachsen kostet der Hunde-Führerschein zwischen 80 und 150 Euro. Ob man ihn gemacht hat, wird zum Beispiel vom Ordnungsamt kontrolliert, wenn Mensch und Tier auf der Straße ohne Leine unterwegs sind. Laut Behörden kann in Niedersachsen das Halten eines Hundes ohne erforderliche Sachkunde mit einer Geldbuße von bis zu 10.000 Euro und bei mehrmaligen Verstößen sogar mit der „Beschlagnahmung“ des Hundes geahndet werden.
Die Fragen in der theoretischen Prüfung seien einfach gehalten, aber allein sie würden schon in erster Instanz dafür sorgen, dass sich ein potenzieller Hundehalter vor der Anschaffung eines Tieres ein paar Gedanken machen muss, findet Inaiê Macedo. „In Berlin kann sich jeder abends spontan aus einer Lust heraus einen Hund auf Ebay kaufen, ohne überhaupt zu wissen, woher das Tier kommt und was es erlebt hat.“
Gefährlicher Hund in Berlin – viele Hunde sind traumatisiert
Viele der Tiere, die so nach Deutschland verkauft werden, seien schon in ihren ersten Lebenswochen durch qualvolle Haltungsumstände traumatisiert worden und litten unter psychischen Problemen, erklärt die Tierheimsprecherin.
Andere seien von Menschen extra zu Kampfhunden abgerichtet worden. Der Hunde-Führerschein könnte dafür sorgen, dass Menschen den illegalen Welpenhandel nicht mehr unterstützen, indem sie Hunde im Internet bestellen wie Kleidung, glaubt die Tierheim-Mitarbeiterin.
Im Tierheim Berlin leben aktuell rund 270 Hunde, weitere 200 stehen zur Abgabe an die Einrichtung auf der Warteliste. Auch 50 sogenannte Listenhunde warten auf ein neues Zuhause. Diese seien aufgrund der hohen Auflagen schwer zu vermitteln, erklärt Inaiê Macedo. „Sie werden nur aufgrund ihrer Rasse stigmatisiert. Das kostet am Ende auch uns Geld, Zeit und Kapazitäten.“
Auch Kira hätte schon längst vermittelt werden können, berichtet die Tierheimsprecherin. Dadurch, dass sie so lieb sei, gibt es Interessenten. „Diese müssen nun aber erst die Genehmigung ihres Vermieters einholen. Nur davon hängt ab, ob wir die Box wieder freigeben können, für einen Hund, der den Platz dringend braucht.“



