Straßenbahn in Berlin
: Tram-Aus sorgt für Frust, was jetzt geplant ist

Die Stilllegung der Tram 21 und der Stillstand beim Straßenbahnausbau sorgen in Berlin für Frust. Diese Neubaustrecken sind in Planung.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Nichts geht mehr.

Es geht nicht voran: Fahrgastverbände und Umweltinitiativen fordern, den Straßenbahnverkehr in Berlin zu fördern und auszubauen. (Symbolbild)

Julius-Christian Schreiner/dpa
  • Teilstilllegung der Berliner Tramlinie 21 sorgt für Kritik von Fahrgastverbänden und Umweltschützern.
  • Senat und BVG begründen Stilllegung mit geplanter Neubaustrecke am Ostkreuz, die sich seit 8 Jahren verzögert.
  • Weitere Tram-Projekte in Berlin, z. B. Pankow-Pasedagplatz und Spandau-Tegel, kommen nur langsam voran.
  • Neue Verbindung Spandau-Tegel soll bis zu 75 % durch Bundesmittel gefördert werden.
  • Bis 2026 sind weitere Bauarbeiten auf der Linie 21 geplant, Fahrgäste müssen mit Sperrungen rechnen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Einstellung des Linienbetriebs auf einem Teil der Tramlinie 21 am Ostkreuz hat eine neue Debatte um den schleppenden Straßenbahn-Ausbau in Berlin entfacht. Seit dem 22. November fahren zwischen Friedrichshain und Rummelsburg keine Straßenbahnen mehr und das auf unbestimmte Zeit.

„Die Teileinstellung ist eine weitere Bankrotterklärung der Verkehrspolitik dieses Berliner Senats“, heißt es in einer Reaktion des Berliner Fahrgastverbandes IGEB.

Auch die Umweltschützer des BUND sprechen von einem „Fanal für Fahrgäste“. Denn Senat und Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen die dringend nötige Grunderneuerung der Gleise auf dem rund 900 Meter langen Abschnitt nicht finanzieren.

Tram-Anbindung an das Ostkreuz

„Mit dem geplanten Bau der Straßenbahn-Neubaustrecke Ostkreuz ist eine Änderung der Linienführung geplant“, erklären die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), warum sie die schadhaften Gleise nicht mehr erneuern wollen. Der bisherige Streckenabschnitt über die Boxhagener Straße und Marktstraße soll stattdessen durch einen Neubauabschnitt in der Sonntagstraße ersetzt werden, um die Linie 21 so auch direkt an den Bahnhof Ostkreuz anzubinden.

Doch der Neubau des rund 1,2 Kilometer langen Streckenabschnitts zieht sich bereits seit acht Jahren hin. Fehler in Lärmschutzfragen und Bedenken der Feuerwehr bezüglich der Rettungswege machen inzwischen eine fünfte Auslegung der Planfeststellungsunterlagen nötig.

Diverse Oberleitungs-Sonderkonstruktionen sind erwogen und verworfen worden. Es geht dabei unter anderem um die Frage, wie Stromüberschläge der Oberleitung auf Leiterwagen im Einsatzfall verhindert werden können.

„Es ist nicht hinnehmbar, dass diese wichtige Straßenbahnlinie 21 ersatzlos bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag stillgelegt wird, ehe irgendwann die seit Jahrzehnten geplante Neubaustrecke über den Bahnhof Ostkreuz zur Sonntagstraße in Betrieb geht“, schreibt deshalb der Fahrgastverband IGEB.

Tram-Neubaustrecken in der Schublade

„Berlin braucht viel zu lange, um neue Straßenbahnstrecken baureif zu bekommen“, findet auch Tilo Schütz, Verkehrsexperte im Umweltverband BUND. „Die massiven Verzögerungen beim Straßenbahnausbau belasten Fahrgäste, aber auch die BVG stark.“

So bleiben Tram-Neubaustrecken wie zwischen S- und U-Bahnhof Warschauer Straße und dem U-Bahnhof Hermannplatz, zwischen dem S- und U-Bahnhof Pankow – Pasedagplatz, zwischen Schöneweide und dem Potsdamer Platz sowie in den Blankenburger Süden seit Jahren in den Schubladen von BVG und Senatsverwaltung.

Ute Bonde (CDU), die aktuelle Berliner Verkehrssenatorin, rückt den Fokus eher auf besondere und autonome Gelenkbusse sowie den U-Bahn-Ausbau. „Eine Straßenbahn kann von der Kapazität bis zu drei Gelenkbusse ersetzen, was knappes Fahrpersonal und Kosten sparen kann“, hält BUND-Verkehrsexperte Schütz dagegen.

Dass die Kapazitäten des Busverkehrs an ihr Ende stoßen, ist täglich in Spandau zu spüren. Auch dort fordern Fahrgastverbände sowie Umweltschützer seit Jahren, den Tramausbau voranzutreiben.

Denn der Bezirk im Nordwesten der Stadt, wo fast eine Viertelmillion Berliner leben, verfügt bislang über ein vergleichsweise lückenhaftes Schienennetz. Große Wohngebiete sind dort ausschließlich mit Bussen erschlossen. Der ÖPNV-Anteil ist niedrig, viele Bewohner fühlen sich nach wie vor auf das Auto angewiesen.

Tram von Berlin-Spandau nach Tegel

„Wenn die Planungen für die Tram nach Spandau weiter blockiert werden, droht die Mobilitätswende im Westen Berlins zu scheitern“, warnt der Ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) Nordost. Die Mitglieder fordern den Berliner Senat auf, die Planungen für ein leistungsfähiges Tramnetz in und nach Spandau zügig wieder aufzunehmen und umzusetzen.

Denn im Berliner Nahverkehrsplan ist schon eine neue Straßenbahnverbindung zwischen Rathaus Spandau und der künftigen Urban Tech Republic auf dem ehemaligen Flughafen in Tegel vorgesehen. Diese soll vor allem neue Stadtteile wie die Wasserstadt Spandau. Hakenfelde und die Insel Gartenfeld erschließen und zugleich eine tangentiale Verbindung zwischen Reinickendorf und Spandau schaffen.

„Voraussetzung für die Straßenbahnstrecke in Richtung Gartenfeld ist jedoch die Strecke Bahnhof-Jungfernheide – Urban Tech Republic – U-Bahnhof Kurt-Schumacher-Platz“, erklärt Michael Herden, Sprecher der Senatsverwaltung für Mobilität.

Die Fortführung der Planungen dieser Strecke über den Bahnhof Jungfernheide hinaus wurde schon Anfang 2024 beschlossen. „Derzeit wird die Ausschreibung der weiteren Planungsschritte erarbeitet“, erklärt Herden.

Bund finanziert Tram-Ausbau in Berlin

Da die Wirtschaftlichkeit der Strecke zwischen dem künftigen Forschungs- und Industriepark in Tegel und dem S- und U-Bahnhof Rathaus Spandau mittels Nutzen-Kosten-Untersuchung durch das Bundesverkehrsministerium nachgewiesen worden sei, könnte das Vorhaben bis zu 75 Prozent mit Bundesmitteln gefördert werden, erklärt Herden.

„Mit der Straßenbahn-Neubaustrecke sind unabdingbare gesamtstädtische Ziele verknüpft“, betont der Behördensprecher. Denn im Einzugsbereich der Strecke befänden sich Wohnungsbauvorhaben, die zu den größten Entwicklungsschwerpunkten Berlins zählten. „Dazu benötigt es dringend eine gute ÖPNV-Anbindung.“

Die braucht es auch im Osten der Stadt. „Die Straßenbahnlinie 21 spielt eine bedeutende Rolle für die Erschließung der Berliner Bezirke Lichtenberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Treptow-Köpenick“, heißt es von der BVG.

Bis Ende 2026 seien deshalb auf der Linie 21 auch noch andere Bauvorhaben geplant. Diese umfassen Teilabschnitte auf der Marktstraße, auf der Hauptstraße am S-Bahnhof Rummelsburg, dem Blockdammweg und der Ehrlichstraße. So müssen sich die Fahrgäste der 21 auf weitere Sperrungen einrichten - wenn in diesem Fall nur temporär.

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