Derby in Berlin
: Diese Friseurin aus Brandenburg überrascht alle

Beim Deutschen Traber-Derby in Berlin sorgt Anna-Lisa Kunze für Schlagzeilen. Nach einem riskanten Zwischenfall zeigt die Friseurin in Mariendorf, wie viel Herzblut im Trabrennsport steckt.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Anna-Lisa Kunze (großes Foto li.) beim Trabreiten

Anna-Lisa Kunze (großes Foto li.) bei ihrer Lieblingsdisziplin, dem Trabreiten (Monté), in Berlin-Mariendorf. Rechts sieht man die Brandenburgerin mit Stute Edana, mit der sie ihre Karriere als Trabrennfahrerin und Reiterin begann.

Heiko Lingk/Montage: Katrin Janetzko
  • Anna-Lisa Kunze sorgte in Berlin-Mariendorf mit einem Zwischenfall beim Monté für Aufsehen.
  • Ihr Pferd tauchte unter den Flügeln des Startwagens hindurch, sie hielt sich am Flügel fest.
  • Die 26-jährige Friseur-Meisterin aus Brandenburg gewann bereits 25 Rennen.
  • 2024 siegte sie mit Lorenzo Idzarda überraschend, hohe Siegwette-Auszahlung folgte.
  • Traber-Derby: 1. bis 16. August 2026 in Mariendorf, rund 60 Rennen, Eintritt 10 Euro.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Beim Deutschen Traber-Derby in Berlin-Mariendorf gibt es immer wieder Sensationen. Im vergangenen Jahr war es die artistische Einlage der Reiterin Anna-Lisa Kunze: Ihr Pferd „Troublemaker“ senkte plötzlich den Kopf und tauchte zu Beginn des Monté-Rennens – bei dem geritten und nicht wie sonst im Sulky gesessen wird – unter den ausgefahrenen Flügeln des Startwagens hindurch.

Das Auto mit dem ausklappbaren Metallgestänge ist eigentlich dafür da, dass die Pferde dahinter geordnet in zwei Reihen bis zur Startlinie traben und keines zu früh beschleunigt.

Anna-Lisa Kunze reagierte geistesgegenwärtig und hielt sich akrobatisch am fahrenden Flügel fest, während ihr Pferd alleine in die Rennrunde raste. Der Fahrer des Startwagens konnte erst nach einigen Metern stoppen.

Heldin der Trabrennbahn Berlin-Mariendorf

Die Reiterin wurde auf der Rennbahn anschließend als Stuntfrau gefeiert. „Ich war die Heldin, obwohl ich mich gar nicht als Heldin gefühlt habe. Mir war das einfach nur total peinlich“, sagt Anna-Lisa Kunze lachend.

Die 26-jährige Amateur-Fahrerin und -Reiterin aus Brandenburg, die schon 25 Rennen im In- und Ausland gewonnen hat und 165 Mal auf die vorderen Plätze kam, ist hauptberuflich Friseurin. Sie gehört zu den vielen Menschen, die die über 100 Jahre alte, aber seit Jahren defizitäre Rennbahn aus Leidenschaft am Leben halten.

Die Friseur-Meisterin aus Siethen, einem 800-Einwohner-Dorf in der Nähe von Ludwigsfelde, verliebte sich schon als Kind in ein Rennpferd des bekannten Trabrennfahrers Günter Schiefelbein, das neben dem Vierseitenhof ihrer Eltern auf der Koppel stand.

Als sie neun war, nahm Schiefelbeins Trainer Peter Scheack sie das erste Mal mit auf die Rennbahn im Süden Berlins. Die kleine Anna saugte nicht nur die Stimmung bei den großen Rennen auf, wenn Besitzer und Zocker auf den Tribünen sich die Kehlen aus dem Leib schrien.

Trabrenn-Pferde als Hochleistungssportler

Sie säuberte auch jedes Wochenende die Ställe, striegelte die Pferde und kratzte ihnen die Hufe aus. Sie lernte Reiten und Sulky-Fahren, aber vor allem die Tiere zu lesen, ihre Bedürfnisse zu erfühlen. Zum Beispiel, ob ein Pferd vor dem Rennen betuttelt werden will oder ob es eher seine Ruhe braucht, um etwa seine Blase zu leeren. „Mit einer vollen rennt es sich ja auch nicht so angenehm“, sagt Anna-Lisa Kunze.

„Für uns sind die Tiere keine Sportgeräte, wie manche Tierschützer immer wieder glauben“, stellt die junge Frau klar. „Für mich sind es Hochleistungssportler, die die beste Betreuung verdienen.“

Der Dank folgt, wenn Pferde, die vielleicht gar nicht zu den Favoriten gehören, im Rennen plötzlich alles geben. „Das ist auch für mich ein Gänsehautmoment, wenn sich auf der Zielgeraden im letzten Augenblick eine Lücke auftut, die man nicht voraussehen konnte.“

Zu so einem sensationellen Sieg kam Anna-Lisa Kunze 2024 mit ihrem eigenen Pferd Lorenzo Idzarda. Weil damit niemand gerechnet hatte, gab es für eine Siegwette auf den sechsjährigen Wallach den 52,5-fachen Einsatz zurück.

Doch den Respekt auf der Rennbahn hatte sich Anna-Lisa Kunze schon vor ihren Siegen und Platzierungen erarbeitet. Wenn es heißt: „Anna, kannst du mal aushelfen?“, lässt sie sich nicht lange bitten. Und das, obwohl der Spagat zwischen Friseurladen und Rennbahn aufreibend ist und sie mit ihrem Hobby nichts dazuverdient.

Wetten nicht erlaubt

Fahrer und Reiter mit einer Amateur-Lizenz dürfen weder Preisgelder noch Lohn für Training und Rennen annehmen. So sind die Regeln. Auch das Wetten ist nicht erlaubt, wenn man selbst an den Start geht. „Man dürfte höchstens auf seinen eigenen Sieg setzen.“

Anna-Lisa Kunze verbringt trotzdem fast jede freie Minute auf der Rennbahn und im eigenen Stall. Zum Glück gibt es den Freund, der selbst das vielversprechende Rennpferd „Fundador Font“ besitzt, und der ihr hilft, die eigenen Pferde zu Hause zu versorgen.

„Ich hatte extrem Angst, wieder in den Sattel zu steigen“
Trab-Reiterin Anna-Lisa Kunze
nach einem Zwischenfall auf der Rennbahn

So wird sie auch beim 131. Deutschen Traber-Derby (1. bis 16. August 2026), zu dem wieder Pferdesportler und Fans aus ganz Deutschland nach Berlin-Mariendorf pilgern, an allen Ecken helfen und selbst an den Start gehen.

Dass sie überhaupt noch Rennen fährt und zunehmend auch Monté-Rennen reitet, ist dabei keine Selbstverständlichkeit. 2023 ging ein Pferd mit ihr durch und galoppierte mehrere Runden lang wild über die Rennbahn. Es dauerte viele bange Minuten, bis Helfer das Pferd einfangen konnten. „Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, und ich hatte danach extreme Angst, wieder auf den Sattel zu steigen“, erzählt die junge Frau.

Nach einem Jahr Pause ließ sie sich von den Freunden überreden, es wieder zu wagen. Kurz darauf ritt sie auf ihrer Heimatbahn zu ihrem 25. Sieg. Mit Troublemaker. „Der hat so einen flinken Antritt, du denkst, du sitzt auf einem Düsenjet“, sagt Anna-Lisa Kunze. Aber wie die Situation mit dem Startauto zeigte, macht er manchmal „Trouble“. „Ich mag es aber, wenn ein Pferd seinen eigenen Kopf hat.“

Derby-Termin in Berlin-Mariendorf

Das Traber-Derby findet vom 1. bis 16. August 2026 auf der Trabrennbahn Berlin-Mariendorf (Mariendorfer Damm 222/298/Einfahrt Hirzeweg 51) in Tempelhof-Schöneberg statt und beinhaltet rund 60 Rennen mit insgesamt rund einer Million Euro Preisgeld.

Es gibt folgende Renntage: Sonnabend, 1.8. (ab 11 Uhr), Sonntag, 2.8. (ab 12 Uhr), Freitag, 14.8. (ab 16 Uhr), Sonnabend, 15.8. (ab 12 Uhr), Sonntag, 16.8. (Finaltag ab 12 Uhr)

Der Eintritt beträgt an allen Tagen jeweils 10 Euro. Darin sind Wettgutscheine in Höhe von 4 Euro bereits enthalten. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen keinen Eintritt. Weitere Informationen gibt es auf www.rennbahn-berlin.de.