2023 in Bernau
: Die 10 Themen, die die Menschen besonders bewegt haben

Welche Themen haben die Menschen im Jahr 2023 in Bernau, Wandlitz, Panketal, Ahrensfelde, Werneuchen und Biesenthal besonders interessiert? Hier die Top Ten.
Von
Conradin Walenciak
Bernau
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Im Juli 2023 verwüstete ein Sturm den Ort Krummensee bei Werneuchen. Auf dem Grundstück von Maria Schumacher fiel unter anderem eine Scheune in sich zusammen. Das Unwetter war nur eines von vielen Themen, das die Menschen in und um Bernau im zu Ende gehenden Jahr bewegte.

Conradin Walenciak

Ein Jahr voller brisanter Themen geht zu Ende. 2023 wurde in Bernau, Wandlitz, Panketal, Ahrensfelde, Werneuchen und Biesenthal gestritten und diskutiert, es wurden Projekte umgesetzt und abgebrochen, unterschiedlichste Schicksale berührten und inspirierten.

Kurzum: Es war viel los im südlichen Barnim. Das machte sich auch in der täglichen Berichterstattung bemerkbar. Hier die zehn Themen und Texte, die die Menschen im bald endenden Jahr — basierend auf den Klickzahlen auf moz.de — am meisten beschäftigten.

Platz 10: Simson–Laden in Basdorf

Sie sind begehrt und besitzen längst Kult–Status: Mopeds der Marke Simson aus Suhl kosten heute vierstellige Summen. Yves Luca Rosemann hat in Basdorf seine Liebe zur Simson zum Beruf gemacht und mit gerade einmal 20 Jahren im März den Laden „Die Waldschrauber“ eröffnet. Gemeinsam mit seinem Kumpel Ian Sievers (21) schraubt er an den Maschinen herum, verkauft Ersatzteile und gibt hilfreiche Tipps. „Es gibt Sammler, völlig verrückte Typen, die haben 40 und mehr Mopeds in ihrer Halle“, weiß Rosemann. Für diese Fans und für ganz normale Anwender wollen die „Waldschrauber“ da sein.

Platz 9: Streit um 2000 neue Wohnungen in Bernau

Das Gelände an der Schwanebecker Chaussee in Bernau, auf dem sich die Ruine des ehemaligen Heeresbekleidungsamtes befindet, soll bebaut werden. 2000 Wohnungen könnten dort entstehen. Ein Investor ist längst gefunden, mit dem sich die Stadt auch schon auf Rahmenbedingungen geeinigt hatte. Doch kurz vor Vertragsunterzeichnung äußerte der Investor Änderungswünsche: Statt Tiefgaragenstellplätzen sollten Parkhäuser entstehen, zwei Kitas und eine Schule auf dem Gelände erst später gebaut werden. Zunächst weigerten sich die Stadtverordneten, den Wünschen zuzustimmen. Nach zähen Verhandlungen segneten sie diese dann jedoch ab und verhinderten so einen möglichen Stillstand auf dem Gelände. Wenn alles glattläuft, sollen im Frühjahr 2024 die Bauarbeiten beginnen.

Platz 8: Desolate Zustände in der Bahnhofs–Passage Bernau

Das Einkaufscenter unweit des Bernauer Bahnhofs steht seit längerer Zeit in der Kritik. Kunden fühlen sich nicht wohl und monieren den um sich greifenden Leerstand der Geschäfte, die Händler berichten im Umkehrschluss von sinkenden Einnahmen, weil die Kunden aufgrund der nachlassenden Attraktivität der Bahnhofs–Passage wegbleiben. Mitte Juni sorgte dann auch noch Starkregen für eine Verschlechterung der Situation: Das marode Dach konnte den Wassermassen nicht standhalten, wodurch ein Teil der Decke herabfiel — das ist seitdem jedoch nicht die einzige Baustelle im Einkaufscenter. Denn vollständig repariert wurde der Schaden bislang nicht. Immerhin: Mit dem Einzug von „Woolworth“ und der Reparatur der Rolltreppen vor „Medi–Max“ gab es jüngst auch positive Nachrichten rund um die Passage.

Platz 7: Anschläge auf Landwirte in Tempelfelde

Der Streit um Photovoltaik–Anlagen in Tempelfelde hat im Herbst kriminelle Züge angenommen. Zwei Landwirte, die ihre Flächen für Solarmodule zur Verfügung stellen wollen, wurden von unbekannten Tätern attackiert. Zunächst traf es im September Bauer Jürgen Giese. In seiner Hof–Einfahrt wurden Nägel verstreut, zudem ein herabwürdigendes Graffito auf die Straße gesprüht. Im Oktober war dann Landwirt Jan Jelmer Dijkstra betroffen: Ihm sollte die Mais–Ernte ruiniert werden. Unbekannte hatten zahlreiche 16 Zentimeter lange Edelstahl–Speichen in die Maiskolben gedrückt. Gefunden wurden diese nur, weil Dijkstras Erntemaschine einen Metalldetektor hat. „Die Stimmung im Dorf ist aufgeheizt“, sagen beide Landwirte.

Platz 6: Debatte ums Trinkwasser in Panketal

Trinkwasser, das im Garten genutzt wird, kann über einen Gartenwasserzähler von der zu zahlenden Abwassermenge abgesetzt werden. In Panketal ist damit allerdings bald Schluss. Die Gemeindevertreter haben im Juni mit großer Mehrheit beschlossen, Gartenwasserzähler, die ab 2024 in Schwanebeck und Zepernick eingebaut werden, nicht mehr zu berücksichtigen. Bestehende Geräte sind noch bis zum Ende ihrer Eichfrist nutzbar. „Wir alle sollten sparsam mit der Ressource Wasser umgehen, uns Alternativen zur Trinkwassernutzung im Garten überlegen und verstärkt das Regenwasser nutzen“, sagte Thomas Stein (Linke) dazu.

Platz 5: Fachkräftemangel im Rathaus Wandlitz

Der Fachkräftemangel hat im Rathaus Wandlitz richtig zugeschlagen. Mehrere Dutzend Stellen in der Kernverwaltung sind aktuell nicht besetzt. Im zu Ende gehenden Jahr verabschiedeten sich zudem mehrere wichtige Mitarbeiter überraschend aus dem Rathaus. Den Anfang machte im April Hochbauamtsleiter Gerald Fuchs. Nach knapp zweijähriger Tätigkeit wurde dessen befristeter Vertrag nicht verlängert. Deutlich länger im Amt — nämlich 15 Jahre — war Kämmerer Christian Braungard. Der Herr über die Wandlitzer Finanzen verabschiedete sich im November in Richtung Hoffnungstaler Stiftung Lobetal. Im Dezember kündigte dann auch noch Hauptamtsleiter Sascha Braun seinen baldigen Weggang an. Den Vertrauten von Bürgermeister Oliver Borchert zieht es mutmaßlich nach Berlin. Ohnehin hat der Wandlitzer Verwaltungschef kein leichtes Jahr hinter sich, musste er doch Mitte des Jahres ein von Bürgern initiiertes und einigen Gemeindevertretern unterstütztes Abwahlbegehren durchstehen. Er überstand es und blieb im Amt. Überdies sorgte die Ausweisung eines ehemaligen Bürogebäudes in Klosterfelde als Flüchtlingsunterkunft für Streit in Wandlitz. Einige Bürger protestierten heftig gegen die Unterbringung von Geflüchteten. Das Heim wurde dennoch eingerichtet und in Betrieb genommen.

Platz 4: Bernauer Metzger wehrt sich gegen Google–Kommentare

Die „Metzgerei Schneck“ ist aus dem Bernauer Stadtzentrum nicht mehr wegzudenken. Das Geschäft genießt einen guten Ruf bei Kunden, vor allem bei jenen, die Spezialitäten suchen, die in den Supermarkt–Vitrinen selten oder gar nicht zu finden sind. Eine Kritik bei Google brachte im April jedoch den Metzger Jan Schneck auf die Palme. Ein Kommentator beschwerte sich, dass die Metzgerei ihre Produkte aus Baden–Württemberg bezieht. „Dachte, es werden nur regionale Produkte aus Brandenburg angeboten. Enttäuschend“, moniert er. Statt mit möglichen fünf Sternen bewertete er die Metzgerei nur mit einem. Der Bernauer Metzger reagierte darauf in deftigem Ton auf seiner Facebook–Seite.

Platz 3: Ein Unwetter verwüstet Krummensee bei Werneuchen

Regen, Hagel und Sturm — ein schweres Unwetter hat die Region um Bernau Ende Juli heimgesucht. Besonders heftig erwischte es Krummensee bei Werneuchen: Gebäude stürzten ein, Bäume knickten um, Dächer wurden abgedeckt. Anwohner sprachen am Morgen danach vom „puren Chaos“, einige wollten sogar einen Tornado gesehen haben. Ein Wetterexperte entgegnete jedoch auf MOZ–Nachfrage, dass es für ein solches Phänomen keine Anhaltspunkte gebe. Er vermutete vielmehr einen sogenannten „Downburst“. Egal, was für ein Unwetter die Krummenseer auch traf: Die Folgen waren verheerend. Eine Schneise der Verwüstung zog sich quasi durch die gesamte Ortschaft, kaum ein Gebäude oder Grundstück war nicht von den Auswirkungen des Sturms betroffen. Bis heute haben die Einwohner mit den Sturmfolgen zu tun.

Platz 2: Polizei evakuiert den Bahnhof Bernau und sprengt verdächtigen Gegenstand

In der Mittagshitze stundenlang auf dem Bahnhofsvorplatz in Bernau ausharren — genau das mussten hunderte Reisende am 14. Juli. Grund dafür war ein Großeinsatz der Polizei. Dutzende Beamte hatten das Bahnhofsgebäude abgeriegelt, zuvor war ein eingefahrener Regional–Express evakuiert worden. Fahrgäste hatten aufgrund eines „gefährlich aussehenden Mannes“, aus dessen Weste laut Augenzeugen Drähte hingen, die Einsatzkräfte alarmiert. Vermutungen, dass der Mann eine Bombe bei sich habe, wurden geäußert. Auch die Polizei ging bei ihrem Einsatz auf Nummer Sicher, beschoss ein von dem Mann mitgeführtes Gepäckstück mit einem Wassergewehr. Offiziell äußern wollte sich die Polizei aus Sorge vor Nachahmern in der Folge nicht zu ihrem Einsatz. Aus Ermittlerkreisen war jedoch zu hören, dass der festgenommene Mann im Zuge der Ermittlungen als ungefährlich eingestuft wurde.

Platz 1: Chaos bei der Barnimer Busgesellschaft

Ein aufregendes, wenn nicht sogar chaotisches Jahr liegt hinter der Barnimer Busgesellschaft (BBG). Das kreiseigene Unternehmen stellte den Busfahrplan mit Beginn des neuen Schuljahres Ende August komplett um, begründete diese Maßnahme mit besseren Arbeitsbedingungen für die Busfahrer bei gleichzeitiger Angebotserweiterung für die Fahrgäste. Letztere äußerten jedoch viel und oft Kritik. Insbesondere Eltern und Schüler beschwerten sich über verlängerte und komplizierte Wege zur Schule. Die BBG besserte daraufhin bereits nach, teilte jedoch immer wieder mit, dass man es nicht allen Barnimern recht machen könne. Vor ernste Probleme wurde das Unternehmen dann am 21. September gestellt: Quasi über Nacht habe ein Subunternehmer gekündigt, teilte der Kreis mit. Neun Busse samt Fahrern standen von einem auf den anderen Tag nicht mehr zur Verfügung. Fahrten fielen deshalb aus, die BBG hatte tagelang damit zu kämpfen, das Nahverkehrsangebot aufrechtzuerhalten. Durch das Einspringen anderer Subunternehmer konnte die Krise jedoch gelöst werden.