Katzen bei Eisenhüttenstadt: Warum jetzt jede Falle zählt

Ist seit ein paar Wochen mit einem Mobil in der Oderregion unterwegs: die Frankfurter Tierärztin Eyleen Dohrmann. Sie kastriert im Tierheim am See in Eisenhüttenstadt Katzen.
Hagen Bernard- In Eisenhüttenstadt nimmt die Zahl wildlebender Katzen zu – vor allem aus Brieskow-Finkenheerd.
- Tierheim am See meldet viele Jungtiere nach Gartensaison. Kastration gilt als zentrale Maßnahme.
- Hoher Aufwand und wenig Kapazitäten erschweren Eingriffe. Kosten: Kater 150 Euro, Katze 200 Euro.
- Am Dienstag waren zwei Tierärztinnen im Einsatz: Dr. Mariana Göritz-Kamisch und Eyleen Dohrmann.
- Dohrmanns mobile Praxis seit dem 1. Oktober 2026 unterwegs und technisch für Diagnostik gerüstet.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Wildlebende Katzen breiten sich in der Region Eisenhüttenstadt weiter aus. Besonders mit dem Ende der Gartensaison melden Kleingärtner dem Tierheim am See in Eisenhüttenstadt immer häufiger junge, herrenlose Tiere – oder bringen sie gleich vorbei. Vor allem aus dem Amt Brieskow-Finkenheerd kommen derzeit viele Katzen. Seit diesem Jahr nimmt dieses Tierheim von dort auch Fundtiere auf.
Schon in den Sommermonaten hatte Tierheimleiterin Jana Feister viele im Mai geborene Kitten erhalten. Jetzt sind es vor allem die Herbstwürfe, die in den Gärten auffallen. Für Jana Feister ist klar: Nur durch konsequente Kastration lässt sich die Zahl der verwilderten Katzen dauerhaft eindämmen. Denn die Folgen sind gravierend. Wildlebende Katzen können Krankheiten wie Katzenaids (FIV) verbreiten und gefährden außerdem heimische Vogelarten – vor allem Bodenbrüter.
Mobile Tierarztpraxis hilft bei Katzen
Doch das Problem lässt sich nicht einfach lösen. Das Einfangen der Tiere ist aufwendig, die Unterbringung während der Kastration kostet, und die regionalen Tierärzte sind mit den anstehenden Eingriffen stark ausgelastet. An einem Tag Anfang November waren gleich zwei Tierärztinnen in diesem Tierheim im Einsatz: Dr. Mariana Göritz-Kamisch aus Steinsdorf, die inzwischen zweimal pro Woche in diese Einrichtung kommt, sowie Eyleen Dohrmann, die seit dem 1. Oktober 2026 mit ihrer „Mobilen Tierarztpraxis entlang der Oder“ unterwegs ist.
Eyleen Dohrmann hat mehrere Jahre in der Frankfurter Tierarztpraxis Prejawa gearbeitet und war zuletzt beim Veterinäramt in der Tierseuchenbekämpfung und im Tierschutz tätig. Jetzt ist sie wieder ganz nah an ihrem eigentlichen Beruf: an den Tieren. „Ich wollte wieder richtig mit Tieren arbeiten“, sagt die 43-Jährige. Das Feedback sei bislang großartig. „Ich bin noch richtig euphorisiert.“
Während Dr. Mariana Göritz-Kamisch Ziegen im Tierheim kastrierte, kümmerte sich Eyleen Dohrmann um die Katzen. Schon am Vormittag hatte sie zwei Kater und zwei weibliche Tiere operiert. Für einen Kater fallen 150 Euro an, eine Katze kostet 200 Euro. „In diesem Jahr habe ich bereits 60 Tiere kastrieren lassen, 40 sollen noch dazukommen“, sagt Jana Feister. Landesfördermittel stehen ihr diesmal nicht zur Verfügung. Unterstützung bekommt sie stattdessen von einem Tierschutzverein, der sonst vor allem Hunde und Katzen im Ausland betreut.
Die Pauschale des Amtes Brieskow-Finkenheerd reicht für die Kosten bei Weitem nicht aus. Für Jana Feister ist das kein überraschendes Problem. „Wenn man ein Gebiet neu übernimmt, zahlt man in den ersten Jahren oft erst einmal drauf“, sagt sie. In Frankfurt (Oder) und im Amt Neuzelle, das sie ebenfalls betreut, sei die Lage mit den wilden Katzen inzwischen besser in den Griff bekommen worden. Das hofft sie nun auch für Brieskow-Finkenheerd.
Kastration
Kastration bedeutet: Ein Tier wird so operiert, dass es sich nicht mehr fortpflanzen kann. Bei Katzen hilft das, damit nicht immer mehr wilde oder herrenlose Tiere geboren werden.
Quelle: Deutscher Tierschutzbund
Die Kastration selbst ist für die Tiere ein medizinischer Eingriff mit allem, was dazugehört: scheren, betäuben, operieren, vernähen und mit Schmerzmitteln versorgen. Während Schweine in der Nutztierhaltung in der Regel wesentlich günstiger ohne Narkose kastriert werden, merken Katzen und Ziegen im Tierheim während des Eingriffes nichts. Nach der Operation bleiben sie meist vier bis fünf Tage dort. Nach etwa einer Woche seien die Tiere laut Eyleen Dohrmann in der Regel wieder völlig normal.
Kastration in Eisenhüttenstadt bleibt nötig
Gerade bei wild lebenden Katzen sei aber besondere Vorsicht nötig, vor allem bei der Wundkontrolle. Anders als Hauskatzen lassen sie sich nach dem Eingriff nicht so einfach beobachten.
Die mobile Praxis von Eyleen Dohrmann ist dafür technisch gut ausgestattet: Sie kann Blutuntersuchungen durchführen, Röntgenbilder anfertigen und Ultraschall machen. Letzteres sei etwa wichtig, um tragende Katzen zu erkennen. Ist eine Katze trächtig, wird nicht kastriert – sie soll dann ihre Jungen bekommen.
Für die spätere Betreuung der kastrierten Streuner wäre es laut Jana Feister hilfreich, die Tiere zu markieren. Sonst könne es passieren, dass dieselbe Katze später noch einmal eingefangen wird. Denn in der Falle könne eine kastrierte nicht von einer unkastrierten Katze unterschieden werden. Der Chip lässt sich bei einer Katze in der Falle bisher nicht auslesen, sondern erst beim Tierarzt. Ein zweites Mal wäre für Tier, Tierheim und Tierärzte eine unnötige Belastung. Während im Tierheim kastriert wird, kommen dieses Mal noch parallel Anfragen aus Lawitz und Neuzelle. Der Bedarf an Kastrationen fällt laut Jana Feister noch lange nicht ab.
Mit ihrem Mobil sieht sich Eyleen Dohrmann vor allem als Ansprechpartnerin für Tierhalter, die nicht mobil sind oder im Notfall schnelle Hilfe brauchen. Jana Feister betont zugleich, dass kleinere Praxen zwar ebenfalls in den Notdienst eingebunden seien, diese aber oft nicht über ein eigenes Labor verfügten. Die mobile Tierarztpraxis sei deshalb eine gute Ergänzung.



