Ehrenamtliches Engagement ist ein wesentliches Element von Solidarität und humanitärer Verantwortung in der heutigen Gesellschaft. Viele Bereiche des öffentlichen Lebens würden ohne freiwillige Helferinnen und Helfer kaum noch funktionieren. Dies will der Stadtbote entsprechend würdigen. Auf unserem roten Sessel nehmen regelmäßig Frankfurterinnen und Frankfurter Platz, die sich ehrenamtlich engagieren oder auf andere Weise etwas Besonderes vollbracht haben.
Die unter unseren Lesern beliebteste Person, die wir in diesem Jahr vorgestellt haben, wollen wir nun als Frankfurterin oder Frankfurter des Jahres auszeichnen. Im vergangenen Jahr war das Hans-Jörg Laurisch, Chef der Fanfarengarde. Für 2020 stehen die unten aufgeführten Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl. Es gewinnt die Person mit den meisten Leserstimmen.

Oleksii Kysliak und Joram Ulmke -Die Helfenden

Unmittelbar nach Ausbruch der Corona-Pandemie brachten Oleksii Kysliak (26) und Joram Ulmke (22) die Internetseite FF-hilft.de an den Start. Sie boten älteren und bedürftigen Menschen beispielsweise die Vermittlung von Einkaufshilfen an. Auch Telefon- und Brieffreundschaften kamen zustande. Es wurden Schutzmasken von Helfern hergestellt und verteilt.
Beide Initiatoren kamen durch die Viadrina nach Frankfurt. Oleksii ist aus Kiew, Joram aus Frankfurt am Main. Beide sind geblieben, weil es ihnen in der Oderstadt gefallen hat. Oleksii leitet ein CDU-Wahlkreisbüro und Joram macht eine Ausbildung bei der IHK.

Hans-Georg Winter - Der Kunstbesessene

Mehr als 150 Kunstexpeditionen organisierte Hans-Georg Winter (70). Dabei hat er weder Kunst studiert, noch waren seine Eltern besonders kunstinteressiert. Der studierte Mathematiker organisierte in den vergangenen Jahren bis zu acht Termine pro Jahr. Die Exkursionen führten zu interessanten Kunstausstellungen in Berlin und Potsdam. Seine Exkur-sionen richten sich nicht nur an Kunstkenner. Hans-Georg Winter sagt, er selbst betrachte einfach Kunst unter dem Aspekt, ob sie ihm gefällt oder nicht. Für die katholische Gemeinde organisiert Hans-Georg Winter auch Fahrradtouren.

Katja Nauke - Die Zeit-Schenkende

Eigentlich arbeitet sie als Ergotherapeutin. Nach dem Feierabend wartet eine Familie mit zwei Kindern auf sie. Doch einmal in der Woche betreut die 43-Jährige für mehrere Stunden ehrenamtlich schwerkranke “Löwenkinder“, damit sie auf andere Gedanken kommen und ihre Eltern auch mal etwas anderes machen können. Während in der Gesundheitsbranche oft eine gewisse professionelle Distanz nötig sei, um nicht an jedem Schicksal zu zerbrechen, sagt sie, dürfe es bei den Löwenkindern ganz persönlich werden. Ihre 13-jährige Tochter ist oft dabei. Den kranken Kindern Zeit zu schenken, ist ihr eine Herzensangelegenheit. Seit vier Jahren ist Katja Nauke im Einsatz für die Löwenkinder. So erzählt sie, dass sie einmal den Maler Christopher Kadetzki, der in den Gerstenberger Höfen ein Atelier hatte, fragte, ob er nicht Zeit zum Malen mit einem kranken Mädchen hat? Hatte er, und für das Mädchen ging ein großer Wunsch, mit einem Künstler in einem Atelier zu malen, in Erfüllung.

Helga Specht - Die XXL-Power-Frau

Vier Jahre war Helga Specht selbst Mitglied der XXL-Selbsthilfegruppe im Haus der Begegnung. Dann brachte sie die Gruppe Junge XXL-Power ins Laufen. Als Erzieherin hatte die 69-Jährige Erfahrung im Umgang mit jungen Menschen.  Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie gravierend das Übergewicht den Alltag einschränken kann. Dabei geht es gar nicht um körperliche Anstrengung, sagt sie. Insbesondere den respektlosen Umgang der Menschen miteinander hat sie kennengelernt.  Dabei haben die vielen Kilos oft noch andere Gründe als nur zu viel zu essen. Krankheiten und Medikamente spielen oft eine Rolle. Der Austausch von Erfahrungen, gesunde Ernährung und Tipps, welche Mediziner vielleicht helfen können, sind Themen in der Gruppe.
Im Haus der Begegnung treffen sich etwa 60 Selbsthilfegruppen. Helga Specht hat nun sogar eine zweite Gruppe gegründet, die sich an Menschen wendet, die psychische Probleme durch Erschöpfung und Burnout haben.

Marcel Beenisch - Der musikalische Heilerzieher

Seit seiner Abiturzeit macht Marcel Beenisch Musik mit Menschen mit Schwer- und Mehrfachbehinderungen. In seiner Freizeit musiziert der gelernte Heil-
erziehungshelfer mit den 36 Bewohnern der Lebenshilfe-Wohnstätte Ekkehard Berhold. Besonders ältere Stücke haben es seinen Musikschülern angetan: Marianne Rosenberg zum Beispiel oder auch Hits von City, Silly oder den Puhdys. Besonders wichtig sei es, sagt der 34-jährige Marcel Beenisch, das Taktgefühl bei den behinderten Bewohnern zu schulen. Dann gelingt es auch später, Instrumente zu spielen.

Heike Pohl - Die gut gelaunte Umplanerin

Für Heike Pohl brachte 2020 Gewohntes und nicht Vorhersehbares. Die Disponentin und Künstlerbetreuerin im Kleist Forum  musste wegen Corona viele Veranstaltungen umplanen. Absagen und Verschiebungen – zum Teil schon ins Jahr 2022 – gab es zuhauf. Denn der neue Spielplan war ab März nutzlos. Für etwas Abwechslung und gute Laune in diesen schwierigen Zeiten sorgt ihr Hund Aron, den sie mit ins Büro nimmt und der auch die Stimmung ihrer Kollegen aufhellt.
Von Heike Pohl stammt auch die Idee, mit einigen Veranstaltungen wie dem MOZ-Talk in die Messehalle auszuweichen. Wie es weitergeht, weiß auch Heike Pohl nicht. Die 56-Jährige  sorgt sich aber sehr um die Kulturszene. Denn viele verdienen zurzeit gar kein Geld mehr. Sie denkt dabei auch an die Berliner Maulhelden vom blauen Mittwoch. Eigentlich wollten sie 2020 die 100. Vorstellung geben. Doch die hat Heike Pohl nun auf 2021 verschieben müssen.

Hildegard Pawlak - Die Waffelbäckerin

Die Waffeln der ehemaligen Lehrerin Hildegard Pawlak sind zur beliebten Lichtenberger Spezialität geworden. Gemeinsam mit einer Kollegin brachten sie zu vielen Veranstaltungen im Dorf diese süßen Leckerbissen mit. Bei der Einweihungsfeier des Lichtenberger Spiel- und Begegnungsplatzes am 3. Oktober wurde die 74-Jährige als „Lichtenbergerin mit Herz“ des Jahres 2020 ausgezeichnet. Sie ist, heißt es, immer dabei, wenn es im Ort was zu tun gibt - und sei es das Pflanzen der Osterglockenzwiebeln. Seit Jahrzehnten ist sie bei jeder Wahl im Wahlvorstand anzutreffen. Inzwischen steht sie diesem vor. Hildegard Pawlak ist ebenfalls Gründungsmitglied der Frauensportgruppe, in der sie seit mehr als 20 Jahren montagabends mittrainiert. Und auch die Absprachen für die Organisation der monatlichen Rentnertreffs in der Kita trifft sie.
So können Sie bis 14. Dezember abstimmen: per E-Mail an frankfurt-red@moz.de und per Post an Frankfurter Stadtbote, Paul-Feldner-Straße 13, 15230 Frankfurt (Oder)