Bürgermeisterwahl Glienicke 2025
: So bauen die Kandidaten Bürokratie im Rathaus ab

Wo kann Bürokratie im Rathaus von Glienicke reduziert werden? Die sechs Kandidaten für den Chefposten der Verwaltung haben da verschiedene Ansätze. Das sind ihre Ideen.
Von
Jürgen Liebezeit
Glienicke
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Bürokratieabbau

Bürokratieabbau ist leichter gesagt, als getan. Denn weniger Vorschriften zu machen bedeutet mehr Vertrauen zu haben. Doch das wird leicht ausgenutzt. Dennoch sehen die Bürgermeisterkandidaten in Glienicke Möglichkeiten, bürokratische Hürden zu reduzieren. (Symbolbild)

Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa
  • Bürgermeisterwahl Glienicke 2025: Sechs Kandidaten wollen Bürokratie abbauen.
  • Vorschläge reichen von Digitalisierung bis zu weniger Regulierungen.
  • Kandidaten: Eberhardt, Breier, Klein (SPD), Neilson (Grüne), Spannemann (AfD), Steguweit (CDU).
  • Amtsinhaber Dr. Oberlack tritt 2026 nicht mehr an – Wahl am 21. September 2025.
  • Seniorenbeirat lädt am 8. September 2025 zu Diskussion in der Grundschule ein.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Über die Komplexität und Absurdität der deutschen Bürokratie wird oft der Kopf geschüttelt. Selbst kleinste Details sind umständlich geregelt. Das nervt nicht nur die Bürger, sondern kostet Unternehmen viel Geld und bindet zudem Personal im Rathaus – auch in der Verwaltung von Glienicke.

Wir haben deshalb im Vorfeld der Bürgermeisterwahl in Glienicke am 21. September 2025 direkt bei Mario Eberhardt (Einzelbewerber), Michael Breier (Einzelbewerber), Uwe Klein (SPD), Lydia Neilson (B90/Grüne), André Spannemann (AfD) und Arno Steguweit (CDU) nachgefragt, welche bürokratischen Hürden sie im Rathaus abschaffen wollen. Es sollte mindestens ein konkretes Beispiel genannt und der Vorschlag begründet werden.

Alle sechs Befragten haben 600 Zeichen Platz für ihre Antwort bekommen. Daran haben sich alle gehalten. Die schriftlichen Antworten veröffentlichen wir nacheinander in alphabetischer Reihenfolge der Nachnamen.

Wahlkampf in Glienicke: Das sagen die Einzelbewerber

Mario Eberhardt (Einzelbewerber):  Für alles und jedes benötigt man einen Antrag, eine Genehmigung oder Freigabe, das muss nicht sein. Hier sollte geschaut werden, was sinnvoll und notwendig ist und was nicht. Konkrete Beispiele zu nennen fällt schwer, da de facto alles reguliert und geregelt ist und jeder Argumente dafür oder dagegen bringen kann.

Die Gängelung der Bürger muss aufhören. Eine kleine Gartenparty zum Beispiel, warum sollte diese beantragt werden? Jeder weiß, wann Nachtruhe ist und wohnt ja nicht umsonst im ruhigen Glienicke. Gegenseitige Rücksichtnahme kann selbstverständlich sein.

Michael Breier (Einzelbewerber): Bisher wurde der Zugang der Bürgerinnen und Bürger zu den Anträgen der Verwaltung und einzelne Verfahren digitalisiert. Ich stelle mir eine zentrale App für die Angelegenheiten der Bürgerinnen und Bürger Glienickes vor. Durch Mitteilungen direkt an den Bürger, dem Streamen von Gremiensitzungen und die Möglichkeit der Themenabonnierung, könnte die Transparenz nicht nur der Verwaltung, sondern auch der Gemeindevertretung erhöht werden. Es könnten Anträge sofort ausgefüllt und abgeschickt werden. Zur Identifikation kann auf die Face-ID zurückgegriffen werden.

Wahlkampf in Glienicke: Statements der Parteipolitiker

Uwe Klein (SPD): Als Bürgermeister würde ich alle kommunalen Satzungen auf Nutzen, Aufwand und Vollzugsfähigkeit prüfen. Nicht alles muss im Detail geregelt werden. Wo reicht eine Anzeige, wo ist eine Genehmigung nötig, nach welcher Frist ist ein Vorhaben automatisch genehmigt…? Erst nach dieser bürokratischen Entschlackung erfolgt die Abbildung via Online-Verfahren, bestenfalls mit KI-Unterstützung. Wichtig ist, dass die Verwaltung trotz begrenzter Ressourcen schnell, transparent und sachgerecht auf Anliegen reagieren kann. Ein Beispiel ist eine Kita-Software für mehr Transparenz und bessere Kommunikation.

Lydia Neilson (B90/Grüne): Ich bin für die Einführung eines zentralen, digitalen Anlaufpunktes, bei dem Bürgerinnen und Bürger alle behördlichen Anliegen bündeln können. Statt sich bei verschiedenen Ämtern einzeln zu melden, können sie dort Anträge stellen, Dokumente hochladen, den Bearbeitungsstatus prüfen und Hinweise oder Folgeprozesse erhalten. Ziel: einfacher, schneller und benutzerfreundlicher Bürgerservice mit möglichst wenigen Stationen. Für den Bürger vor Ort: mobile Sprechstunden in den Ortsteilen und arbeitnehmerfreundliche Sprechzeiten im Rathaus machen die Verwaltung für alle leichter erreichbar.

André Spannemann (AfD):  In Glienickes Gemeindeverwaltung gibt es künftig einen festen Ansprechpartner für jedes Anliegen. Wer mit einem Problem zur Gemeinde kommt, findet sofort Hilfe – ohne Umwege. Für ältere Bürger bieten wir zusätzlich einen Vor-Ort-Service: Wir kommen zu ihnen, um Formulare, Anträge oder Beratung direkt zu Hause zu ermöglichen. So wird Verwaltung persönlich, bürgernah und barrierefrei – für alle Generationen.

Arno Steguweit (CDU): Bürger sollen Anliegen schnell und einfach erledigen können. Ich werde Verfahren digitalisieren, Formulare vereinfachen und Doppelprüfungen vermeiden. Ein Beispiel: Genehmigungen für Veranstaltungen oder kleinere Bauvorhaben sollen in klaren Fristen online beantragt und bearbeitet werden können. Auch bei der Förderung von Vereinen will ich Bürokratie abbauen: Heute zahlt die Gemeinde oft Fördermittel aus, um sie über Mieten für gemeindeeigene Räume gleich wieder einzuziehen. Das ist unnötig kompliziert – hier setze ich auf einfache, direkte Lösungen.

Bürgermeisterwahl in Glienicke: fünf Männer und eine Frau wolle die Verwaltung im Rathaus von Glienicke führen: (obere Reihe v.l.n.r.) Arno Stugeweit (CDU), Uwe Klein (SPD),Michael Breier (Einzelbewerber), Lydia Neilson (B90/Grüne),  André Spannemann (AfD) und Mario Eberhardt (Einzelbewerber).

Bürgermeisterwahl in Glienicke: fünf Männer und eine Frau wollen künftig die Verwaltung im Rathaus von Glienicke mit weniger Bürokratie führen: (obere Reihe v.l.n.r.) Arno Steguweit (CDU, Foto: Jürgen Liebezeit), Uwe Klein (SPD, Foto: Jürgen Liebezeit), Michael Breier (Einzelbewerber, Foto: Jürgen Liebezeit), Lydia Neilson (B90/Grüne, Foto: Maren Schulz Photography), André Spannemann (AfD, Foto: Hardy Ruß/Fotocenter Frohnau) und Mario Eberhardt (Einzelbewerber, Foto: Lara Eberhardt) (Rest v.l.n.r.).

Collage: Jürgen Liebezeit

Amtsinhaber Dr. Oberlack tritt aus Altergründen nicht mehr an. Seine Amtszeit endet im Februar 2026. Er ist seit 2010 im Amt.

In Glienicke sind am 21. September fast 10.000 Einwohner wahlberechtigt. Eine mögliche Stichwahl findet am 12. Oktober statt.

Parallel zur Wahl in Glienicke finden in Oberhavel auch Bürgermeisterwahlen in Hennigsdorf und Velten statt. Eine Woche später dürfen die Einwohner von Oranienburg am 27. September ins Wahllokal.

Fragen und Antworten zur Bürgermeisterwahl 2025 in Glienicke

Bislang sind folgende vier Fragen, die wir allen Kandidaten zur Bürgermeisterwahl 2025 gestellt haben, beantwortet worden:

19. August 2025: So viel investieren die Kandidaten in Wahlkampf

21. August 2025: Visionen für 2030 – davon träumen die Kandidaten

26. August 2025: Wahlkampf unter der Gürtellinie? Das sagen die Kandidaten

28. August 2025: Das mache die Kandidaten persönlich für den Klimaschutz

Senioren diskutieren mit allen sechs Kandidaten

Der Seniorenbeirat in Glienicke lädt am Montag, 8. September 2025, um 17 Uhr zu einer Diskussion mit den Kandidatinnen und Kandidaten für das Bürgermeisteramt in die Mensa der Grundschule ein. „Uns geht es darum zu erfahren, welche Ideen die Bewerber für die seniorenfreundliche Gestaltung des Ortes haben, wo sie dafür Schwerpunkte sehen“, teilte Barbara Giessmann für den Beirat mit. Die Veranstaltung ist öffentlich.