Für Hohen Neuendorf war das Jahr 2021 ganz klar ein Jahr der Baustellen, im konkreten wie im übertragenen Sinne. Da sind diejenigen, die gerade noch abgearbeitet werden, jene, die noch ins nächstes Jahr reichen, und weitere, die relativ plötzlich über die Stadt gekommen sind. Straßenbau sorgt an mehreren Ecken für Unmut, in Stolpe bringt eine Einwohnerversammlung aber auch  Klarheit. Die Stadt Hohen Neuendorf bereitet ihren ersten kommunalen Wohnungsneubau an der Feldstraße weiter vor. Private Investoren treiben den Wohnungsbau vor allem im Stadtteil Bergfelde voran. In Borgsdorf findet eine Art Wasserbau statt, eine schwimmende Baustelle auf dem Börnersee, wo es sich auch nicht um Bau, sondern in gewisser Weise um einen Abbau unter Wasser handelt.

Im März brennt es im Gewerbegebiet

In der Nacht auf den 27. März kommt es zu einem Gebäudegroßbrand auf Hohen Neuendorfs Gewerbegebiet am Backofenweg.
Lichterloh brennt die Ladenzeile im Gewerbegebiet am Backofenweg in der Nacht zum 27. März. Nur einige Grundmauern bleiben zurück.
Lichterloh brennt die Ladenzeile im Gewerbegebiet am Backofenweg in der Nacht zum 27. März. Nur einige Grundmauern bleiben zurück.
© Foto: Frank Lagrange
Eine Ladenzeile mit Geschäften von Tedi, Kik und Fressnapf brennt aus und bis auf einige Außenmauern nieder. Im Laufe der nächsten Wochen werden die verkohlten Überreste entfernt. Neues ist vorerst nicht in Sicht.
Ab Ende März herrscht in der Hubertus-Apotheke am S-Bahnhof Hohen Neuendorf Hochbetrieb. Apotheker Reinhard Eger geht als einer der Ersten mit einem Corona-Schnelltestzentrum in Betrieb. Hinter der Apotheke stehen die Menschen im Freien Schlange, um sich testen zu lassen. Später verlegt er das Testzentrum in einen Raum der Stadthalle, wo es immer noch gebraucht wird.

Im April in den Börnersee abgetaucht

Im April tut sich etwas am Borgsdorfer Börnersee.
Taucher holen im April jede Menge Schrott aus dem Börnersee.
Taucher holen im April jede Menge Schrott aus dem Börnersee.
© Foto: Heike Weißapfel
Dort fährt die Firma Wittmann Tauchen mit schwerem Gerät vor. Pontons werden zu Wasser gelassen. Der See hatte im Sommer zuvor von der Stadtverwaltung wegen der Gefahren, die bei sinkendem Wasserspiegel dicht unter die Oberfläche gerückt sind, gesperrt werden müssen. Taucher suchen nun den kleinen See nach Müll und den Überresten der Tonabbauanlage ab, die seit 100 Jahren still im See ruht. Innerhalb zwei Wochen füllen sich die mitgebrachten Gittercontainer rasch mit Abfällen aller Art bis hin zum Auto. Auch ein Teil der alten Anlage wird mit entfernt. Im Mai kann der Bürgermeister das Gewässer zum Baden wieder freigeben – aber es ist kühl, und den Sprung in dieses kalte Wasser wagt das Stadtoberhaupt lieber nicht.

Im Mai erwacht die Schönfließer Straße neu

In die Geschäfte an der Schönfließer Straße kommt im Mai wieder Leben. Die Cafés dürfen öffnen. Da werden für die Gäste draußen nochmal schnell die Sitzmöbel gestrichen. Das Frühjahr nutzen einige Städterinnen und Städter mithilfe von Klimaschutzmanagerin Heiderose Ernst, um neue Grünpatenschaften ins Leben zu rufen. Anwohner werden zu Bienenrettern, indem sie in ihren Vorgärten und auf dem Straßenbegleitgrün vor den Häusern das anpflanzen, was Wildbienen und anderen Insekten schmeckt. Andere übernehmen einen Straßenbaum vor ihrem Haus zur Bewässerung in Patenschaft.
Wer dieses Schild sieht, - beispielsweise an der Waldstraße - sollte das Grün daneben nicht für ungeordnetes Gestrüpp halten. Klimaschutzmanagerin Heiderose Ernst freut sich über Paten.
Wer dieses Schild sieht, - beispielsweise an der Waldstraße - sollte das Grün daneben nicht für ungeordnetes Gestrüpp halten. Klimaschutzmanagerin Heiderose Ernst freut sich über Paten.
© Foto: Heike Weißapfel
Einige Stadtverordnete von Bündnis 90/Die Grünen gründen in Borgsdorf einen Car-Sharing-Verein. Ein Mitglied stellt dafür sein eigenes Elektroauto zur Verfügung, ein weiteres Auto wird im Laufe des Jahres angeschafft.

Mit dem Sommer kommen die Baustellen

Im Juni berichtet die Bauverwaltung der Stadt über die Baustellen, die die Stadt an mehreren Ecken umzingeln und lahmlegen: Zur B96a-Baustelle des Landesbetriebs für Straßenwesen an der Bergfelder Mittelstraße, wo die Brücke um zwei angesetzte Kappen verbreitert wird, kommt im Juli die Karl-Marx-Straße Hohen Neuendorf, ein Bauvorhaben der Deutschen Bahn AG.
Im Juli beginnen die Bauarbeiten im Auftrag der Deutschen Bahn AG an der Karl-Marx-Straße. Die ersten Wochen können Autos die Unterführung noch nutzen. Im August wird die Bahnstrecke komplett gesperrt, und auch Fußgänger dürfen nicht mehr passieren.
Im Juli beginnen die Bauarbeiten im Auftrag der Deutschen Bahn AG an der Karl-Marx-Straße. Die ersten Wochen können Autos die Unterführung noch nutzen. Im August wird die Bahnstrecke komplett gesperrt, und auch Fußgänger dürfen nicht mehr passieren.
© Foto: Heike Weißapfel
Dort wird ein lange geplantes und mehrfach verschobenes Vorhaben begonnen, das erst 2023 fertig werden soll: der Abriss der Bahnbrücke und der anschließende Neubau der Straße. Die Unterführung soll von 9,5 auf 12 Meter verbreitert werden.

Zentrale Gedenkveranstaltung 60 Jahre nach dem Mauerbau

Am 13. August liegt der Bau der Berliner Mauer 60 Jahre zurück. In Hohen Neuendorf findet die zentrale Gedenkveranstaltung statt. Am ehemaligen Grenzturm in Bergfelde wird ein temporäres Denkmal aufgestellt: 140 leere Stühle. Jeder Stuhl steht für einen Menschen, der direkt an der 160 Kilometer langen Grenze zu Tode gekommen ist. In einer bewegenden Zeremonie verlesen Ministerpräsident Dietmar Woidke, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister von Gemeinden an der Grenze zu Berlin die Namen der Opfer.

Jugendliche nutzen den Rathausplatz als Partylocation

Viele Anwohner in der Nähe des Rathausplatzes klagen über den Lärm vor allen an den Wochenende, der sie nicht schlafen lässt. Die Stadt kämpft morgens mit den Überresten der Gelage.
Viele Anwohner in der Nähe des Rathausplatzes klagen über den Lärm vor allen an den Wochenende, der sie nicht schlafen lässt. Die Stadt kämpft morgens mit den Überresten der Gelage.
© Foto: Heike Weißapfel
 War Lärm auf dem Spielplatz am Damaschkeplatz Anfang des Jahres noch Thema, so verlagert sich dieses im Sommer auf den Rathausvorplatz. Vor allem freitags und sonnabends treffen sich dort Hunderte von jungen Leuten aus Hohen Neuendorf und weit darüber hinaus, um Stehpartys zu veranstalten. Musik und Lärm sorgen für Ruhestörung, zudem ist der Platz an jedem „Morgen danach“ vermüllt.
Diesen Tag sehnen nicht nur Stolper und Hohen Neuendorfer zwei Monate lang herbei, sondern alle, die die Landesstraße 171 nutzen, um zur Autobahn zu kommen. Am 29. Oktober wird die Straße wieder freigegeben.
Diesen Tag sehnen nicht nur Stolper und Hohen Neuendorfer zwei Monate lang herbei, sondern alle, die die Landesstraße 171 nutzen, um zur Autobahn zu kommen. Am 29. Oktober wird die Straße wieder freigegeben.
© Foto: Heike Weißapfel
Am 16. August kommt halb Stolpe zur Einwohnerversammlung. Die Landesstraße 171 wird am 2. September ab der Dorfstraße in Stolpe voll gesperrt. Gut, weil endlich die Holperpiste saniert und der Radweg bis zum Kreisverkehr gebaut wird. Schlecht, weil Autofahrer, die von  Stolpe nach Hohen Neuendorfer und umgekehrt wollen, für zwei Monate einen Umweg von mehr als 20 Kilometern machen müssen.

Gesperrter Weg über die Kirschallee

Manche versuchen, die Umleitung zu umgehen, indem sie über die für den motorisierten Verkehr gesperrte Kirschallee ausweichen. Dazu wird gleich am ersten Wochenende der Sperrung eine dort installierte Schranke zerstört. Diese Baustelle ist aber ausgesprochen pünktlich beendet. Bis Ende Oktober sind die Arbeiten erledigt, und die Straße ist wieder frei.

1,3 Millionen Euro für das Waldgrundschulgelände

Eine große Baumaßnahme der Stadt wird am 17. August mit der offiziellen Übergabe an Kinder wie Erwachsene beendet: 1,3 Millionen Euro sind in die Außenanlagen der Waldgrundschule und des Hortes investiert worden. Neben Spielgeräten und zehn neu gepflanzten Bäumen stehen dort nun Fahrradabstellanlagen und 19 weitere Stellplätze für Autos zur Verfügung.

Drei neue Stolpersteine glänzen im August

In feierlichen Zeremonien verlegt der Künstler Gunter Demnig am 26. August drei neue Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus.
Drei Stolpersteine werden am 26. August gesetzt. Dieser ist für Arthur Magnor in der Wandlitzer Straße in Bergfelde.
Drei Stolpersteine werden am 26. August gesetzt. Dieser ist für Arthur Magnor in der Wandlitzer Straße in Bergfelde.
© Foto: Heike Weißapfel
Der Geschichtskreis hat ihre Schicksale erforscht. In Bergfelde liegt nun ein kleiner Gedenkort für den Widerstandskämpfer Arthur Magnor in der Erde. An die jüdischen Hohen Neuendorfer Laura Ullmann und Willy Gerber wird ebenso vor ihren letzten Wohnsitzen erinnert.

Entscheidung am Wildbergplatz

Ebenfalls am 26. August fällt in der Stadtverordnetenversammlung eine Entscheidung zum Wildbergplatz. Die Brache im Zentrum soll endlich bebaut werden. Es ist die Bauwert AG, die die Fläche kaufen und 75 Wohnungen in schlicht-klassischem Stil bauen soll.
Wildbergplatz Hohen Neuendorf Wildbergplatz Hohen Neuendorf, soll verkauf und bebaut werden, Interessenbekundungsverfahren, zwei Erstplatzierte: Tchoban und Voss (Waben) sowie Bauwert (acht Gebäude). Im Stadtentw.A. fiel die Wahl auf Bauwert
Wildbergplatz Hohen Neuendorf Wildbergplatz Hohen Neuendorf, soll verkauf und bebaut werden, Interessenbekundungsverfahren, zwei Erstplatzierte: Tchoban und Voss (Waben) sowie Bauwert (acht Gebäude). Im Stadtentw.A. fiel die Wahl auf Bauwert
© Foto: Heike Weißapfel
Am 23. September soll am Amtsgericht der Prozess gegen den Mann beginnen, der die Explosion eines Hauses in der Karl-Marx-Straße fahrlässig herbeigeführt haben soll. Das Verfahren wird stattdessen eingestellt, denn der 79-Jährige ist kurz vor Prozessbeginn gestorben. Bei der Explosion am 7. März 2020 waren zwei Menschen getötet und vier verletzt worden.
26. September: Hohen Neuendorfs langjährige Stadtsprecherin und Marketing-Fachbereichsleiterin Ariane Fäscher gewinnt das Direktmandat des Wahlkreises 58. Die Sozialdemokratin ist damit in den Deutschen Bundestag gewählt.
Ariane Fäscher (SPD) hat es geschafft. Sie gewinnt das Direktmandat des Wahlkreises 58 und ist damit am 26. September in den Bundestag gewählt.
Ariane Fäscher (SPD) hat es geschafft. Sie gewinnt das Direktmandat des Wahlkreises 58 und ist damit am 26. September in den Bundestag gewählt.
© Foto: Klaus D. Grote

Brückenabriss auf der Landesstraße 171

Ende September steht die nächste Baustelle fest: Die Brücke an der L 171 (Schönfließer Straße, Ortseingang Bergfelde, HDZ) muss abgerissen werden. Anfang November ist die Eisenbahnüberführung verschwunden, bis Frühjahr 2022 bleibt an der Stelle ein Loch. Die Anwohner in der Alten Kolonie sind weitgehend abgeschnitten.
Die Brücke über die Landesstraße 171 bei Bergfelde ist weg. So sieht es dort am 3. November aus.
Die Brücke über die Landesstraße 171 bei Bergfelde ist weg. So sieht es dort am 3. November aus.
© Foto: Heike Weißapfel
2.400 Euro Geldstrafe muss ein Anwohner an der Florian-Geyer-Straße zahlen, weil er einen Nachbarn mit Faustschlägen traktiert und weitere Nachbarn beleidigt hat. Das Amtsgericht Oranienburg legt außerdem ein Schmerzensgeld von 2.500 Euro fest, das der Mann an das Opfer der Handgreiflichkeiten zahlen muss.

Schlafstätten illegal Beschäftigter in Hohen Neuendorf

Mit bundesweit zeitgleichen Razzien gegen eine deutsch-russische Schleuserbande durchsuchen Zoll und Bundespolizei am 8. Dezember auch eine Villa in Hohen Neuendorf. Im sogenannten Sonnenhaus an der Berliner Straße entdecken sie  50 Schlafstätten für illegale Leiharbeiter. Die Bande soll Menschen aus der Ukraine und Moldawien mit falschen Papieren ausgestattet als EU-Bürger ausgegeben und über eigene Leiharbeitsfirmen an Logistikunternehmen vermittelt haben. Zunächst werden in verschiedenen Bundesländern zehn Personen festgenommen, darunter drei in Oberhavel.

Persönlichkeiten der Stadt

Christian Wolff, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands stirbt überraschend am 19. April. Der langjährige CDU-Stadtverordnete wurde 54 Jahre alt. Bergfelde war die Wahlheimat des Berliners. Die Entwicklung seines Stadtteils trieb der Kommunalpolitiker so gut wie möglich voran, hatte dabei aber immer die gesamte Stadt im Blick.
Dr. Ulrich Tornow, ein im ganzen Landkreis bekannter Tierarzt, der seit Jahrzehnten in Bergfelde zu Hause war und dort nach der Wende auch seine private Tierarztpraxis führte, stirbt am 1. Juli im Alter von 90 Jahren.
Seine Autobiografie hat er 2020 noch vorstellen können. In „Ein Leben mit und für die Tiere“ hat er anhand seiner eigenen Lebensgeschichte auch die Historie seiner märkischen Heimat beleuchtet.
Am 1. Oktober dürfen sich beim Stadtempfang sechs Frauen und Männer ins Goldene Buch der Stadt eintragen: Fünf sind mit dem Engagementspreis ausgezeichnet worden: Christine Reeck, Guido Haak, Helga Garduhn, Herta Mahlo und Maik Loga. Einen Sonderpreis erhält Viktor Makowski. Am 17. Dezember kommt Petra Schmidt hinzu, die den Ehrenamtspreis des Landkreises erhalten hat.
Der Hohen Neuendorfer Organist, Sänger und Kantor Christian Ohly ist seit 29. Oktober offiziell neuer Kreiskantor des Kirchenkreises Berlin Nord-Ost.
Die Einführung fand in der Weddinger Kapernaum-Kirche in Berlin-Mitte statt. Im Amt ist er bereits seit 1. Januar. Dieser evangelische Kirchenkreis umfasst 42 Kirchengemeinden in Oberhavel, Barnim, Pankow, Mitte, Lichtenberg und Marzahn, darunter Bergfelde/Schönfließ, Birkenwerder, Borgsdorf/Pinnow, Glienicke, Hennigsdorf, Hohen Neuendorf und Mühlenbeck/Schildow. Der Kirchenkreis hat zwölf Posaunenchöre. Der 51-jährige Christian Ohly ist auch dessen ehrenamtlicher Kreisposaunenwart.