Die Neue Energien Premnitz GmbH, als Teil der Richter-Unternehmensgruppe, will am ehemaligen Standort der Viskose-Produktion in die großindustrielle Herstellung von Wasserstoff einsteigen. Dabei kooperiert die Firma mit mit dem schwedischen Unternehmen Plagazi, das ein innovatives Verfahren entwickelt hat. Über den Stand der Dinge ließ sich nun Landrat Roger Lewandowski (CDU) vor Ort informieren.

Abfall für den „Havelstoff“ aus Premnitz

Als „Havelstoff“ soll der Premnitzer Wasserstoff auf den Markt gebracht werden. Abfälle sind der Rohstoff. „Aufgrund des ansteigenden Aufkommen nicht recyclebarer Wertstoffe und Stoffgemische - wie gummihaltiger Materialien, Glasfaser, Karbon, Kompositwerkstoffe sowie gemischt verschmutzt und kontaminierte Kunststoffabfälle - steigt der Bedarf zur Verwertung“, erklärte Christian Gerstädt, Geschäftsführender Gesellschafter Neue Energien Premnitz GmbH.

Effektiver als Produktion durch Wasserelektrolyse

„Im Plasmaverfahren, einemHochtemperaturprozess, werden diese Stoffe aufgespalten. Als Produkt entstehen vor allem als reine Industriegase nutzbarer Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid“, sagte Karl Dirkes, Vertreter des Kooperationspartners Plagazi, der das Verfahren entwickelte. „Das wassersparende Verfahren ist sehr umweltfreundlich, da so gut wie keine Immissionen in die Atmosphäre gelangen. 70 Prozent des Prozessenergiebedarfs wird im Prozess recycelt“, so Dirkes weiter. Das Verfahren sei effektiver als die übliche Wasserstoffproduktion durch Wasserelektrolyse.

Landrat sichert Unterstützung zu

„Als Landkreis haben Sie, im Rahmen unserer Wasserstoffstrategie, unsere Unterstützung“, so Landrat Roger Lewandowski, der während seines Vor-Ort-Besuchs im Industriepark Premnitz (IPP) immer wieder technische Details zum Verfahren sowie zur ökonomischen Umsetzung nachfragte. Insgesamt plant die Neue Energien Premnitz GmbH die Investition von rund 80 Millionen Euro.

Jährlich 7500 hochreiner Wasserstoff

In der ersten Produktionsphase sollen 48 Arbeitsplätze entstehen und jährlich 7.500 hochreiner Wasserstoff produziert werden. Bereits 2019 kauften die Gesellschafter eine etwa zwölf Hektar große Fläche im Industriepark (vormals Viskose-Fabrik). Aktuell wird das Genehmigungsverfahren durch das Unternehmen vorbereitet. Erste Verlautbarungen zum Vorhaben hatte es 2020 gegeben.

Teil eines Wasserstoff-Zentrums

Ehrerseits erklärte die Stadt Premnitz im Januar dieses Jahres ihre Absicht, Partnerorganisation eines Technologie- und Innovationszentrums Berlin-Brandenburg sein zu wollen (Wasserstoff-Zentrum). Zwischenzeitlich ist die „Stadt voller Energie“, so nennt sich Premnitz, als sogenannte Multiplikatorin Teil der Konzeptskizze des bundesweiten Wettbewerbs.
Daneben erklärte auch die Neue Energien Premnitz GmbH, sie wolle als Praxispartner der Wasserstoffinitiative beitreten. Im April 2021 hatte sich der Bundesbeauftragte für Wasserstofftechnologie, Dr. Stefan Kaufmann (Bundesministerium für Bildung und Forschung), über den Projektstand vor Ort informiert.