Landtagswahl 2024 Brandenburg
: Warum André Schaller Gegenwind aus den eigenen Reihen bekommt

Seit 2019 sitzt André Schaller aus Woltersdorf für die CDU im Brandenburger Landtag. Warum ihm bei der Landtagswahl 2024 Unterstützung aus den eigenen Reihen fehlt.
Von
Victoria Schloder
Woltersdorf
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Bezeichnet sich selbst als Kommunalpolitik-Nerd: André Schaller tritt bei der Landtagswahl 2024 in Brandenburg für die CDU im Wahlkreis 31 an.

Bezeichnet sich selbst als Kommunalpolitik-Nerd: André Schaller aus Woltersdorf tritt bei der Landtagswahl 2024 in Brandenburg für die CDU im Wahlkreis 31 an.

Christine Langer

André Schaller kommt an einem sehr heißen Junitag auf seinem E-Roller angeflitzt und bestellt sich vor dem Gespräch beim Bäcker ein Ochsenauge. Wer es nicht kennt: Das ist ein Gebäck mit Marmelade. „Ich liebe diese Dinger, das ist so ein Kindheitsding“, erklärt der 50-jährige Vater einer Patchworkfamilie.

Seit er 24 Jahre alt ist, engagiert er sich in der Kommunalpolitik — und das mit Leib und Seele. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht, auch wenn der CDU-Mann bei dieser Landtagswahl am 22. September, bei der er im Wahlkreis 31 als Direktkandidat antritt, Gegenwind aus den eigenen Reihen bekommt.

André Schaller – mit 29 Jahren Bürgermeister von Rüdersdorf

Seinen „aha“-Moment, wie er sagt, hatte André Schaller bei einer Gemeindevertreterversammlung in Rüdersdorf 1997. Damals wurde über die Schaffung von Erdgaskavernen diskutiert. Die Stimmung im Kulturhaus war aufgeheizt, es war ungewöhnlich voll, es wurde gebuht und dazwischen gerufen —und mittendrin der junge André Schaller. Nach der Versammlung war für ihn klar: „Ich will da mit machen!“

Der damalige Jurastudent entschied sich für die Rüdersdorfer CDU. Ein halbes Jahr später platzierte ihn der Ortsverband auf der Liste zur Kommunalwahl, „André, wir brauchen jetzt mal nen jungen und du kommst auf die Liste“, hieß es. Fünf Jahre später zog der immer noch junge Politiker mit 29 Jahren als Bürgermeister ins Rüdersdorfer Rathaus ein.

Ob er zu jung war für diese Aufgabe? „Ja“, sagt der 50-Jährige heute. So jung nicht nur Bürgermeister, sondern auch Chef von 150 Mitarbeitern und Verwalter eines Millionenhaushaltes zu sein, das berge viele Fettnäpfchen. Einige habe er mitgenommen. Dennoch würde er sich wünschen, dass mehr junge Menschen den Schritt in die Kommunalpolitik wagten oder ein Ehrenamt bekleideten.

Politische Diskussionen am Abendbrottisch mit Mandy Schaller

Seine Frau Mandy Schaller, ebenfalls Mitglied der CDU, ist bei der Kommunalwahl am 9. Juni auch in die Gemeindevertretung Woltersdorf gewählt worden. Die Frage, ob am Abendbrottisch über Politik diskutiert wird und es auch mal hitzig zugeht, bejaht der Patchwork-Vater von sechs Kindern. Es sei oft eine Gratwanderung, die Beziehung und die politische Zusammenarbeit unter einen Hut zu bekommen.

Er sei öfter zu Kompromissen bereit, seine Frau fahre, wenn sie erst mal eine Linie hat, geradeaus weiter. „Typisch Unternehmerin“, sagt Schaller lachend. Die Zusammenarbeit in der Gemeindevertretung Woltersdorf betrachtet er nicht als problematisch. „Ich fände es unfair, wenn nicht zwei Menschen aus einer Familie gemeinsam Politik machen dürften.“

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Kritik am CDU Landesvorsitzenden Jan Redmann

Seinen Listenplatz für die kommende Landtagswahl erfuhr André Schaller bei der Delegiertenkonferenz im Dezember 2023 —begeistert war er nicht. Platz 25 von 45 warf bei ihm die Frage auf, ob er überhaupt noch als Team-Mitglied erwünscht sei.

Der Union Fan hatte es kommen sehen, wie er selbst sagt, hätte sich aber eine klarere Kommunikation von Jan Redmann gewünscht. Stattdessen sei der CDU-Landesvorsitzende insgesamt drei Mal auf ihn zugekommen und habe ihm den Posten des Vizepräsidenten des Landesrechnungshofes angeboten.

Einen der bestbezahlten Beamtenposten des Landes, aber Schaller habe abgelehnt. „Ich möchte Politik machen“, sagt er. „Das war auch ne menschliche Enttäuschung vom Landesvorsitzenden. Von einer Führungsperson erwarte ich, dass sie mich in ihr Zimmer holt und sagt: André, du bist aus dem Team raus.“

Wünscht sich wieder mehr lebhafte Diskussionen - André Schaller kandidiert am 22. September zum zweiten Mal für den Brandenburger Landtag.

Wünscht sich wieder mehr lebhafte Diskussionen - André Schaller kandidiert am 22. September zum zweiten Mal für den Brandenburger Landtag.

Christine Langer

Auf schriftliche Nachfrage zu dieser mangelnden Kommunikation, antwortet Monika Larch, Pressesprecherin der CDU Brandenburg: „Die Vorlage für die Landesliste wurde im Landesvorstand einstimmig als Vorschlag für den Landesausschuss verabschiedet.

Im Rahmen eines demokratischen Verfahrens wurde sie dann durch die Delegierten des Landesausschusses beschlossen. Eine Kandidatur von Bewerbern abweichend zum Vorschlag ist nicht erfolgt. Im Übrigen haben ausweislich aktueller Umfragen alle CDU-Kandidaten gute Chancen, ihre Wahlkreise direkt zu gewinnen, sodass die Listenplatzierung nachrangig ist.“

Außenseiter-Chance im Wahlkreis 31?

Schaller ist jedenfalls sportlich ehrgeizig genug, um es zu versuchen. Für diese Wahl tritt er im Wahlkreis 31, einer SPD-Hochburg, an. Der Wahlkreis umfasst die Gemeinden Hoppegarten, Neuenhagen, Erkner, Schöneiche und Woltersdorf.

Er habe den Wahlkreis gewechselt, weil es sich für ihn gerade richtig anfühle. 2019 trat er als scheidender Rüdersdorfer Bürgermeister noch für den Wahlkreis 32 (Strausberg, Petershagen/Eggersdorf, Rüdersdorf) an. Mittlerweile befindet sich sein Lebensmittelpunkt in Woltersdorf.

Hier ist er neuer Vorsitzender der Gemeindevertretung und sitzt auch für Woltersdorf, Erkner und Schöneiche im Kreistag. Für die Landtagswahl 2024 hofft er auf eine Außenseiter-Chance. „Am Ende passieren im Leben oft Dinge, die man gar nicht erwartet“, sagt der Kommunalpolitik-Nerd, wie er sich selbst bezeichnet.

Kandidierende für den Wahlkreis 31

Der Wahlkreis 31 umfasst die Gemeinden Hoppegarten, Neuenhagen, Erkner, Schöneiche und Woltersdorf.

Die Wahl findet am 22. September statt.

Neben André Schaller (CDU) kandidieren auch Faina Dombrowski (Bündnis 90/die Grünen), Laura Jasmin Iden (FDP), Jörg Vogelsänger (SPD), Fritz Viertel (Linke), Rainer Galla (AfD), Rico Obenauf (BVB Freie Wähler) und Thomas Löb (ÖDP).

Ziele für die nächste Legislaturperiode im Brandenburger Landtag

Vor allem drei Themen hat sich Schaller auf die Fahnen geschrieben. Zum einen brauche es umfangreiche Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, mit besonderem Blick auf die Schiene. Auch die Infrastruktur im Bildungsbereich will er angehen – dazu mehr Plätze an Kitas und Schulen.

Als Drittes möchte er den Umgang mit Trinkwasser hinterfragen. Die Lösung des Wassersparens dürfe nicht darin liegen, dass die Ansiedlung von zum Beispiel sozialer Infrastruktur wie Schulen verhindert werde. Auch die Diskussionen um den Elektroautobauer Tesla in Grünheide halte er für unausgewogen.

Tesla verbrauche weniger Wasser als andere Industrien in Brandenburg und habe eine eigene Wasseraufbereitung. „Dass Tesla der Blitzableiter für alle Dinge ist, das finde ich nicht richtig.“ Er begrüße aber die Diskussionen, die durch die Ansiedlung Teslas entstanden sind.

Grundsätzlich wünsche er sich wieder eine offenere und auch mal hitzigere Diskussionskultur im Brandenburger Landtag. Ob er diese anregen und bereichern kann, wird sich nach der Wahl am 22. September zeigen.