DDR-Staatssymbole
: Wie ein Land im Container landete

DDR-Symbole und Embleme wurden nach 1990 massenhaft entsorgt. Auch in Berlin. Einiges wurde an Touristen verscherbelt oder in Kellern deponiert. Manches kommt jetzt wieder zutage.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Sonderausstellung im DDR Museum: 20.03.2026, Berlin: Das DDR Museum zeigt die Sonderausstellung „Ein Land im Container - Die Entsorgung der DDR-Staatssymbole“ vom 25. März 2026 bis 15. November 2026. Mit Objekten aus der Sammlung des Museums wird dargestellt, wohin DDR-Wappen und Orden nach der Wende verschwanden. Foto: Jens Kalaene/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

„Ein Land im Container - Die Entsorgung der DDR-Staatssymbole“: Auch Erich Honecker und Lenin mussten 1990 schnell aus dem Blickfeld verschwinden. Einige Devotionalien haben aber überlebt.

Jens Kalaene/dpa
  • Sonderausstellung im DDR Museum zeigt die Entsorgung von DDR-Staatssymbolen nach dem Mauerfall.
  • Nach 1990 verschwanden Embleme, Fahnen und Traditionskabinette – vieles landete im Müll.
  • Exponate: Honecker-Wandbild, FDJ-Wimpel, Grenz-Schilder, Pieck-Büste und DDR-Orden.
  • Ein Korn aus dem Ährenkranz des Staatswappens stammt aus dem Palast der Republik-Keller.
  • Ausstellung „Ein Land im Container“ läuft bis 15. November 2026, täglich 9–21 Uhr, Eintritt ab 8 Euro.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach dem Ende der DDR fiel in Ostdeutschland im Jahre 1990 plötzlich dreimal so viel Müll an wie in den alten Bundesländern. Das hatte nicht nur mit dem neuen Konsumverhalten der DDR-Bürger zu tun. Es ging auch darum, ideologisch auszumisten.

Welche DDR-Symbole dabei besonders schnell entsorgt wurden, zeigt eine neue Sonderausstellung im DDR-Museum in Berlin-Mitte. Die Historiker haben dafür einen Sperrmüll-Container nachgebaut, wie er Anfang 1990 vor vielen Institutionen stand. Denn in den Wochen und Monaten nach dem Mauerfall wurden nicht nur die DDR-Embleme von den Fassaden abgeschlagen, sondern unter anderem auch die Traditionskabinette aufgelöst.

Das waren Ausstellungsräume in Betrieben, Schulen und Wohngebieten, in denen die SED-Führung zum Beispiel die Geschichte der Arbeiterbezirke beleuchtete und nebenbei über Wandzeitungen in Kombination mit Ausstellungsstücken ihre politische Ideologie pflegte.

DDR-Fahnen zerschnitten

„Es gab rund 7000 solcher Kabinette in der DDR, mehr als Museen“, erklärt Sören Marotz, Ausstellungsleiter im DDR-Museum. Heute seien sie kaum dokumentiert, bedauert der Historiker.

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Orden und Abzeichen wurden in der DDR in vielen Bereichen vergeben. Nach der Wende wurden viele entsorgt oder landeten im DDR-Museum in Berlin.

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Dafür sind viele Devotionalien erhalten geblieben und nun wieder in der Vitrine des Museums an der Karl-Liebknecht-Straße zu sehen. Im Ausstellungs-Container findet sich neben einem Honecker-Wandbild, FDJ-Wimpeln und Grenz-Schildern auch eine Büste von Wilhelm Pieck (1876–1960), erster und einziger Präsident der Deutschen Demokratischen Republik.

Die kommunistischen Klassiker im Miniaturformat standen auch vereinzelt in heimischen Wohnzimmern oder auf Büroschreibtischen. Auch die DDR-Fahnen, die zum 1. Mai sowie zum Republikgeburtstag am 7. Oktober in vielen Fenstern gehangen hatten, wurden von einem Tag auf den anderen zum ideologischen Ballast.

Sie landeten oft gleich bündelweise im Müll. „Manche Besitzer schnitten einfach das DDR-Emblem heraus und behielten den schwarz-rot-goldenen Rest als Ausdruck eines neuen Wir-Gefühls für ein geeintes Deutschland“, erklärt Liza Soutschek, wissenschaftliche Mitarbeiterin des DDR-Museums.

DDR-Orden und Geldprämien

Den Umbruch 1990 sah man nicht nur im Straßenbild, sondern auch an den plötzlich leeren Revers. Denn Orden und Abzeichen waren in der DDR in Hülle und Fülle verliehen worden. Eine große Plexiglasbox präsentiert ein Sammelsurium meist goldener und kupferfarbener Anstecker aus vier Jahrzehnten DDR. Viele der Bandschnallen, Medaillen und Abzeichen wurden von Angehörigen der Nationalen Volksarmee, Stasi-Mitarbeitern und Funktionären an der Uniform getragen.

Doch auch die „einfachen Arbeiter“ wurden für ihre Verdienste für die DDR-Volkswirtschaft inflationär gewürdigt. Vom Orden „Aktivist der sozialistischen Arbeit“ über die Medaille „Hervorragender Genossenschaftler“ bis zur Auszeichnung „Großer Stern der Völkerfreundschaft“ gab es kaum Bereiche, in denen nicht geehrt wurde.

Und auch wenn die Orden teils spöttisch „Ordensblech“ hießen, sollte man den materiellen Wert nicht unterschätzen. „Manchmal gab es Geldprämien von mehreren Tausend Euro dazu“, erzählt Marotz.

DDR-Orden als Ramschware

Während viele der Geehrten nach dem Mauerfall die Abzeichen gar nicht schnell genug ablegen konnten, sahen andere mit einem weinenden Auge, wie das Ordensblech am Straßenrand zu Ramschware für Touristen wurde.

Ähnliches gilt für Devotionalien im Stadtbild. Manches Relikt sei bei den Abrissarbeiten von Bauarbeitern gesichert und privat irgendwo eingelagert worden, berichtet Marotz. So war es auch mit dem originalen Korn aus dem Ährenkranz des vier Meter hohen Staatswappens mit Hammer und Zirkel, das viele Jahre an der Fassade des heute abgerissenen Palastes der Republik prangte.

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Büsten von kommunistischen Führern und Denkern standen zu DDR-Zeiten teilweise in Wohnzimmern und Büros.

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Das handgroße Aluminium-Teil, das nun ausgestellt ist, lag lange im Keller von Dieter Bankert, einem der Architekten des Palastes. Bei einer „Abrissparty“ hatte er es einst als persönliches Erinnerungsstück gesichert und erst vor kurzem Marotz übergeben.

Marotz kennt den Palast der Republik noch aus Kinder- und Jugendtagen. „Ich war mehrfach drin, kann mich aber komischerweise kaum noch an das inhaltliche Programm erinnern“, gesteht der 53-jährige gebürtige Ost-Berliner. Viel einprägsamer sei für ihn die schillernde Fassade des DDR-Vorzeigebaus gewesen, die noch weit über ein Jahrzehnt nach dem Mauerfall in der Stadtmitte zu sehen gewesen sei.

DDR erzählt in Objekten

Ob ost- oder west-sozialisiert, mit der Ausstellung will Marotz die Frage aufwerfen: „Was verrät der Umgang mit den Symbolen eines vergangenen Staates über unsere Erinnerungskultur?“ „Alleine darüber zu reden, ist Teil der Geschichtsaufarbeitung.“

Die Ausstellung ist im Rahmen der Buch-Reihe „DDR in Objekten“ entstanden. Der dritte und letzte 400-seitige Band mit über 1000 farbigen Fotografien, der im April im museumseigenen Verlag erscheint, widmet sich zentralen gesellschaftlichen Bereichen der DDR wie Ideologie, politische Macht, Wirtschaft, Landwirtschaft, Bildung, Kommunikation und Gesundheitswesen.

Viele Objekte sind live in der Dauerausstellung des DDR-Museums zu sehen. Als Sammler hat Marotz registriert, wie Relikte aus der DDR wieder präsenter würden, auch als Identitätsanker. „Ob im Museum oder auch vor Ort“, sagt der Berliner und zeigt auf das Straßenschild „Leninallee“ im Schaukasten. An der Straße, die nach der Wende in Landsberger Allee zurückbenannt wurde, befindet sich das ehemalige DDR-Spaßbad SEZ, gegen dessen geplanten Abriss heute lautstark protestiert wird.

Ausstellung und Museum

„Ein Land im Container – Die Entsorgung der DDR-Staatssymbole“ ist bis 15. November 2026 im DDR Museum an der Karl-Liebknecht-Straße 1 in Berlin-Mitte zu sehen.

Geöffnet ist das Museum montags bis sonntags, jeweils von 9 bis 21 Uhr. Eintritt kostet regulär 13,50 Euro, ermäßigt 8. Euro. Kinder unter sechs Jahren zahlen nichts.