OB-Wahl 2025 in Potsdam
: Das sind die bisherigen Kandidaten

Schulden, Streit und Korruption – in der Brandenburger Landeshauptstadt Potsdam herrscht Unruhe. Dort wird ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Viele Parteien tun sich mit der Kandidatensuche schwer.
Von
Mathias Hausding
Potsdam
Jetzt in der App anhören
Willo Göpel, Noosha Aubel, Chaled-Uwe Said und Severin Fischer (v. l.) - die bisherigen Kandidaten für die OB-Wahl in Potsdam am 21. September 2025

Die Weltkulturerbe-Stadt Potsdam wählt einen neuen Oberbürgermeister: Es kandidieren Willo Göpel, Noosha Aubel, Chaled-Uwe Said und Severin Fischer (v. l.)

Kathleen Friedrich, Soeren Stache, Hendrik Hartung, Michael Bahlo Collage: Jörn Sandner
  • Potsdam wählt am 21. September 2025 einen neuen Oberbürgermeister nach Abwahl von Mike Schubert.
  • Parteien wie SPD, CDU, Grüne und Linke hatten Schwierigkeiten, Kandidaten zu finden.
  • Kandidaten: Chaled-Uwe Said (AfD), Noosha Aubel (parteilos), Severin Fischer (SPD), Willo Göpel (CDU).
  • Herausforderungen: Korruptionsvorwürfe, Haushaltsprobleme, politischer Streit im Stadtparlament.
  • Themen: Bildung, bezahlbares Wohnen, gesellschaftliche Teilhabe, funktionierende Verwaltung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Spätestens seit dem 25. Mai 2025 ist klar, dass Potsdam einen neuen Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin braucht. Schon vor der erfolgreichen Abwahl von SPD-Rathauschef Mike Schubert hätten die Parteien im eigenen Lager Ausschau nach geeigneten Leuten halten können. Doch offenbar gilt der Chef-Posten in Brandenburgs Landeshauptstadt als nicht besonders attraktiv.

Mit SPD, CDU, Grünen und Linken taten sich Parteien mit in der Stadt jeweils großem Wählerpotenzial sehr schwer, geeignete Personen zu finden. Die Grünen haben die Kandidatensuche schließlich erfolglos abgebrochen, die in Potsdam traditionell starken Linken grübeln immer noch. Man führe Gespräche mit potenziellen Kandidaten, hieß es am Dienstag (1. Juli) vom örtlichen Parteivorstand. Eine Entscheidung, auch ob man überhaupt einen eigenen Kandidaten ins Rennen schickt, soll spätestens bei der Mitgliederversammlung der Linken am 12. Juli fallen.

Abwahl von Mike Schubert sorgt für Unruhe und neue OB-Wahl 2025 in Potsdam

Bis zum 17. Juli müssen die Bewerbungen beim Wahlleiter eingereicht werden. Am 21. September wird in der 190.000-Einwohner-Stadt ein neuer Rathauschef gewählt. Der Urnengang ist nötig, weil Mike Schubert wegen Kritik an seinem Führungsstil und einer Korruptionsaffäre von den Bürgerinnen und Bürgern abgewählt wurde. Gegen die Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 34.000 Euro hatte die Staatsanwaltschaft Neuruppin das Verfahren wegen Vorteilsannahme in Zusammenhang mit VIP-Tickets eingestellt.

Erfolgreiches Regieren in Potsdam gilt als schwierig. Die Stadtverordnetenversammlung ist seit längerem für Streit und heftige Kontroversen bekannt. Seit der Kommunalwahl 2024 sitzen dort Vertreter von zwölf verschiedenen Parteien und Gruppierungen. Eine rekordverdächtige Zahl, die die Mehrheitsfindung erschwert. Dazu kommen akute Haushaltsprobleme. 2025 und 2026 sind in Potsdam jeweils rund 30 Millionen Euro an neuen Schulden nötig, um die Ausgaben zu decken.

Die AfD war Mitte Juni die erste Partei, die mit ihrem SVV-Fraktionschef Chaled-Uwe Said einen Kandidaten für die OB-Wahl benannt hat. Said wurde 1974 in Dresden geboren. Der Verwaltungswissenschaftler lebt seit 1998 in Potsdam. Im beginnenden Wahlkampf setzt er auf bekannte AfD-Slogan: „Mit mir wird es keine Wohnungen mehr für illegale Migranten geben“, sagt er. Es wäre schon eine enorme Überraschung, wenn Said es in die Stichwahl schaffen würde. Bei der Bundestagswahl im Februar kam die AfD in Potsdam auf 16,9 Prozent der Zweitstimmen.

Größere Beachtung in der Stadt gab es wenige Tage später für die Bewerbung einer potenziellen Rückkehrerin. Die 49 Jahre alte Noosha Aubel, in Hannover geboren, war von 2017 bis 2023 Beigeordnete für Bildung und Kultur in Potsdam. Streit mit OB Schubert galt seinerzeit als Hauptgrund für ihren vorzeitigen Abgang, der in der Stadt von vielen Seiten bedauert wurde. Sie nahm einen Job als Stadträtin und Bildungsdezernentin in Flensburg an.

Noosha Aubel will aus Flensburg zurück nach Potsdam

Den dortigen Kollegen teilte sie nun mit, dass sie in ihrer alten Heimat für den OB-Posten kandidieren wolle. „Diese Chance ist zu einmalig, als dass ich sie ungenutzt vorbeiziehen lassen kann“, schrieb sie in einer Mail. Als parteilose Kandidatin hat sie in Potsdam die Unterstützung der Fraktion „Die Andere“ und die der Grünen.

Unter anderem via Instagram macht Noosha Aubel bereits intensiv Wahlkampf. Sie bringe 20 Jahre Verwaltungserfahrung mit und habe Führungsstärke bewiesen. Als Stadtoberhaupt wolle sie sich für hochwertige Bildung, bezahlbares Wohnen und umfassende gesellschaftliche Teilhabe einsetzen.

Noch ganz frisch ist die Kandidatur von Severin Fischer (SPD). Sein Name geisterte bereits seit Tagen durch die Stadt, begleitet von eher skeptischen Reaktionen, da er bislang keinen Potsdam-Bezug hat. Doch nun ist es offiziell. Der derzeitige Staatssekretär von SPD-Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey in Berlin geht in Potsdam ins Rennen. Der 41-jährige Politologe sieht sich als Brückenbauer mit einem ausgleichenden Charakter. Fehlendes Wissen über Potsdam wolle er sich jetzt schnell aneignen, sagt Fischer.

Das hat Willo Göpel nicht nötig. Als Chef der CDU-Stadtfraktion kennt der 62-Jährige Potsdam. Anlässlich seiner offiziellen Nominierung am 26. Juni positionierte sich der Projektentwickler als „klare bürgerliche Alternative“ zu mehreren „dezidiert politisch linken Bewerbern“. Gleichwohl wolle er „die Politik der weitsichtigen Oberbürgermeister Platzeck und Jakobs fortsetzen“, wozu die SPD selbst offenkundig nicht in der Lage sei. Sein Hauptziel sei, „dass Potsdam wieder funktioniert“.