Stau in Berlin
: Ampeln mit KI und Google-Daten sollen Grüne Welle bringen

Smarte Ampeln könnten auf den Pendler-Straßen in Berlin für weniger Stau sorgen. Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg wollen dazu KI von Google nutzen.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Dicht an dicht stehen Fahrzeuge auf der Landsberger Allee, weil Aktivisten der Gruppierung Letzte Generation eine Kreuzung blockiert haben. (zu dpa: «Bauarbeiten in Landsberger Allee bis 2029») +++ dpa-Bildfunk +++

Dicht an dicht stehen Fahrzeuge auf der Landsberger Allee in Berlin im Stau. Die Ausfallstraße wird auch von vielen Pendler aus Brandenburg genutzt.

dpa/Paul Zinken
  • Berlin prüft KI-Ampeln mit Google „Green Light“ für bessere Grüne Wellen.
  • Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf treiben Pilotprojekt entlang B1/B5, Landsberger Allee.
  • SPD: weniger Stop-and-Go, kostenneutral, keine neuen Anlagen nötig.
  • CDU: Senat entscheidet; bezirksübergreifend sinnvoll, ÖPNV und Sicherheit prüfen.
  • Google: seit 2021 in 12 Städten, >70 Kreuzungen; teils 30% weniger Stopps, 10% weniger CO2.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ob Landsberger Allee, Rhinstraße oder Frankfurter Allee, zu gewissen Zeiten staut es sich immer an den großen Kreuzungen der Ausfallstraßen im Nordosten von Berlin. Mit Künstlicher Intelligenz (KI) an Ampelschaltungen könnte man ohne großen Aufwand und ohne große Kosten künftig für einen besseren Verkehrsfluss sorgen, glaubt die SPD-Fraktion Lichtenberg.

Die Kommunalpolitiker beantragten in der Bezirksverordnetenversammlung im Januar, dass Berlin offizieller Partner des Projekts „Google Green Light“ wird.

Bei diesem sollen Verkehrsdaten von Google Maps dabei helfen, den Verkehrsfluss auf stark belasteten Hauptverkehrsstraßen intelligenter zu steuern, Staus zu reduzieren und Emissionen zu senken.

KI soll Ampelschaltungen verbessern

„Weniger Stop-and-Go bedeutet weniger Lärm, weniger Abgase und mehr Lebensqualität für die Anwohnerinnen und Anwohner, ohne dass der Bezirkshaushalt belastet wird“, erklärt Kevin Einenkel, Fraktionsvorsitzender der SPD Lichtenberg.

Denn das Projekt „Green Light“ nutzte schon vorhandene Verkehrsdaten, um Ampelschaltungen zu verbessern – ohne zusätzliche bauliche Maßnahmen oder neue Technik an den Kreuzungen. „Die Umsetzung erfolgt kostenneutral und liefert lediglich datenbasierte Empfehlungen für bestehende Steuerungssysteme“, erklärt Einenkel.

In Frage kämen für das Projekt besonders die chronisch überlasteten Knoten an der Landsberger Allee – insbesondere die Kreuzungen mit dem Weißenseer Weg und der Rhinstraße – sowie die Frankfurter Allee/Möllendorffstraße. Aktuell berät der zuständige Fachausschuss den Antrag, der in den kommenden Wochen in der Bezirksverordnetenversammlung zur Abstimmung gestellt wird.

Im Nachbarbezirk Hellersdorf ist man sogar schon einen Schritt weiter. „Wir haben bereits im Oktober 2025 einen entsprechenden Antrag in die BVV eingebracht, die ihn dann im November beschlossen hat“, freut sich Maximilian Schröder, Vorsitzender der CDU-Fraktion in Marzahn-Hellersdorf.

Zwei Bezirke wollen smarte Ampeln

Doch weil Ampelanlagen in Berlin in den Verantwortungsbereich des Landes fallen, liegt die Entscheidung über mögliche Pilotprojekte beim Senat. „Derzeit steht das Bezirksamt mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt im Kontakt, um den Vorschlag zu prüfen“, berichtet Schröder.

Ein Konkurrenzkampf der beiden Ostberliner Bezirke um das Pilotprojekt in Berlin entsteht aber nicht. Im Gegenteil: „Dass sich inzwischen auch ein Nachbarbezirk mit der Idee beschäftigt, begrüßen wir“, betont Schröder.

„Viele der besonders belasteten Kreuzungen liegen auf Hauptverkehrsachsen, die über Bezirksgrenzen hinweg verlaufen“, erklärt der CDU-Politiker. Gerade bei wichtigen Ausfallstraßen nach Brandenburg könne eine bezirksübergreifende Betrachtung helfen und den Verkehrsfluss verbessern.

Das Pilotprojekt könnte daher auch mehrere Bezirke entlang einer wichtigen Verkehrsachse umfassen, etwa entlang der B1/B5 oder der Landsberger Allee. „Gerade dort könnte eine abgestimmte Optimierung der Ampelschaltungen ein Baustein sein, um den Alltag für Pendler, Anwohner und Unternehmen spürbar zu verbessern und den Verkehr in einer wachsenden Stadt effizienter zu organisieren“, findet Schröder.

KI-Projekt schon in zwölf Städten

Laut Google ist das Projekt „Green Light“ seit 2021 an über 70 Kreuzungen in zwölf Städten weltweit zum Einsatz gekommen. Darunter in Hamburg. „Darüber hinaus hat Google aktuell für Deutschland nichts anzukündigen“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens.

Laut Unternehmen habe man anderswo die Anzahl der notwendigen Stopps schon um mehr als 30 Prozent senken können. Das soll den damit verbundenen CO2-Ausstoß um 10 Prozent reduziert haben.

Das KI-System nutzt dabei zig Verkehrs- und Bewegungsdaten, die Google Maps kostenlos zur Verfügung stellt, entwickelt daraus Modelle für einzelne Kreuzungen und schlägt angepasste Signalzeiten oder eine bessere Koordination mehrerer Ampeln vor.

Die Empfehlungen könnten Ingenieure laut Google in weniger als fünf Minuten in die bestehenden Ampelsysteme einspeisen. „In der Praxis müssen die Vorschläge jedoch zunächst fachlich geprüft werden, etwa im Hinblick auf Verkehrssicherheit, Fußverkehr oder den öffentlichen Nahverkehr“, betont Schröder.

Tram soll an KI-Ampeln Vorrang haben

Apropos öffentlicher Nahverkehr: Ein zentraler Punkt des SPD-Antrags in Lichtenberg ist die uneingeschränkte Beibehaltung der Vorrangschaltung für den öffentlichen Personennahverkehr, insbesondere für die Straßenbahn. „Die KI-gestützte Optimierung soll ausschließlich in den Zeitfenstern greifen, in denen der ÖPNV die Kreuzungen nicht beansprucht“, heißt es von der Fraktion.

„Für uns ist klar, dass intelligente Verkehrssteuerung den ÖPNV nicht ausbremsen darf, sondern ihn ergänzen muss“, betont die verkehrspolitische Sprecherin der SPD Jutta Feige. „Gerade auf Lichtenbergs langen, geraden Hauptstraßen könnten ,Grüne Wellen‘ sinnvoll berechnet werden, sodass Straßenbahn, Busse und der übrige Verkehr besser miteinander harmonieren.“

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