Union Berlin
: „Nichtleistung“ – Kritik von Fischer nach Niederlage gegen Hoffenheim

Union Berlin ist zurück im Bundesliga-Alltag und kassiert gegen die TSG Hoffenheim die vierte Niederlage in Serie. Den ersten Rückschlag gibt es vor dem Anpfiff. Und ein Ex-Cottbuser trifft für Hoffenheim.
Von
Frank Noack
Berlin
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  • In dieser Szene liefern sich Sheraldo Becker (Mitte) von Union Berlin und der Hoffenheimer Robert Skov einen Ringkampf um den Ball.

    In dieser Szene liefern sich Sheraldo Becker (Mitte) von Union Berlin und der Hoffenheimer Robert Skov einen Ringkampf um den Ball.

    Andreas Gora/dpa
  • Der frühere Cottbuser Maximilian Beier (Mitte) erzielt das 2:0 für die TSG Hoffenheim gegen Union Berlin.

    Der frühere Cottbuser Maximilian Beier (Mitte) erzielt das 2:0 für die TSG Hoffenheim gegen Union Berlin.

    Matthias Koch
  • Union-Trainer Urs Fischer war mit der Leistung seiner Mannschaft gegen Hoffenheim überhaupt nicht zufrieden.

    Union-Trainer Urs Fischer war mit der Leistung seiner Mannschaft gegen Hoffenheim überhaupt nicht zufrieden.

    Andreas Gora/dpa
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Nationalspieler Robin Gosens schien das Ungemach schon nach einer halben Stunde zu ahnen und schüttelte ratlos den Kopf. Gosens erlebte mit dem 1. FC Union Berlin eine schmerzhafte Landung im Alltag: Drei Tage nach der Premiere in der Champions League bei Real Madrid kassierten die Eisernen mit dem 0:2 (0:2) gegen die TSG Hoffenheim in der Fußball-Bundesliga die nächste Niederlage. Die Köpenicker haben nach fünf Spieltagen erst sechs Punkte auf dem Konto und rutschen auf Tabellenplatz neun ab.

Für die Mannschaft von Trainer Urs Fischer war es die vierte Pflichtspiel-Niederlage in Folge. Eine solche Niederlagenserie gab es unter Fischer erst zweimal: jeweils im ersten Bundesliga-Jahr 2019/20. Die anschließende Kritik von Urs Fischer fiel so deftig aus wie schon lange nicht mehr. „In der ersten Halbzeit hatten wir keine Basics, das war eine Nichtleistung. Deshalb war ich in der Pause laut in der Kabine. In der zweiten Halbzeit sind wir dann so aufgetreten, wie ich mir das vorstelle“, erklärte der Union-Trainer und bat in der Pressekonferenz um Verständnis: „Viel mehr will ich lieber nicht sagen, ich bin im Moment etwas angefressen.“

Andrej Kramaric hatte die Gäste in der 22. Minute mit einem Foulstrafstoß in Führung geschossen. Vor 21 632 Zuschauern im Stadion An der Alten Försterei erhöhte der Ex-Cottbuser Maximilian Beier auf 2:0 (38.). Den Gastgebern fehlte es vor allem in der ersten Halbzeit erneut an Durchschlagskraft in der Offensive. Sie steigerten sich zwar nach der Pause, gingen aber auch bei ihrem Sturmlauf in Halbzeit zwei leer aus.

Beim 1. FC Union fiel die personelle Rotation nach dem Champions-League-Abend im Bernabeu-Stadion (0:1) letztlich kleiner aus als ursprünglich erwartet – dennoch gab es noch eine kurzfristige Änderung. Alex Kral stand zwar auf dem Spielberichtsbogen in der Startelf. Der Nationalspieler aus Tschechien hatte in Madrid einen Schlag auf das Sprunggelenk bekommen und schon dort große Schmerzen verspürt. Für die Partie gegen Hoffenheim erschien Kral auf dem Rasen zur Erwärmung, musste dann aber kurzfristig passen und wurde durch Branden Aaronson ersetzt. Der in Madrid gesperrte Janik Haberer rückte für Aissa Laidouni ins Team. Die bestenfalls dezente Rotation durch Trainer Fischer machte vor allem eines deutlich: Für Experimente ist angesichts der jüngsten Niederlagenserie derzeit nicht der richtige Zeitpunkt.

Leonardo Bonucci im Mittelpunkt

Leonardo Bonucci kam nach seinem Union-Debüt in Madrid am Samstagnachmittag auch zur Heimspiel-Premiere im Stadion An der Alten Försterei. Der italienische Europameister von 2021 ersetzte in der Abwehr erneut den verletzten Robin Knoche. Laut dem Datenanbieter Opta ist Bonucci mit einem Alter von 36 Jahren und 145 Tagen der älteste Feldspieler seit 21 Jahren, der in der Bundesliga debütiert.

In der ausgeglichenen Startphase kamen die Gastgeber zwar zu einigen kleinen Möglichkeiten, das erste Tor fiel jedoch auf der anderen Seite. Nach einem langen Ball auf Andrej Kramaric kam Leonardo Bonucci zu spät und zupfte den Hoffenheimer an der Schulter. Kramaric trat selbst an und verwandelte sicher. Bonucci war mit der Entscheidung von Schiedsrichter Deniz Aytekin gut bedient: Es gab nur Elfmeter und nicht auch noch Rot gegen den Routinier.

Die Gastgeber prallten immer wieder an der dicht gestaffelten TSG-Abwehr ab. Und sie kassierten kurz vor dem Pausenpfiff einen weiteren Gegentreffer. Im Zentrum lauerte Maximilian Beier und versenkte die Flanke des Ex-Unioners Grischa Prömel zum 2:0 für Hoffenheim (38.). Für den aus Brandenburg an der Havel stammenden und bei Energie Cottbus ausgebildeten Beier war es bereits der vierte Saisontreffer. Kurz danach gab es erneut Aufregung um den 20 Jahre alten Angreifer: Beier kam zwar im Strafraum zu Fall, aber Schiedsrichter Aytekin annullierte nach dem Videobeweis seine Elfmeter-Entscheidung. Es gab lediglich Freistoß außerhalb des Strafraums.

Sturmlauf von Union Berlin

Den Eisernen blieb angesichts des 0:2-Pausenstandes gar nichts anderes übrig, als in der zweiten Halbzeit einen bedingungslosen Sturmlauf zu starten. In der 59. Minute verpasste Kevin Behrens nach der ersten echten Hoffenheimer Unaufmerksamkeit in der Abwehr nur knapp den Anschlusstreffer. Der Sturmlauf produzierte nun eine Chance nach der anderen. Ein Treffer gelang dem 1. FC Union jedoch nicht. Und die Fans? Sie feierten die Mannschaft in den gesamten 90 Minuten so, als hätte sie nicht die vierte Niederlage in Serie, sondern den vierten Sieg geholt. Zumindest ihre Leistung hatte Champions-League-Niveau – über die gesamten 90 Minuten.

1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal

1. FC Union Berlin – die Champions League

  • Mittwoch, 20. September 2023: Real Madrid – 1. FC Union Berlin 1:0 (0:0)
  • 1. FC Union Berlin – SC Braga; Dienstag, 3. Oktober 2023, 18:45 Uhr
  • 1. FC Union Berlin – SSC Neapel; Dienstag, 24. Oktober 2023, 21:00 Uhr
  • SSC Neapel – 1. FC Union Berlin; Mittwoch, 08.11.2023, 18:45 Uhr
  • SC Braga – 1. FC Union Berlin; Mittwoch, 29. November 2023, 21:00 Uhr
  • 1. FC Union Berlin – Real Madrid; Dienstag, 12. Dezember 2023, 21:00 Uhr

Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin

Abgänge beim 1. FC Union Berlin

Sven Michel (32, FC Augsburg)

Paul Seguin (28, FC Schalke 04)

Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)

Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)

Levin Öztunali (27, Hamburger SV)

Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)

Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)

Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)

Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)

Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)

Niko Gießelmann (31, vereinslos)

Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)

Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)

Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)

Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)

Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)

Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)