Union Berlin: Kritik von Ruhnert und Fischer nach Niederlage in Dortmund – „nicht Union-like“

Enttäuschung bei Robin Gosens: Der 1. FC Union Berlin kassiert gegen Borussia Dortmund die siebte Niederlage in Serie.
Sebastian Räppold/Matthias KochDie Niederlagenserie des FC Union Berlin will einfach kein Ende nehmen – und die Kritik wird lauter. Mit dem 2:4 (2:1) bei Borussia Dortmund kassierten die Eisernen aus Köpenick am Samstag bereits die siebte Niederlage in Folge und rutschen in der Tabelle der Fußball-Bundesliga auf Platz 13 ab.
Eine Halbzeit lang spielten die Gäste gut mit, dann wurden sie vom immer stärker werdenden BVB aber erneut bezwungen. Den Dortmunder Treffer durch Niclas Füllkrug bereits nach sieben Minuten glich Union Berlin mit dem 1:1 von Robin Gosens (9.) postwendend aus. In der 31. Minute traf Leonardo Bonucci per Foulelfmeter zur Führung für die Köpenicker. Unmittelbar nach Wiederbeginn brachten Nico Schlotterbeck (2:2, 49.) und Julian Brandt (3:2, 54.) den BVB wieder in Führung. Mit Julian Ryerson erhöhte ein weiterer Ex-Unioner auf 4:2 (71.).
Union-Sportdirektor Oliver Ruhnert kritisierte: „Für mich hat die Mannschaft in der ersten Halbzeit ein ordentliches Spiel gemacht. Was ich nicht verstehe ist, wie wir zur zweiten Halbzeit herausgekommen sind und wie passiv wir geworden sind. Wenn du in Dortmund spielst und du den Eindruck hast, dass Dortmund nicht seinen besten Tag hat und wir uns so zurückziehen – das hat mir logischerweise nicht gefallen.“ Ruhnert fasste enttäuscht zusammen: „Wir kriegen viel zu viele Gegentore, das ist nicht Union-like.“
Die 81 365 Zuschauer im ausverkauften Signal-Iduna-Park erlebten einen denkwürdigen Fußball-Nachmittag mit sechs Toren, zusätzlich zwei Abseitstreffern und insgesamt drei Entscheidungen des Video-Assistenten.

Das erlebt auch ein erfahrener Schiedsrichter wie Patrick Ittrich nicht alle Tage: Innerhalb von zwölf Minuten wurden gleich drei Situationen durch den Video-Assisten überprüft.
Bernd Thissen/dpa„Wie viele Schläge kann man einstecken?“ Diese Frage hatte Union-Trainer Urs Fischer nach dem erneuten Last-Minute-K.o. am Dienstag in der Champions League gegen Sporting Braga in die Runde geworfen. Fischer beorderte Kapitän Christopher Trimmel diesmal in die Startelf. Josip Juranovic stand aufgrund einer leichten Blessur aus dem Braga-Spiel nicht im Kader. Außerdem rückte Aissa Laidouni anstelle von Lucas Tousart ins Team.

Union-Kapitän Christopher Trimmel (links, im Duell mit Dortmunds Jamie Bynoe-Gittens) durfte diesmal von Anfang ran.
Bernd Thissen/dpaDie Mannschaft beantwortete die rhetorische Frage ihres Trainers vor der stimmgewaltigen Kulisse in der Dortmunder Signal-Iduna-Arena mit einer beherzten und vor allem turbulenten Startphase. Die Gastgeber gingen zwar durch Niclas Füllkrug in Führung (1:0, 7. Minute). Aber beinahe mit dem Gegenangriff kamen die Köpenicker zum 1:1-Ausgleich durch einen Kopfball von Robin Gosens (9.). Danach wurde es kurios: Denn auf beiden Seiten wurden die Treffer von Alex Kral (18.) und Niclas Füllkrug (27.) jeweils wegen Abseits nach ausgiebigem Studium durch den Video-Assistenten wieder aberkannt. Und auch die Elfmeter-Entscheidung nach einer Attacke von Mats Hummels gegen Sheraldo Becker fiel erst nach Video-Entscheid. Innerhalb von zwölf Minuten wurden also gleich drei Situationen überprüft. Leonardo Bonucci erzielte vom Punkt sein erstes Bundesliga-Tor (31.).

Leonardo Bonucci (Mitte) von Union Berlin erzielte gegen Borussia Dortmund vom Elfmeterpunkt seinen ersten Bundesliga-Treffer.
Bernd Thissen/dpaAlex Kral erneut verletzt
Für Kral war die Partie nach seinem Abseitstor bereits beendet – offenbar machte das zuletzt lädierte Sprunggelenk erneut Probleme. Das Zwischenfazit nach 45 Minuten laute: Trotz nur knapp 30 Prozent Ballbesitz zeigten sich die Eisernen gut erholt von den jüngsten Rückschlägen.
In der zweiten Halbzeit spielte Dortmund dann in Richtung der lauten Südtribüne – der Druck der Gastgeber wurde schnell belohnt. Erst schmetterte der frühere Unioner Nico Schlotterbeck den Ball mit einem sehenswerten Schuss unter die Querlette (2:2, 49.).
Union-Angreifer Kevin Behrens konstatierte: „Wir haben uns in der Halbzeit vorgenommen, heute endlich mal was mitzunehmen. Dortmund hat dann umgestellt, da hatten wir ein bisschen Probleme. Dann konnte Schlotterbeck unbedrängt in unsere Hälfte reindribbeln. Es passt zu unserer Situation, dass er so ein Pfund in den Winkel haut. Das war wieder so ein Nackenschlag direkt nach der Halbzeit.“
Kurz danach erzielte der eingewechselte Julian Brandt das 3:2 für Dortmund (54.). „Und dann laufen wir wieder der Musik hinterher“, so Behrens.
Dem schwarz-gelben Druck war der 1. FC Union in dieser Phase nicht gewachsen. Es gab nur noch selten Entlastungsangriffe. Eine der wenigen Chancen vergab Brenden Aaronson ziemlich kläglich (65.). Und Pech kam dann auch noch dazu: Robin Gosens fälschte in der 71. Minute den Schuss von Julian Ryerson unhaltbar für Torhüter Frederik Rönnow ab. Eine ordentliche erste Halbzeit war letztlich zu wenig, um in Dortmund endlich wieder ein Erfolgserlebnis zu feiern.
Trainer Urs Fischer war sichtlich unzufrieden und kritisierte ebenfall sehr deutlich: „Wir sind mit 2:1 in die Pause gegangen, das sollte normalerweise Auftrieb geben. Aber wie wir dann das zweite und dritte Gegentor bekommen haben – das geht auf diesem Niveau nicht. Da hat die letzte Konsequenz gefehlt. Wir haben klare Abmachungen, was zu tun ist.“
1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga
- 30. September 2023: 1. FC Heidenheim – Union Berlin 1:0 (0:0)
- 23. September 2023: Union Berlin – 1899 Hoffenheim 0:2 (0:2)
- 16. September 2023: VfL Wolfsburg – Union Berlin 2:1 (2:1)
- 3. September 2023: Union Berlin – RB Leipzig 0:3 (0:0)
- 26. August 2023: SV Darmstadt – Union Berlin 1:4 (1:3)
- 20. August 2023: Union Berlin – FSV Mainz 4:1 (2:0)
1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal
- 1. Runde, 13. August 2023: FC-Astoria Walldorf – Union Berlin 0:4 (0:3)
- 2. Runde: VfB Stuttgart – Union Berlin
1. FC Union Berlin – die Champions League
- Mittwoch, 20. September 2023: Real Madrid – 1. FC Union Berlin 1:0 (0:0)
- Dienstag, 3. Oktober 2023: 1. FC Union Berlin – SC Braga 2:3 (2:1)
- 1. FC Union Berlin – SSC Neapel; Dienstag, 24. Oktober 2023, 21:00 Uhr
- SSC Neapel – 1. FC Union Berlin; Mittwoch, 08.11.2023, 18:45 Uhr
- SC Braga – 1. FC Union Berlin; Mittwoch, 29. November 2023, 21:00 Uhr
- 1. FC Union Berlin – Real Madrid; Dienstag, 12. Dezember 2023, 21:00 Uhr
Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin
- Robin Gosens (29, Inter Mailand)
- Kevin Volland (31, AS Monaco)
- Lucas Tousart (26, Hertha BSC)
- Mikkel Kaufmann (22, FC Kopenhagen)
- Benedict Hollerbach (22, SV Wehen Wiesbaden)
- Alexander Schwolow (31, Hertha BSC)
- Brenden Aaronson (22, Leeds United, Leihe)
- David Fofana (20, FC Chelsea, Leihe)
- Alex Kral (25, Spartak Moskau, Leihe)
Abgänge beim 1. FC Union Berlin
- Sven Michel (32, FC Augsburg)
- Paul Seguin (28, FC Schalke 04)
- Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)
- Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)
- Levin Öztunali (27, Hamburger SV)
- Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)
- Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)
- Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)
- Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)
- Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)
- Niko Gießelmann (31, Greuther Fürth)
- Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)
- Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)
- Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)
- Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)
- Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)
- Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)
