Bundestagswahl 2025: AfD-Kandidat sieht „Spandau am Limit“ – kein Problem mit Höcke & Co.

Der ehemalige Stadtrat Andreas Otti tritt bei der Bundestagswahl 2025 als Direktkandidat für die AfD an. Was der ehemalige Berufsoffizier für Berlin-Spandau will.
Kai WielertDer Winterwahlkampf zur Bundestagswahl ist angelaufen. Auch im Wahlkreis 77 (Spandau und Charlottenburg-Nord) stehen die Bewerberinnen und Bewerber fest. Für die AfD tritt der ehemalige Stadtrat Andreas Otti an.
1968 im westfälischen Bad Berleburg geboren, lange als Berufsoffizier bei der Bundeswehr und mittlerweile im Ruhestand: Nach vielen Stationen in Deutschland und der Welt ist der 56-Jährige vor einigen Jahren im Spandauer Ortsteil in Kladow gelandet und schlussendlich bis heute geblieben.
Andreas Otti – AfD-Direktkandidat war früher in der CSU
Ottis politische Heimat war lange die CSU. In den 1980er-Jahren hat er sogar mal Wahlkampf für den ehemaligen bayrischen Spitzenpolitiker Edmund Stoiber gemacht. Als seine Ära endete, hat sich Otti in der Partei nicht mehr wohlgefühlt: „Nach Stoiber hat sich die CSU nach links entwickelt“, wie er sagt, „ich habe mich eigentlich nie von dort wegbewegt“. Daher hat er 2014 die Partei verlassen und ist in die AfD eingetreten.
Der AfD-Abgeordnete in Spandau ordnet sich selbst als liberalkonservativ ein. Liberal zu sein bedeute für ihn „den Menschen so zu nehmen, wie er ist“. Daraus leitet er seine Kritik an vermeintlichen Quoten und Denk- sowie Sprechverboten ab. Zudem wolle er nicht, dass Menschen durch den „Gendermainstream“ uniformiert werden.
Konservativ heißt für Otti: beharren auf Geschichte und Herkunft. „Ich bin im Herzen auch Europäer, aber im Geiste natürlich deutscher Staatsbürger“. Allerdings: Bis Januar 2025 hat die AfD explizit den Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union gefordert. Laut aktuellem Wahlprogramm will man nur noch mit einem Austritt drohen.
In der Spandauer Bezirkspolitik kennt man Otti. Von 2016 bis 2021 war er unter Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) Stadtrat für Umwelt- und Naturschutz im Rathaus. Ein AfD-Mann als Stadtrat für einen SPD-Bürgermeister? Ab einem bestimmten Stimmanteil haben Fraktionen in der BVV das Vorschlagsrecht für Stadträte, so auch die AfD. 2016 haben Abgeordneten noch für Otti gestimmt, bei der Wahl 2021 und der darauffolgenden Wiederholungswahl aber nicht mehr.

Bundestagskandidat Andreas Otti (AfD) aus seiner Zeit als Stadtrat in Spandau.
Maurizio Gambarini/dpaDas liegt wohl auch an der fortschreitenden Radikalisierung der Partei. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft die AfD mittlerweile als rechtsextremen Verdachtsfall ein; mehrere Landesverbände der Partei im Osten Deutschlands gelten bereits als gesichert rechtsextrem. Auch ein Verbot der AfD steht seit Längerem im Raum.
Im Vergleich zu den rechtsextremen Abgründen seiner Partei wirkt Otti aber moderat. „Ich bin nicht der politische Schultermann von Höcke, aber ich diskutiere mit den Leuten“, ordnet sich der 56-Jährige ein. Er habe zwar als Christlich-Konservativer eine andere Meinung als viele in seiner Partei, ihre Einstellung möchte er aber nicht kritisieren.
Gegen die AfD arbeite seit Jahren eine „Propagandamaschinerie“, wie er sagt. „Medial ist die AfD aufgrund von Einzelfällen dargestellt worden, als seien die hier der Hort von irgendwelchen Rechtsradikalen“, kritisiert der 56-Jährige. Solche schwarzen Schafe gebe es ohnehin in jeder Partei, ob nun FDP, SPD oder AfD.
Im Gegensatz zu den anderen Parteien werden jedoch regelmäßig Anhänger der AfD wegen Volksverhetzung verurteilt. Zuletzt etwa im Dezember der uckermärkische Kreistagsabgeordnete Tony Riller.
Auch in Björn Höcke als strahlende rechtsextreme Kraft sieht Otti kein Problem. Politisch ziehe er nach rechts außen keine Grenzen, nur bei Straffälligkeit und Korruption sei für ihn Schluss, so Otti. Nur wenn Höcke straffällig würde, würde Otti sich gegen ihn stellen, ansonsten nicht. Die Verurteilung Höckes wegen „Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ scheint den Spandauer AfD-Politiker nicht zu stören.
Drei große große Projekte will Otti verfolgen: Wohlstand, innere Sicherheit und weniger Verdichtung. Gleichzeitig soll die soziale Marktwirtschaft gestärkt und der nach seiner Sicht verlorene Wohlstand zurückgeholt werden. Das will er vorrangig durch Sparmaßnahmen in für ihn unwichtigen Bereichen schaffen.
Haushalt in Berlin sei „organisiertes Staatsversagen“
„Wir geben Steuergelder für Dinge aus, die für die Gesellschaft eigentlich nicht grundsätzlich notwendig sind“, erklärt der Offizier im Ruhestand. Seiner Meinung nach sind die Haushaltskürzungen in Berlin, die auch den Bezirk betreffen, ein „organisiertes Staatsversagen“. Das bezieht er hauptsächlich auf den Schwerpunkt rechter Politik: die Migration.
Kritik übt er etwa an Deutschlands größter Geflüchtetenunterkunft in Tegel. Diese koste „täglich Millionen von Euro“, dort könnte gespart werden. Laut einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Kristin Brinker (AfD) aus dem September 2024 zahlt das Land gut 1,1 Millionen Euro pro Tag für die Unterkunft.

Gegen den besser bekannteren Maximilian Krah hatte Otti keine Chance im Kampf um die Spitzenkandidatur für die AfD bei der Europawahl 2024 keine Chance.
Carsten Koall/dpaOttis tatsächliche Lösung ist: „Stecker raus“, wie er sagt. Die nationalen Grenzen sollen strikt geschlossen werden, der Staat soll konsequent abschieben. „Heißt nicht, dass wir das Asylrecht außer Kraft setzen. Das Asylrecht wird gerade ja zur Unkenntlichkeit missbraucht“, so der AfD-Politiker. Die aktuelle Rechtslage reiche seiner Meinung nach vollkommen aus, man müsse sie nur durchsetzen.
Beim Bundesparteitag 2025 der AfD in Riesa haben sich die Delegierten trotzdem auf Verschärfungen geeinigt. So wurde etwa die bisherige Forderung aus dem Wahlprogramm gestrichen, dass anerkannte Asylbewerber nach zehn Jahren ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland erhalten sollen. Auch der rechtsextreme Kampfbegriff „Remigration“ wurde in das Programm aufgenommen.
Mit geschlossenen Grenzen und Abschiebungen sieht Otti auch die innere Sicherheit wiederhergestellt. „Wir haben es übertrieben, wir haben keine Kontrolle mehr über die unterschiedlichen Ethnien“, so der AfD-Politiker. Andere Parteien forderten nur mehr Polizeipräsenz und Videoüberwachung, das sei aber nur Symptombekämpfung. Die Ursache, so Otti, sei die unregulierte Migration.
Wirtschaftlich möchte sich Otti auf nationale Interessen fokussieren. „Wir brauchen eine Unabhängigkeit der Bundeszentralbank, wie wir es früher hatten“, glaubt der Berufsoffizier im Ruhestand. Er sei zwar kein grundsätzlicher Gegner des Euros: „Ich glaube aber, dass der Euro und das Finanzkonstrukt der EZB ein System ist, was wir als gescheitert betrachten müssen.“
AfD-Kandidat will Rückkehr zu nationalen Währungen
Seine Lösungen für dieses vermeintliche Problem: eine Reform des Euros oder die Rückkehr zu nationalen Währungen. Das sei seiner Meinung nach auch kein Katastrophenszenario. „Wenn wir die Geldwertstabilität nach Deutschland zurückholen, dann drehen wir die Missentwicklung der letzten zwei, drei Jahre zurück“, glaubt Otti. Wie genau das funktionieren soll, erklärt er aber nicht.
Die Schuldenbremse, so wie sie jetzt ist, möchte Otti beibehalten. „Ich frage mich immer, warum Menschen etwas für den Staat so organisieren, wie sie es privat nie organisieren würden“, erklärt Otti. Der Staat solle sich auch besser an seine Vorgaben halten: „Wenn wir uns in Berlin die Finanzierung des Schulbaus anschauen, was über landeseigene Gesellschaften läuft, die am Kapitalmarkt wieder Geld borgen, ist das nichts anders als ein Schattenhaushalt.“
Nach Migrations- und Schuldenstopp wünscht er sich für Spandau auch einen Verdichtungsstopp. „Für uns gibt es aktuell kein Bauvorhaben, das so organisiert ist, wie wir es für richtig halten“, erklärt Otti. Er habe grundsätzlich auch kein Interesse daran, dass Spandau wächst, denn es werde immer enger im Bezirk: „Spandau ist am Limit.“





