Union Berlin
: Überfall auf Union-Fans verhindert – deutsche Randalierer müssen Neapel verlassen

Nach der Randale vor dem Spiel von Union Berlin in Neapel und Festnahmen von Deutschen hat die Polizei am Mittwoch auch italienische Anhänger festgesetzt. Sie haben einen Überfall auf Union-Fans geplant.
Von
Jan Lehmann,
Frank Noack
Neapel
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Der Treffpunkt der Fans des 1. FC Union am Hafen von Neapel wurde von der Polizei mit einem Großaufgebot abgesichert. Am Vorabend hatte es Randale gegeben - die Polizei setzte Tränengas ein und nahm vorläufig elf Personen fest.

Matthias Koch

Update: Neapel rüstet sich für das brisante Duell in der Champions League zwischen dem SSC Neapel und dem 1. FC Union Berlin am Mittwochabend um 18.45 Uhr. Bereits in der Nacht hatte es unschöne Szenen gegeben. Die entsprechenden Videos aus der Altstadt der süditalienischen Großstadt kursieren in den sozialen Netzwerken.

Am Mittwoch nun vermeldete Napoli.It, dass die Polizei einen Überfall auf Fans von Union Berlin verhindert habe. Demnach seien wurden drei Napoli-Fans vor dem Kino The Space in der Viale Giochi del Mediterraneo festgenommen. Sie sollen einen Überfall auf Fans von Union Berlin vorbereitet haben. Die Strecke, die in der Nähe des Kinos in Fuorigrottese vorbeiführt, ist diejenige, die normalerweise den Bussen der Gästefans (aus Agnano) vorbehalten ist, die dann in Richtung Maradona-Stadion fahren. Es ist der nächste unschöne Akt rund um dieses brisante Spiel von Union in Neapel.

Die Videos vom Dienstagabend zeigen eine Gruppe von jungen Männern, alle mit weißem Kapuzenpullover, viele mit roten Gesichtsmasken. In einer Szene skandieren sie dabei auch den Berliner Schlachtruf „Eisern Union“. Zudem ist zu sehen, wie sie Mülltonnen umreißen und Pyrotechnik zünden. Bei den Krawallen wurden zudem Geschäfte verwüstet.

Sky Sport Italia berichtet von Zusammenstößen zwischen 200 Anhänger von Union Berlin und der neapolitanischen Polizei. Die ereigneten sich demnach vor allem auf dem Corso Umberto und der Via Medina, unweit des Polizeipräsidiums, während auf der Piazza Dante im historischen Zentrum Neapels Rauchbomben und Feuerwerkskörper von den Anhängern der Union geworfen worden seien. Die Polizei und die Carabinieri hätten daraufhin mit Tränengas reagierten, berichtet der Sender, der ebenfalls Videomaterial aus der Nacht zeigt.
Das Nachrichtenportal Napoli.it berichtete: „Sie zerstörten geparkte Autos, Straßenmobiliar und griffen wiederholt Polizeieinheiten mit Pflastersteinen, Knüppeln, Metall- und Holzstangen sowie durch das Werfen von Feuerwerkskörpern und Rauchbomben an. Ein Geschäft auf der Piazza Dante wurde zerstört.“ Ein Randalierer sei in Handschellen abgeführt worden. Gegen ihn wird wegen Körperverletzung, Widerstand und Gewalt gegen einen Beamten ermittelt.

„Die Zusammenstöße mit den Einsatzkräften wurden von den deutschen Fans regelrecht gesucht“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa den Polizeipräsidenten von Neapel, Maurizio Agricola.

Laut „Gazzetta dello Sport“ wurden elf Problemfans vorläufig festgenommen. Unter die Union-Anhänger hätten sich allerdings auch Fans von Borussia Mönchengladbach gemischt, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Polizei. Teile der Union-Anhänger verbindet eine Fanfreundschaft mit Ultras der Borussia.

Etwa 2500 Fans von Union Berlin in Neapel

Dem Vernehmen nach hat die neapolitanische Polizei die Randalierer vom Vorabend inzwischen der Stadt verwiesen. Darunter sollen sich viele Union-Ultras befinden. Dafür gibt es noch keine offizielle Bestätigung. Allerdings gehen die Union-Anhänger vor Ort davon aus, dass es am Abend im Gästeblock keinen organisierten Support der Ultra-Gruppierung geben wird – genau wie beim ersten Champions-League-Spiel der Eisernen bei Real Madrid.

Auf dem Piazza Municipio, dem ursprünglich ausgemachten Treffpunkt für die Union-Fans, waren am Nachmittag zwar viele Polizisten, aber nicht allzu viele Berliner anztutreffen. Es herrschte wenigen Stunden vor dem Anpfiff eine entspannte Stimmung. Die Anhänger waren zumeist in kleineren Gruppen unterwegs. Die meisten Anhänger verzichteten allerdings auf das Tragen von Union-Fankleidung.

Ursprünglich waren rund 2500 Fans des 1. FC Union angekündigt. Für das Spiel herrschen hohe Sicherheitsvorkehrungen. Der 1. FC Union hatte die eigenen Anhänger auf seiner Homepage informiert, dass sowohl der gastgebende Verein als auch die Sicherheitsbehörden auf das Risikopotenzial für Fußballfans in Neapel hinweisen.

Der Verein hatte den Unionern empfohlen, während des Aufenthalts in Neapel rot-weiße Fankleidung ausschließlich im Stadion zu tragen. Zudem seien abgelegene Gebiete der Stadt Neapel zu meiden.

Zuschauerverbot in der Youth League

Für die Partie der U19 im Rahmen der Youth League gab es sogar ein Zuschauerverbot für Auswärtsfans gebe. Diese Begegnung wurde am Vormittag im „Stadio comunale Arena Giuseppe Piccolo“ ausgetragen. Neapel setzte sich mit 1:0 durch.

Die Partie der Champions League findet am Abend im knapp 55 000 Zuschauer fassenden „Stadio Diego Armando Maradona“ statt. Der Verein teilt mit, dass für sie der Auswärtsblock 26 vorgesehen sei. Zudem heißt es auf der Homepage: „Nach Abpfiff der Partie haben die Sicherheitsbehörden eine Blocksperre von etwa 60 Minuten vorgesehen. Der Gästeblock kann in dieser Zeit nicht verlassen werden.“ Zudem sei die Anzahl der Versorgungsstände stark begrenzt, es werde auch kein Alkohol ausgeschenkt.

Bonucci spricht über die Neapel-Fans

Die Berliner Delegation war bereits am Dienstagabend im Stadion. Angeführt von Präsident Dirk Zingler und Sportchef Oliver Ruhnert nahmen die Spieler und Trainer Urs Fischer die Spielfläche und die altehrwürdige Betonschüssel in Augenschein.

Das Stadion liegt etwas vor den Toren der Stadt und wirkt von außen eher baufällig. Im Innern ist die Arena allerdings modernisiert und wenn das Flutlicht an ist, kann man schon die begeisternde Atmosphäre der Tifosi erahnen. Union-Spieler Leonardo Bonucci kennt die aus vielen Jahren in der italienischen Liga. Er berichtete: „Ich habe hier viele wichtige Spiele gespielt, die Napoli-Fans sind sehr toll.“

Bleibt die Hoffnung, dass es am Abend in und um das Stadion friedlich bleibt. Die strikten Vorkehrungen haben einen Hintergrund: Beim Champions-League-Spiel zwischen SSC Neapel und Eintracht Frankfurt war es im März 2023 zu Ausschreitungen gekommen. Zuvor hatte das italienische Innenministerium der SSC Neapel verboten, Tickets an Fans der Frankfurter zu verkaufen. Schon im Hinspiel in Frankfurt war es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen.

Am Mittwochnachmittag wollen sich die Union-Fans in der Stadt an der von den Behörden festgelegten Stazione Marittima, Molo Angioino, nahe des Zentrums treffen. Von dort werden sie mit Bussen zum Stadion gebracht.

1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal

1. FC Union Berlin – die Champions League

Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin

Abgänge beim 1. FC Union Berlin

Sven Michel (32, FC Augsburg)

Paul Seguin (28, FC Schalke 04)

Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)

Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)

Levin Öztunali (27, Hamburger SV)

Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)

Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)

Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)

Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)

Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)

Niko Gießelmann (31, Greuther Fürth)

Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)

Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)

Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)

Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)

Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)

Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)