Union Berlin in Braga: Remis in der Champions League – Trainer Bjelica kämpft gegen alte Muster
Der Trainerwechsel hat dem 1. FC Union Berlin zumindest einen Teilerfolg in der Champions League gebracht. Unter dem neuen Coach Nenad Bjelica erreichten die Berliner am Mittwochabend ein aber letztlich enttäuschendes 1:1 (1:0) bei Sporting Braga. Robin Gosens hatte die Berliner in Führung (42.) gebracht. Alvara Djalo erzielte für die eine Stunde lang in Unterzahl spielenden Portugiesen den verdienten Ausgleich (51.).
Im abschließenden Gruppenspiel am 12. Dezember gegen Real Madrid können die Eisernen nicht mehr aus eigener Hand die Qualifikation für die K.o.-Phase der Europa League schaffen. Sie müssten gegen Real gewinnen und darauf hoffen, dass zeitgleich Braga bei SSC Neapel verliert. Mit Leonardo Bonucci und Lucas Tousart sind zwei Berliner für das Spiel gegen Real gesperrt.
Video-Eindrücke aus Braga bei Instagram
Bjelica stellt die Mannschaft um
Trainer Nenad Bjelica hatte die Mannschaft in Braga auf vier Positionen gegenüber dem 1:1 zuletzt gegen den FC Augsburg umgestellt. Rani Khedira, Josip Juranovic, Jerome Roussillon und Lucas Tousart spielen statt David Fofana, Christopher Trimmel, Paul Jaeckel und Janik Haberer.
Gravierender als die personellen Wechsel war aber die Taktikänderung. Schon im ersten Spiel seiner Amtszeit legte der Kroate die in Köpenick fast schon obligatorische Abwehr-Dreierkette zu den Akten. Stattdessen ließ er die von ihm bevorzugte Viererkette spielen. Ein hohes Risiko von Bjelica, der offenkundig als radikaler Erneuerer angetreten ist.
Trainer setzt auf Selbstbewusstsein
Neben der Taktikänderung versuchte es der Coach zudem mit einer Extra-Dosis Selbstbewusstsein. Vor der Partie hatte er bei DAZN daran erinnert: „Ich kenne diesen Druck, nicht nur bei Trabzonspor – ich habe mit Austria Wien und Dinamo Zagreb in der Champions League gespielt.“ Zudem kündigte er mutig an, Offensivfußball spielen zu wollen.
Große Worte, die offenbar bewusst gewählt waren. Schon bei seinem Antritt hatte Bjelica deutlich gemacht, dass er zunächst vor allem im psychologischen Bereich arbeiten wolle. Passend dazu war sein Sohn Luka (26) am Montag beim Training in kompletter Union-Montur aufgetaucht. Nenad Bjelica erklärte in Braga, dass sein Sohn ausgebildeter Mentaltrainer sei und ihm nun als Praktikant bei der Arbeit helfe.
Mut und Selbstbewusstsein – vor allem hatte Bjelica am Mittwoch ein bisschen Spielglück zurück zum 1. FC Union gebracht. Die erste Chance der Gastgeber verhinderten Torhüter Frederik Rönnow und Jerome Roussillon mit viel Glück (16.). Und in der 28. Minute vergab Alvaro Djalo per Kopf eine Großchance. Als der französische Schiedsrichter Clement Turpin dann auch noch nach Videobeweis Bragas Innenverteidiger Sikou Niakaté früh mit Rot (31.) vom Platz schickte, lagen alle Vorteile auf der Berliner Seite.
Robin Gosens vollendete einen Konter mit wuchtigem Abschluss zur 1:0-Führung, der Ball rauschte genau am Körper von Bragas Keeper Matheus ins Tor (42.). Auf der Gegenseite verhinderten die Berliner dann mit Rönnow und einer vielbeinigen Abwehr in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit eine äußerst brenzlige Situation. Der Ball sprang dabei auch an den angelegten Arm von Union-Verteidiger Diogo Leite – es passte zum glückseligen Berliner Abend, dass nach dem Video-Check auf den Elfmeter verzichtet wurde.
Katastrophaler Fehlpass von Knoche
Bjelica, der die ganze Zeit vor seiner Trainerbank stand, erlebte nach dem Wechsel aber mit, was die Negativserie mit dem Nervenkostüm der Berliner Profis gemacht hat. Robin Knoche spielte an der Außenlinie einen katastrophalen Fehlpass, Braga bedankte sich für die Einladung mit dem 1:1-Ausgleich durch Djalo (51.). Union Berlin verfiel danach in alte Muster und wurde trotz Überzahl immer schlechter. Vom angekündigten Offensivfußball der Berliner war überhaupt nichts zu sehen, Braga spielte trotz Unterzahl immer dominanter. Zeitweise war das ein Armutszeugnis der Unioner, deren Trainer Bjelica öfter an der Seitenlinie mal den Kopf schüttelte. Das wirkte zuweilen sogar etwas hilflos.
Die 1900 mitgereisten Berliner Fans mussten im Dauerregen bis zur 89. Minute warten, ehe David Fofana nach einer Eingabe von links doch noch eine Großchance hatte. Der eingewechselte Union-Stürmer kam nicht mehr an den Ball, ein Sieg wäre nach diesem enttäuschenden Auftritt auch nicht verdient gewesen.
Nun geht es für den 1. FC Union Berlin darum, in der Bundesliga um die Trendwende zu kämpfen. Dabei könnte die Aufgabe kaum schwieriger sein: Am Samstag treten die Unioner bei Rekordmeister Bayern München an. Mit Selbstbewusstsein und Spielglück allein dürften Bjelica und seinem Team in der Allianz-Arena kaum bestehen. Dafür muss schon eine Leistungssteigerung her.
Pressekonferenz mit Nenad Bjelica vor dem Spiel
1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga
- 25. November 2023: Union Berlin – FC Augsburg 1:1 (0:1)
- 12. November 2023: Bayer Leverkusen – Union Berlin 4:0 (1:0)
- 4. November 2023: Union Berlin – Eintracht Frankfurt 0:3 (0:2)
- 28. Oktober 2023: Werder Bremen – Union Berlin 2:0 (1:0)
- 21. Oktober 2023: Union Berlin – VfB Stuttgart 0:3 (0:1)
- 7. Oktober 2023: Borussia Dortmund – Union Berlin 4:2 (2:1
- 30. September 2023: 1. FC Heidenheim – Union Berlin 1:0 (0:0)
- 23. September 2023: Union Berlin – 1899 Hoffenheim 0:2 (0:2)
- 16. September 2023: VfL Wolfsburg – Union Berlin 2:1 (2:1)
- 3. September 2023: Union Berlin – RB Leipzig 0:3 (0:0)
- 26. August 2023: SV Darmstadt – Union Berlin 1:4 (1:3)
- 20. August 2023: Union Berlin – FSV Mainz 4:1 (2:0)
1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal
- 2. Runde: 31. Oktober: VfB Stuttgart – Union Berlin 1:0 (1:0)
- 1. Runde, 13. August 2023: FC-Astoria Walldorf – Union Berlin 0:4 (0:3)
1. FC Union Berlin – die Champions League
- Mittwoch, 20. September 2023: Real Madrid – 1. FC Union Berlin 1:0 (0:0)
- Dienstag, 3. Oktober 2023: 1. FC Union Berlin – SC Braga 2:3 (2:1)
- Dienstag, 24. Oktober 2023: 1. FC Union Berlin – SSC Neapel 0:1 (0:0)
- Mittwoch, 08.11.2023: SSC Neapel – 1. FC Union Berlin 1:1 (1:0)
- Mittwoch, 29. November 2023, 21:00 Uhr: SC Braga – 1. FC Union Berlin;
- Dienstag, 12. Dezember 2023, 21:00 Uhr: 1. FC Union Berlin – Real Madrid
Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin
- Robin Gosens (29, Inter Mailand)
- Kevin Volland (31, AS Monaco)
- Lucas Tousart (26, Hertha BSC)
- Mikkel Kaufmann (22, FC Kopenhagen)
- Benedict Hollerbach (22, SV Wehen Wiesbaden)
- Alexander Schwolow (31, Hertha BSC)
- Brenden Aaronson (22, Leeds United, Leihe)
- David Fofana (20, FC Chelsea, Leihe)
- Alex Kral (25, Spartak Moskau, Leihe)
Abgänge beim 1. FC Union Berlin
- Sven Michel (32, FC Augsburg)
- Paul Seguin (28, FC Schalke 04)
- Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)
- Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)
- Levin Öztunali (27, Hamburger SV)
- Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)
- Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)
- Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)
- Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)
- Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)
- Niko Gießelmann (31, Greuther Fürth)
- Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)
- Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)
- Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)
- Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)
- Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)
- Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)




