Union Berlin Bundesliga
: Bonucci oder Knoche – in Leverkusen mit Neapel-Taktik

Union Berlin hat in Leverkusen eine harte Aufgabe. Die Taktik von Neapel könnte helfen – Trainer Fischer muss eine schwere Wahl treffen. Bei Robin Gosens entscheiden private Gründe. Wird er ausgewechselt?
Von
Jan Lehmann,
Frank Noack
Berlin
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  • Leonardo Bonucci (links) oder Robin Knoche – Trainer Urs Fischer von Union Berlin steht vor dem Spiel bei Bayer Leverkusen am Sonntag vor einer schweren Entscheidung.

    Leonardo Bonucci (links) oder Robin Knoche – Trainer Urs Fischer von Union Berlin steht vor dem Spiel bei Bayer Leverkusen am Sonntag vor einer schweren Entscheidung.

    Matthias Koch
  • Mit dem Remis bei SSC Neapel hat der 1. FC Union Berlin mit Sheraldo Becker (links) die Negativserie in der Champions League vorerst gestoppt. Gelingt nun auch in der Bundesliga ausgerechnet bei Spitzenreiter Bayer Leverkusen die Wende?

    Mit dem Remis bei SSC Neapel hat der 1. FC Union Berlin mit Sheraldo Becker (links) die Negativserie in der Champions League vorerst gestoppt. Gelingt nun auch in der Bundesliga ausgerechnet bei Spitzenreiter Bayer Leverkusen die Wende?

    Matthias Koch/dpa
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Kann dem 1. FC Union Berlin bei Bundesliga-Spitzenreiter Bayer Leverkusen am Sonntag (15.30 Uhr) jene Taktik helfen, die gegen den italienischen Meister SSC Neapel in der Champions League (1:1) nach zwölf Niederlagen in Folge den ersten Teilerfolg brachte?

Das Auswärtsspiel beim in dieser Saison noch ungeschlagenen Spitzenteam von Trainer Xabi Alonso wird für die Köpenicker der nächste schwere Kraftakt – die Probe aufs Exempel: Ist Union nun tatsächlich wieder Union?

Kapitän Christopher Trimmel befand nach dem mit viel Einsatz verteidigten Punktgewinn im Stadio Diego Maradona von Neapel: „Das war wieder mehr Union-like. Jeder hat für den anderen gekämpft. Wir haben gegen eine Spitzenmannschaft gespielt und haben sehr viel wegverteidigt. Das war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

Leverkusen schießt drei Tore pro Spiel

Ob der 1. FC Union jetzt auch in der Bundesliga wieder einen Schritt aus der Krise machen kann, hängt sicherlich vor allem davon ab, wie die in dieser Saison überragende Offensive der Leverkusener gestoppt werden kann.

„Sie haben Unterschiedsspieler. Vor allem die offensiven Spieler bringen viel individuelle Qualität mit. Es gilt da anzuknüpfen, wo wir gegen Neapel aufgehört haben. Wir müssen kompakt sein und bei Balleroberungen mutig sein“, erklärte Trainer Urs Fischer am Samstag vor der Abreise nach Leverkusen.

Bayer-Neuzugang Victor Boniface, der Union schon in der Vorsaison mit dem belgischen Club Saint-Gilloise aus der Europa League geschossen hatte, ist mit sieben Treffern bestens in Leverkusen angekommen. Fischers Forderung: „Wir müssen ihn im Kollektiv stoppen, allein wird das nicht funktionieren.“ Im Durchschnitt schießt die Mannschaft von Xabi Alonso drei Tore pro Spiel.

Eine Mammutaufgabe für die Berliner Abwehr, deren Formation Trainer Urs Fischer zuletzt immer wieder veränderte. In Neapel verzichtete er überraschend auf Robin Knoche, der im September bei einer Verletzungspause noch schmerzlich vermisst worden war. Der Coach erklärte, warum er stattdessen auf Paul Jaeckel setzte: „Wir haben auf 5-3-2 umgestellt, da müssen die halbzentralen Verteidiger weite Wege gehen. Ich glaube, das ist nicht das Spiel von Robin Knoche und auch nicht von Leonardo Bonucci. Deswegen habe ich mich entschieden, Paul Jaeckel die Möglichkeit zu geben und er hat sie sehr gut genutzt.“

Entscheidung zwischen Bonucci und Knoche

Das dürfte ein Fingerzeig für Leverkusen sein, denn Jaeckels Schnelligkeit wird wohl auch gegen die flinken Offensiven der Bayer-Elf benötigt werden. Denkbar, dass stattdessen Leonardo Bonucci nach seiner starken Leistung von Neapel eine Atempause bekommt und Knoche in die Startelf zurückkehrt. Eine schwierige Entscheidung für Fischer, nachdem Bonucci in der Champions League erstmals spürbar die Rolle des Anführers in der Berliner Defensive übernommen hatte. Der 36-Jährige hatte sich mit seinen Kollegen in der zweiten Halbzeit in jeden Ball geworfen, der in Richtung Union-Tor geflogen war. „Er hat seine Sache gut gemacht. Er hat versucht, die Mannschaft zu coachen und wirkte stabiler als in den Spielen zuvor“, lobte Fischer am Samstag.

Nach zuletzt fünf Wechseln in der Startformation ist allerdings nicht mit einer erneuten großen Rotation zu rechnen. In Neapel hatte Trainer Fischer verdeutlicht, dass ihm viel daran liegt, eine eingespielte Formation zu finden: „Es geht um Stabilität, Automatismen, Abläufe – das macht schon viel aus“, so der Coach.

Gosens sagt Länderspiel-Teilnahme ab

Deswegen ist im Angriff wieder mit Hoffnungsträger David Fofana neben Sheraldo Becker zu rechnen. Fischer hatte den Torschützen von Neapel für seine Reaktion auf die Suspendierung vor zweieinhalb Wochen gelobt – gleichzeitig aber auch eine Warnung ausgesprochen.

Eine Kader-Entscheidung hängt indes nicht von den Planungen des Trainers, sondern stattdessen von der hochschwangeren Frau Rabea von Robin Gosens ab. Der Union-Profi hatte wegen der bevorstehenden Geburt seines zweiten Kindes nach der Nominierung von Bundestrainer Julian Nagelsmann seine Teilnahme am Berliner Heimspiel der Nationalmannschaft am 18. November im Olympiastadion gegen die Türkei so wie an der Partie in Wien gegen Österreich (21. November) abgesagt.

Ob er am Sonntag zum Einsatz kommen kann, entscheiden letztlich seine Frau und das Baby. In jedem Fall wird Gosens mit nach Leverkusen reisen. Fischer schließt nicht aus, dass man dann kurzfristig reagiert. Selbst eine Auswechslung des Abwehrspielers scheint nicht ausgeschlossen zu sein. „Das Handy ist ja heutzutage ein gutes Mittel, um sich zu informieren. Wir werden in Bereitschaft sein“, kündigte der Union-Trainer an.

1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal

1. FC Union Berlin – die Champions League

Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin

Abgänge beim 1. FC Union Berlin

Sven Michel (32, FC Augsburg)

Paul Seguin (28, FC Schalke 04)

Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)

Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)

Levin Öztunali (27, Hamburger SV)

Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)

Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)

Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)

Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)

Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)

Niko Gießelmann (31, Greuther Fürth)

Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)

Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)

Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)

Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)

Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)

Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)