Union Berlin
: System, Kapitän, Kader, Talente – diese Fragen muss Trainer Bjelica klären

Nenad Bjelica leitet das erste Training beim 1. FC Union Berlin. Der Trainer muss wichtige Fragen klären, dafür bleibt wenig Zeit. Schon am nächsten Tag geht es zur Champions League nach Braga.
Von
Jan Lehmann,
Frank Noack
Berlin
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  • Nenad Bjelica ist der neue Trainer von Union Berlin. Dem Kroaten bleibt nicht viel Zeit für Veränderungen. Bereits am Dienstagabend (28. November) wird er in Portugal bei Sporting Braga zur nächsten Pressekonferenz vor dem Spiel in der Champions League erwartet.

    Nenad Bjelica ist der neue Trainer von Union Berlin. Dem Kroaten bleibt nicht viel Zeit für Veränderungen. Bereits am Dienstagabend (28. November) wird er in Portugal bei Sporting Braga zur nächsten Pressekonferenz vor dem Spiel in der Champions League erwartet.

    Matthias Koch/dpa
  • Union-Präsident Dirk Zingler (links) und Profifußball-Geschäftsführer Oliver Ruhnert (rechts) stellten den neuen Trainer Nenad Bjelica vor.

    Union-Präsident Dirk Zingler (links) und Profifußball-Geschäftsführer Oliver Ruhnert (rechts) stellten den neuen Trainer Nenad Bjelica vor.

    Matthias Koch/dpa
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Um 10.30 Uhr bittet der neue Trainer Nenad Bjelica am Montag (27. November) die Mannschaft des 1. FC Union Berlin zur ersten Einheit. Der Kroate übernimmt die Nachfolge von Urs Fischer – am Sonntag stellte er sich bei einer Pressekonferenz in Berlin vor.

Der 52-Jährige hat in einer englischen Woche mit zwei weiten Auswärtsreisen nicht viel Zeit für die Eingewöhnung. Am Mittwoch tritt der 1. FC Union bei Sporting Braga (21 Uhr) in der Champions League an. Am Samstag spielen die Berliner bei Rekordmeister Bayern München (15.30 Uhr).

Nur zweimal wird in Berlin trainiert, bereits am Dienstagabend soll die Mannschaft dann im Estadio Municipal de Braga ein bisschen Atmosphäre tanken, ehe es am Mittwoch gegen den direkten Konkurrenten um Rang drei in der Gruppenphase und die damit verbundene Qualifikation für die K.o.-Runden-Playoffs in der Europa League geht.

Bjelica machte am Sonntag bereits deutlich, dass er konkrete Vorstellungen von seiner Aufgabe bei Union Berlin habe. Er verdeutlichte: „Ich bin sehr überzeugt von meiner Arbeit und bin sehr selbstbewusst.“ Für den Kampf um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga muss er nun einige wichtige Fragen beantworten.

Union-Trainer Bjelica und die Systemfrage

Unter Urs Fischer hat Union Berlin die Abwehrdreierkette quasi manifestiert. Sie war gerade in der Zusammensetzung mit Diogo Leite, Robin Knoche und Danilho Doekhi ein Erfolgsgarant in der zurückliegenden Saison.

Auf seinen zurückliegenden Stationen bei Trabzonspor in der Türkei, Lech Posen in Polen oder NK Osijek und Dinamo Zagreb in Kroatien hatte Bjelica meist mit einer Viererkette spielen lassen. Eine Systemumstellung erscheint von daher nur eine Frage der Zeit zu sein, wenngleich Bjelica am Sonntag bekundete: „Ich muss mich an den Verein anpassen. Ich bin sehr glücklich, welche Spieler die Mannschaft im Kader hat.“

Union-Trainer Bjelica und die Kapitänsfrage

Nutzt der neue Coach eine mögliche Neuvergabe der Kapitänsbinde, um die Hierarchien beim 1. FC Union zu verändern? Christopher Trimmel, der seit 2014 Jahren das Union-Trikot trägt, ist jetzt im sechsten Jahr der Spielführer der Eisernen. Er ist längst eine Vereinslegende und mit 316 Pflichtspielen auf Rang drei der ewigen Union-Rangliste.

Allerdings: Der 36-Jährige war zuletzt auch unter Urs Fischer keine Stammkraft mehr. Sein Kapitäns-Stellvertreter Sheraldo Becker und Rani Khedira trugen öfter die Binde. Bei Trimmel läuft zum Saisonende zudem der Vertrag aus – laut „Bild“ verlängert er sich allerdings bei einer gewissen Anzahl von Einsätzen um ein weiteres Jahr. Bjelica erwartet ein hohes Tempo von allen: „Jeder Einzelne muss ans Limit gehen.“

Christopher Trimmel ist im sechsten Jahr Kapitän beim 1. FC Union Berlin. Der 36-Jährige war allerdings zuletzt unter Trainer Urs Fischer nicht immer erste Wahl.

Tom Weller/dpa

Union-Trainer Bjelica und die Kaderfrage

Der Kroate wird den Kader mit 24 Feldspielern und vier Torhütern gewiss neu sortieren. Präsident Dirk Zingler hatte bereits beim Abschied von Urs Fischer bekundet: „Da gibt es Spieler, die wittern eine neue Chance.“ Gut möglich, dass einige Stammkräfte sich neu beweisen müssen. Zuletzt gegen Augsburg hatte Interimstrainer Marco Grote beispielsweise Alex Kral nicht für den Kader nominiert, obwohl er auf der Sechserposition aufgrund der Sperre von Rani Khedira wenig Alternativen hatte.

In der Offensive hat Bjelica vielfältige Möglichkeiten. Seine Aufgabe wird es sein, den Sommer-Transfers wie David Fofana, Kevin Volland, Mikkel Kaufmann oder Benedict Hollerbach zum Durchbruch beim 1. FC Union zu verhelfen. Er kündigte klare Worte an: „Ich bin offen für jedes Gespräch mit den Spielern. Aber Entscheidungen die, wer spielt und wer überhaupt nicht in den Kader kommt, muss ich treffen. Dafür haben die Spieler ihre Verträge und hier ist ein Trainer, der entscheidet.“

Union-Trainer Bjelica und die Talente-Frage

Unter Urs Fischer war es dem 1. FC Union Berlin zuletzt kaum gelungen, Talente aus dem eigenen Bundesliga-Nachwuchs in der Profi-Mannschaft zu etablieren. Nenad Bjelica verwies am Sonntag auf Nachfrage darauf, dass er speziell in seiner Zeit in Kroatien und Polen fast schon zwangsläufig auf junge Spieler setzen musste. Die Talente zu entwickeln und dann zu verkaufen, sei für solche Clubs überlebenswichtig, so der neue Union-Trainer.

Unter seinen Fittichen als Jungprofis hatte er beispielsweise Dani Olmo (RB Leipzig) oder Josko Gvardiol (Manchester City). In Berlin könnte beispielsweise Eigengewächs Aljoscha Kemlein (19) nun mehr Einsatzzeit bekommen. Zuletzt gegen Augsburg stand mit Abwehrspieler Oluwaseun Ogbemudia (17) ein weiteres interessantes Talent im Union-Kader.

Nenad Bjelica als „Misterbjelica“ bei Instagram

Pressekonferenz zur Vorstellung von Nenad Bjelica

1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal

1. FC Union Berlin – die Champions League

Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin

Abgänge beim 1. FC Union Berlin

  • Sven Michel (32, FC Augsburg)
  • Paul Seguin (28, FC Schalke 04)
  • Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)
  • Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)
  • Levin Öztunali (27, Hamburger SV)
  • Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)
  • Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)
  • Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)
  • Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)
  • Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)
  • Niko Gießelmann (31, Greuther Fürth)
  • Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)
  • Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)
  • Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)
  • Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)
  • Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)
  • Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)