Union Berlin in Neapel
: Schutzgeld, Festnahmen, Böller – teurer Erfolg in der Champions League

Das 1:1 bei SSC Neapel ist für Union Berlin ein großer Erfolg. Die Negativserie ist beendet, die Hoffnung auf die Wende wächst. Die Fans der Köpenicker müssen den Punkt in Italien aber teuer bezahlen.
Von
Jan Lehmann
Neapel
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  • Ohrenbetäubende Böller und eine Rauchfackel flogen am Mittwochabend in Richtung des Blocks der Fans des 1. FC Union Berlin. Die Atmosphäre rund um das Spiel in der Champions League bei SSC Neapel war von Feindseligkeiten überschattet.

    Ohrenbetäubende Böller und eine Rauchfackel flogen am Mittwochabend in Richtung des Blocks der Fans des 1. FC Union Berlin. Die Atmosphäre rund um das Spiel in der Champions League bei SSC Neapel war von Feindseligkeiten überschattet.

    Matthias Koch/dpa
  • Für die Mannschaft von Union Berlin war das 1:1 bei SSC Neapel der erste Punktgewinn nach zwölf Niederlagen in Folge.

    Für die Mannschaft von Union Berlin war das 1:1 bei SSC Neapel der erste Punktgewinn nach zwölf Niederlagen in Folge.

    Matthias Koch/dpa
  • Trainer Urs Fischer ist mit seiner Mannschaft nun zwar aus der Champions League ausgeschieden. Doch nach dem Remis bei SSC Neapel ist für den 1. FC Union Berlin die Qualifkation für die Europa League weiterhin möglich.

    Trainer Urs Fischer ist mit seiner Mannschaft nun zwar aus der Champions League ausgeschieden. Doch nach dem Remis bei SSC Neapel ist für den 1. FC Union Berlin die Qualifkation für die Europa League weiterhin möglich.

    Matthias Koch
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Update:Nach dem 0:4-Debakel bei Bayer Leverkusen stürzt der 1. FC Union Berlin sogar an das Tabellenende der Fußball-Bundesliga. Die Köpenicker zeigten sich in allen Belangen unterlegen – zudem musste Leonardo Bonucci verletzt vom Feld.

Trainer Urs Fischer kritisierte deshalb nach der Partie seine Mannschaft deutlich und stellte die Mentalität infrage. Kapitän Christopher Trimmel gab zu: „Wir sind fast schon alle ratlos.“

Am Ende mussten die Fans des 1. FC Union Berlin nach dem Spiel beim SSC Neapel noch eine Art Schutzgeld bezahlen. Bei der Abreise aus dem Stadio Diego Maradona nach dem schwer erkämpften 1:1 (0:1) ihrer Mannschaft in der Champions League galten für alle Unioner knallharte Bedingungen.

Erst durften die Fans den Gästeblock nicht verlassen, dann wurden sie an ein Eisentor geführt. Dort durften dann immer nur so viele Deutsche das Areal verlassen, wie sie gerade in die vorgefahrenen Taxis passten.

Die Polizei sorgte dafür, dass niemand zu Fuß das Stadion verließ, und verteilte die Anhänger auf die Autos. Über die Fahrpreise wurde dabei nicht verhandelt, die neapolitanischen Taxifahrer hatten mehr Gestaltungsspielraum als die Union-Fans bei ihrer Abreise. Das wurde noch einmal richtig teuer. Der Autor dieses Textes zahlte beispielsweise für eine Fahrt von drei Kilometern satte 60 Euro.

Verhaftung nach Böllerwürfen

Die Polizei begründete das Vorgehen mit den Sicherheitsbedenken, die es rund um das Spiel gegeben hatte. Während der Partie im Stadion war die Stimmung feindselig. Immer wieder warfen Napoli-Fans ohrenbetäubende Böller in den Union-Block. Gruselige Szenen, das Spiel geriet dabei in den Hintergrund. Selbst Union-Trainer Urs Fischer gab zu: „Bei dem einem oder anderen bin ich auch zusammengezuckt. Ich finde es wahnsinnig gefährlich, solche Dinge zu zünden.“

Die Polizei war dort nicht zu sehen. FCU-Sprecher Christian Arbeit erklärte nach dem Spiel, dass neun Böller und eine Fackel geworfen wurden. Er berichtete: „Es konnte ein Täter verhaftet werden. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde niemand verletzt.“

Ohne Verletzungen sollen laut Verein auch die Insassen eines Kleinbusses geblieben sein, dessen Fensterscheiben komplett zu Bruch gingen. Anhänger der SSC Neapel hatten das Fahrzeug attackiert. Zuvor hatte die neapolitanische Polizei bereits drei italienische Störenfriede festgenommen, weil sie laut „NapoliToday“ ebenfalls einen Überfall auf die Busse der Union-Fans vorbereitet haben sollen. Union-Anhänger, die mit den Shuttlebussen zum Stadion gebracht worden waren, berichten von vielen feindseligen Gesten.

Diskussion um Ultras von Union Berlin

Im Stadion feierten die Unioner dann trotz der Einschüchterungsversuche durch die neapolitanischen Böller den Punkt wie einen Sieg. Der 1. FC Union beendete durch den Treffer von David Fofana zum 1:1-Ausgleich die Niederlagenserie von zwölf Pleiten in Folge. Das Remis bedeutete zwar das Aus in der Champions League, doch zumindest die Qualifikation für die Europa League als Gruppendritter ist noch möglich. Trainer Urs Fischer frohlockte: „Wir könnten uns jetzt in einem möglicherweise entscheidenden Spiel bei Sporting Braga über den Winter retten.“

Das nächste Champions-League-Auswärtsspiel in Portugal findet am 29. November statt. Dabei dürfte es erneute Diskussionen über das Verhalten der Unioner Ultras geben. Die hatten am Mittwochabend wie schon beim Spiel bei Real Madrid im Gästeblock gefehlt – die Unterstützung war als bei weitem nicht so lautstark wie sonst. Die Ultras hatten zwar einen Teil der knapp bemessenen Tickets für sich beansprucht.

Weil es aber am Vorabend zu Randale gekommen war, hatte die neapolitanische Polizei jene Störenfriede der Stadt verwiesen. In weißen Kapuzenpullovern und mit roten Gesichtsvermummungen waren etwa 300 deutsche Männer am Dienstag durch die Stadt gezogen und hatten dort „die Zusammenstöße mit der Polizei regelrecht gesucht“, wie es der Polizeipräsident von Neapel, Maurizio Agricola, formulierte.

Ultras von Borussia Mönchengladbach dabei

Es gab elf Festnahmen, ein Angreifer wurde in Handschellen abgeführt. Gegen ihn wird wegen Körperverletzung, Widerstand und Gewalt gegen einen Beamten ermittelt. Laut Sicherheitsbehörden sollen an der Randale auch Ultras von Borussia Mönchengladbach beteiligt gewesen sein. Die waren offenbar nur angereist, um für Krawall zu sorgen. Ein Fakt, der bei vielen Union-Fans für Frust sorgt, weil so ihr gesamter Verein in Verruf gerät.

Ein italienischer Taxifahrer, der sich am Mittwochabend wohl den Verdienst für eine ganze Woche sicherte, formulierte es so: „Manche Menschen verwechseln Sport mit Gewalt. Wer sich nicht benehmen kann, der muss damit rechnen, dass es eine Reaktion auf sein Verhalten gibt.“ Den Preis für das schlechte Benehmen zahlten am Mittwochabend wortwörtlich jene Unioner, die nur angereist waren, um ihre Mannschaft zu unterstützen: Mit einem gefährlichen und in manchen Augenblicken auch gruseligen Abend im Gästeblock – und einer horrenden Taxirechnung.

1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal

1. FC Union Berlin – die Champions League

Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin

Abgänge beim 1. FC Union Berlin

Sven Michel (32, FC Augsburg)

Paul Seguin (28, FC Schalke 04)

Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)

Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)

Levin Öztunali (27, Hamburger SV)

Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)

Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)

Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)

Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)

Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)

Niko Gießelmann (31, Greuther Fürth)

Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)

Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)

Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)

Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)

Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)

Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)