Union Berlin
: Fofana beendet Negativserie – Remis, Krawalle und Böller in Neapel

Endlich! Union Berlin holt mit dem Remis beim SSC Neapel seinen ersten Punkt in der Champions League. Das Spiel wird überschattet von Krawallen. Randalierer müssen Neapel schon vorzeitig verlassen.
Von
Jan Lehmann,
Frank Noack
Neapel
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  • Fans des SSC Neapel warfen immer wieder Feuerwerkskörper in den Gästeblock der Fans von Union Berlin.

    Fans des SSC Neapel warfen immer wieder Feuerwerkskörper in den Gästeblock der Fans von Union Berlin.

    Matthias Koch
  • Der erste Treffer von Union Berlin seit einem Monat: David Fofana feiert sein Tor zum 1:1-Ausgleich gegen den SSC Neapel.

    Der erste Treffer von Union Berlin seit einem Monat: David Fofana feiert sein Tor zum 1:1-Ausgleich gegen den SSC Neapel.

    Gregorio Borgia/dpa
  • Unions Jerome Roussillon (links) und Neapels Matteo Politano kämpfen um den Ball.

    Unions Jerome Roussillon (links) und Neapels Matteo Politano kämpfen um den Ball.

    Matthias Koch/dpa
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Am Fuße des Vesuvs in Italien explodierte der Jubel des 1. FC Union Berlin. Das 1:1 (0:1) in der Champions League beim SSC Neapel feierte die Mannschaft am Mittwochabend gemeinsam mit den Fans der Eisernen wie einen Sieg. Immerhin bedeutete dieses Unentschieden endlich das Ende der Negativserie mit insgesamt zwölf Niederlagen in Serie.

Matteo Politano hatte die zunächst überlegenen Gastgeber im Stadion Diego Maradona in der 39. Minute in Führung geschossen. David Fofana (52.) sorgte für den 1:1-Ausgleich und wahrte damit die Chancen auf ein Überwintern im internationalen Wettbewerb. Es war gleichzeitig der erste Punkt für die Köpenicker in der Königsklasse. Endlich!

„Endlich – das trifft es gut. Wir wurden für eine tolle Leistung belohnt“, sagte Union-Trainer Urs Fischer: „Wir hatten sicher auch das nötige Wettkampfglück. Aber was die Mannschaft aufgewendet hat, um unser Tor zu schützen – da hat man gesehen, dass die Mannschaft wirklich punkten will.“

Polizei setzt Tränengas gegen Fans ein

Überschattet wurde das Spiel von Krawallen und Ausschreitungen. Am Vorabend hatten etwa 200 deutsche Männer in der Innenstadt für Unruhe gesorgt. Bilder und Videos zeigten sie mit weißen Kapuzenpullovern und roten Gesichtsvermummungen. Sie warfen Mülltonnen um, zündeten Pyrotechnik. Dabei skandierten sie auch „Eisern Union“.

Laut italienischer Medien setzte die Polizei Tränengas ein, es wurden nach Angaben der Polizei elf Personen vorläufig festgenommen. Das Nachrichtenportal Napoli.it berichtete: „Sie zerstörten geparkte Autos, Straßenmobiliar und griffen wiederholt Polizeieinheiten mit Pflastersteinen, Knüppeln, Metall- und Holzstangen sowie durch das Werfen von Feuerwerkskörpern und Rauchbomben an. Ein Geschäft auf der Piazza Dante wurde zerstört.“

Dem Vernehmen nach erteilten die Sicherheitsbehörden für jenen Teil der Fanszene ein Aufenthaltsverbot in Neapel. Am Abend im Stadion Diego Maradona gab es deshalb – genau wie beim Spiel in Madrid – keinen organisierten Support im Gästeblock. Aber: „Eisern Union“ können die Köpenicker auch ohne Vorsänger.

Beim vereinbarten Fan-Treffpunkt der Unioner am Hafen, der von der Polizei von einem Großaufgebot abgesichert wurde, kamen am Mittwochnachmittag nur wenige Berliner Anhänger zusammen. Laut Napoli.it wurden drei italienische Fans festgenommen, weil sie einen Überfall auf die Busse der Berliner Anhänger vorbereitet haben sollen. Bei einem Kleinbus mit Union-Fans wurden sämtliche Scheiben zertrümmert. Zum Glück gab es dabei keine Verletzten.

Viele Fans waren tagsüber in kleineren Gruppen unterwegs – unter anderem, um sich die Gedenkstätte für Diego Maradona in einer der engen Gassen von Neapel anzuschauen. Dabei verzichteten die meisten aber auf das offene Tragen von Fankleidung. Der 1. FC Union hatte seinen Mitgliedern nahegelegt, dies nur im Stadion zu tun.

Union-Trainer Fischer überrascht mit Änderungen

Dort sahen jene der 2380 Berliner Ticket-Käufer, die dann wirklich im Gästeblock dabei waren, eine überraschende Startelf ihrer Mannschaft: Trainer Urs Fischer verzichtete unter anderem auf Robin Gosens, Robin Knoche und Kapitän Christopher Trimmel – drei Stammspieler der vergangenen Woche. Gegenüber der 0:3-Niederlage gegen Frankfurt gab es gleich fünf Änderungen in der Startelf. So rückte beispielsweise der Eisenhüttenstädter Paul Jäckel ins Aufgebot, um neben Weltstar Leonardo Bonucci zu verteidigen.

Wie erwartet, machte Napoli viel Druck und kam kurz vor der Pause zum Führungstreffer durch Matteo Politano (39. Minute). Der Treffer passte zum Negativlauf der Eisernen in den vergangenen Wochen: Josip Juranovic fälschte die Flanke von Mario Rui ab, von der Brust Politanos prallte der Ball ins kurze Eck ab. Vor allem über die Außenbahnen kamen die Gastgeber immer wieder gefährlich vor das Berliner Tor. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit landete ein Freistoß von Josip Juranovic am Pfosten. Außerdem flogen immer wieder Böller in den Gästefanblock.

Kurz nach der Halbzeitpause feierten die Eisernen dann endlich wieder mal ein Erfolgserlebnis. Jerome Roussillon leitete den Konter über Sheraldo Becker ein, David Fofana traf im Nachschuss zum 1:1-Ausgleich (52.). Es war der erste Union-Treffer seit einem Monat.

Dieses Tor gab den Gästen sichtlich mehr Selbstvertrauen. In der Schlussphase nahm Neapel zwar noch einmal Fahrt auf, aber der FCU brachte den Punktgewinn über die Zeit. Er war aufgrund der Steigerung in der zweiten Halbzeit verdient.

Die Bilanz von Unions Pressesprecher Christian Arbeit: „Wir wissen im Moment, dass neun Böller und eine Fackel geworfen worden sind. Es konnte ein Täter gefasst und verhaftet werden. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde niemand verletzt.“

1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal

1. FC Union Berlin – die Champions League

Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin

Abgänge beim 1. FC Union Berlin

Sven Michel (32, FC Augsburg)

Paul Seguin (28, FC Schalke 04)

Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)

Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)

Levin Öztunali (27, Hamburger SV)

Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)

Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)

Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)

Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)

Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)

Niko Gießelmann (31, Greuther Fürth)

Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)

Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)

Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)

Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)

Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)

Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)