Union Berlin
: Frustrierter Khedira lässt tief blicken – „Schon genug gesagt“

Der Auftritt des 1. FC Union Berlin beim VfL Bochum ist ein Rückfall in schlechte Zeiten. Kapitän Khedira bemängelt Disziplinlosigkeiten. Der Zusammenhalt steht im Abstiegskampf auf dem Prüfstand.
Von
Jan Lehmann
Bochum
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  • Enttäuschung nach dem zweiten Gegentor: Rani Khedira und der 1. FC Union Berlin konnten beim VfL Bochum nur wenig entgegensetzen. Die 0:3-Niederlage ist ein deftiger Rückschlag im Abstiegskampf.

    Enttäuschung nach dem zweiten Gegentor: Rani Khedira und der 1. FC Union Berlin konnten beim VfL Bochum nur wenig entgegensetzen. Die 0:3-Niederlage ist ein deftiger Rückschlag im Abstiegskampf.

    Matthias Koch
  • Das Foul von Diogo Leite an Bochums Matus Bero wurde von Schiedsrichter Sven Jablonski nach Video-Check als elfmeterwürdig bewertet. Kevin Stöger erzielte vom Punkt das Tor zum 3:0-Endstand.

    Das Foul von Diogo Leite an Bochums Matus Bero wurde von Schiedsrichter Sven Jablonski nach Video-Check als elfmeterwürdig bewertet. Kevin Stöger erzielte vom Punkt das Tor zum 3:0-Endstand.

    David Inderlied/dpa
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Um die bedrohliche Situation des 1. FC Union Berlin in der Fußball-Bundesliga zu erkennen, musste man am Samstag nicht auf die Tabelle gucken – sondern nur in das Gesicht von Vize-Kapitän Rani Khedira: Dort mischten sich nach der 0:3-Niederlage beim VfL Bochum Enttäuschung und Entsetzen.

Der Auftritt in Bochum war ein Rückfall in die ganz schlechten Zeiten dieser verkorksten Hinrunde. Den drei VfL-Treffern durch Takuma Asanoa (45.+5), Goncalo Paciencia (54.) und Kevin Stöger (78./Foulelfmeter) hatten die Berliner kaum nennenswertes entgegenzusetzen.

Fehler von Hollerbach vor dem ersten Gegentor

Wie so oft in den zurückliegenden Katastrophenwochen der Eisernen gehörte Khedira danach zu den wenigen Spielern, die bereitstanden, um die sechste Auswärtsniederlage in Folge zu erklären. Der Mittelfeldspieler ließ dabei tief in das Unioner Seelenleben blicken – und indirekt damit auch in die Mannschaftskabine. Der Zusammenhalt, der die Eisernen bis in die Champions League gebracht hatte, steht auf dem Prüfstand. Der 29-Jährige offenbarte: „Ich bin sauer auf alles. Wenn du mit zehn Punkten dastehst, dann kannst du nicht in Ruhe Weihnachten feiern.“

Die Unioner seien „völlig zurecht untergegangen“, so Khedira, der taktische Disziplinlosigkeiten bemängelte: „Wenn du nicht kompakt stehst und nicht deine Positionen einhältst, die abgemacht sind, dann ist es schwierig, in der Bundesliga Punkte zu holen“, so seine Kritik, die sich unter anderem auf das erste Gegentor beziehen dürfte. Dort ließ Benedict Hollerbach seinen Torschütze Asano beim Eckball aus den Augen und fasste sich geschockt an den Kopf. In der Vorwoche noch Matchwinner gegen Gladbach, wusste Hollerbach in diesem Augenblick: Dieses Tor ging auf seine Kappe.

Schonungslose Analyse von Bjelica

Der Gegentreffer in der fünften Minute der Nachspielzeit war „ein Schock“, wie es Union-Trainer Nenad Bjelica formulierte. Der Coach verwies zwar darauf, dass seine Mannschaft viel in das Spiel gegen Real Madrid investiert habe. Seine Analyse fiel dennoch schonungslos aus. Der Kroate befand: „Bochum war viel besser als wir. Giftiger, schneller, zweikampfstärker.“ Sein Team sei kein Gegner für den VfL gewesen, so Bjelica. Eine Feststellung, die speziell nach einem klassischen Sechs-Punkte-Spiel die Frage aufwirft: Ist der 1. FC Union bereit für den Abstiegskampf?

Rani Khedira gab zu: „Wir wissen, wie schwierig es ist 40 Punkte in der Bundesliga zu holen. Das haben wir von Anfang an gepredigt, aber vielleicht nicht hundert Prozent danach gelebt.“ Was er konkret meine, wollte der frustrierte Führungsspieler nicht preisgeben. Er fügte an: „Ich habe schon genug gesagt.“

Heimspiel am Mittwoch gegen den 1. FC Köln

Wie sehr es in ihm brodelt, konnte er trotzdem nicht verbergen. Mit Blick auf das letzte Spiel des Jahres am Mittwoch (18.30 Uhr) zu Hause gegen den 1. FC Köln forderte Khedira, dass man alles versuchen müsse, um wenigstens mit 13 Punkten in die Winterpause zu gehen. Im neuen Jahr gebe es noch die beiden Hinrunden-Spiele gegen Freiburg und Bayern München, „um das vielleicht ein bisschen zu korrigieren“, so der Vize-Kapitän. Man müsse dafür „jedem bewusstmachen, um was es geht, damit Union Berlin nächste Saison in der 1. Liga bleibt“.

Mit welchen Spielern die Eisernen den Abstiegskampf angehen, bleibt abzuwarten: In Bochum war David Fofana erneut nicht im Kader, Bjelica verzichtete zudem auf Lucas Tousart. Kapitän Christopher Trimmel saß erneut 90 Minuten auf der Bank. Aus der Türkei gibt es Meldungen, dass der 1. FC Union am nordmazedonischen Nationalmannschaftskapitän Enis Bardhi (28) interessiert sei. Der Mittelfeldspieler hat bei Trabzonspor von unter Trainer Bjelica gespielt.

Der Kroate bestätigte, dass über den Kader diskutiert werde. Er betonte allerdings: „Wir müssen nicht viel verändern. Vielleicht auf zwei, drei Positionen, aber Union Berlin hat eine gute Mannschaft.“ Bjelica verdeutlichte: „Dieser Herbst war ungewöhnlich schwer für den Verein mit der Champions League. Dort hat man sich sehr gut präsentiert. Das bedeutet, dass wir gute Fußballer haben. Jetzt brauchen wir ein bisschen Zeit, um zu arbeiten.“

Pressekonferenz nach dem Spiel VfL Bochum gegen Union Berlin

1. FC Union Berlin – die Champions League

1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal

Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin

Abgänge beim 1. FC Union Berlin

Sven Michel (32, FC Augsburg)

Paul Seguin (28, FC Schalke 04)

Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)

Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)

Levin Öztunali (27, Hamburger SV)

Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)

Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)

Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)

Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)

Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)

Niko Gießelmann (31, Greuther Fürth)

Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)

Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)

Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)

Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)

Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)

Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)