Union Berlin: Frustrierter Khedira lässt tief blicken – „Schon genug gesagt“
Um die bedrohliche Situation des 1. FC Union Berlin in der Fußball-Bundesliga zu erkennen, musste man am Samstag nicht auf die Tabelle gucken – sondern nur in das Gesicht von Vize-Kapitän Rani Khedira: Dort mischten sich nach der 0:3-Niederlage beim VfL Bochum Enttäuschung und Entsetzen.
Der Auftritt in Bochum war ein Rückfall in die ganz schlechten Zeiten dieser verkorksten Hinrunde. Den drei VfL-Treffern durch Takuma Asanoa (45.+5), Goncalo Paciencia (54.) und Kevin Stöger (78./Foulelfmeter) hatten die Berliner kaum nennenswertes entgegenzusetzen.
Fehler von Hollerbach vor dem ersten Gegentor
Wie so oft in den zurückliegenden Katastrophenwochen der Eisernen gehörte Khedira danach zu den wenigen Spielern, die bereitstanden, um die sechste Auswärtsniederlage in Folge zu erklären. Der Mittelfeldspieler ließ dabei tief in das Unioner Seelenleben blicken – und indirekt damit auch in die Mannschaftskabine. Der Zusammenhalt, der die Eisernen bis in die Champions League gebracht hatte, steht auf dem Prüfstand. Der 29-Jährige offenbarte: „Ich bin sauer auf alles. Wenn du mit zehn Punkten dastehst, dann kannst du nicht in Ruhe Weihnachten feiern.“
Die Unioner seien „völlig zurecht untergegangen“, so Khedira, der taktische Disziplinlosigkeiten bemängelte: „Wenn du nicht kompakt stehst und nicht deine Positionen einhältst, die abgemacht sind, dann ist es schwierig, in der Bundesliga Punkte zu holen“, so seine Kritik, die sich unter anderem auf das erste Gegentor beziehen dürfte. Dort ließ Benedict Hollerbach seinen Torschütze Asano beim Eckball aus den Augen und fasste sich geschockt an den Kopf. In der Vorwoche noch Matchwinner gegen Gladbach, wusste Hollerbach in diesem Augenblick: Dieses Tor ging auf seine Kappe.
Schonungslose Analyse von Bjelica
Der Gegentreffer in der fünften Minute der Nachspielzeit war „ein Schock“, wie es Union-Trainer Nenad Bjelica formulierte. Der Coach verwies zwar darauf, dass seine Mannschaft viel in das Spiel gegen Real Madrid investiert habe. Seine Analyse fiel dennoch schonungslos aus. Der Kroate befand: „Bochum war viel besser als wir. Giftiger, schneller, zweikampfstärker.“ Sein Team sei kein Gegner für den VfL gewesen, so Bjelica. Eine Feststellung, die speziell nach einem klassischen Sechs-Punkte-Spiel die Frage aufwirft: Ist der 1. FC Union bereit für den Abstiegskampf?
Rani Khedira gab zu: „Wir wissen, wie schwierig es ist 40 Punkte in der Bundesliga zu holen. Das haben wir von Anfang an gepredigt, aber vielleicht nicht hundert Prozent danach gelebt.“ Was er konkret meine, wollte der frustrierte Führungsspieler nicht preisgeben. Er fügte an: „Ich habe schon genug gesagt.“
Heimspiel am Mittwoch gegen den 1. FC Köln
Wie sehr es in ihm brodelt, konnte er trotzdem nicht verbergen. Mit Blick auf das letzte Spiel des Jahres am Mittwoch (18.30 Uhr) zu Hause gegen den 1. FC Köln forderte Khedira, dass man alles versuchen müsse, um wenigstens mit 13 Punkten in die Winterpause zu gehen. Im neuen Jahr gebe es noch die beiden Hinrunden-Spiele gegen Freiburg und Bayern München, „um das vielleicht ein bisschen zu korrigieren“, so der Vize-Kapitän. Man müsse dafür „jedem bewusstmachen, um was es geht, damit Union Berlin nächste Saison in der 1. Liga bleibt“.
Mit welchen Spielern die Eisernen den Abstiegskampf angehen, bleibt abzuwarten: In Bochum war David Fofana erneut nicht im Kader, Bjelica verzichtete zudem auf Lucas Tousart. Kapitän Christopher Trimmel saß erneut 90 Minuten auf der Bank. Aus der Türkei gibt es Meldungen, dass der 1. FC Union am nordmazedonischen Nationalmannschaftskapitän Enis Bardhi (28) interessiert sei. Der Mittelfeldspieler hat bei Trabzonspor von unter Trainer Bjelica gespielt.
Der Kroate bestätigte, dass über den Kader diskutiert werde. Er betonte allerdings: „Wir müssen nicht viel verändern. Vielleicht auf zwei, drei Positionen, aber Union Berlin hat eine gute Mannschaft.“ Bjelica verdeutlichte: „Dieser Herbst war ungewöhnlich schwer für den Verein mit der Champions League. Dort hat man sich sehr gut präsentiert. Das bedeutet, dass wir gute Fußballer haben. Jetzt brauchen wir ein bisschen Zeit, um zu arbeiten.“
Pressekonferenz nach dem Spiel VfL Bochum gegen Union Berlin
1. FC Union Berlin – die Champions League
- Dienstag, 12. Dezember 2023, 21:00 Uhr: 1. FC Union Berlin – Real Madrid 2:3 (1:0)
- Mittwoch, 29. November 2023, 21:00 Uhr: SC Braga – 1. FC Union Berlin 1:1 (0:1)
- Mittwoch, 08.11.2023: SSC Neapel – 1. FC Union Berlin 1:1 (1:0)
- Dienstag, 24. Oktober 2023: 1. FC Union Berlin – SSC Neapel 0:1 (0:0)
- Dienstag, 3. Oktober 2023: 1. FC Union Berlin – SC Braga 2:3 (2:1)
- Mittwoch, 20. September 2023: Real Madrid – 1. FC Union Berlin 1:0 (0:0)
1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga
- 16. Dezember 2023: VfL Bochum – Union Berlin 3:0 (1:0)
- 9. Dezember 2023: Union Berlin – Borussia Mönchengladbach 3:1 (1:0)
- 25. November 2023: Union Berlin – FC Augsburg 1:1 (0:1)
- 12. November 2023: Bayer Leverkusen – Union Berlin 4:0 (1:0)
- 4. November 2023: Union Berlin – Eintracht Frankfurt 0:3 (0:2)
- 28. Oktober 2023: Werder Bremen – Union Berlin 2:0 (1:0)
- 21. Oktober 2023: Union Berlin – VfB Stuttgart 0:3 (0:1)
- 7. Oktober 2023: Borussia Dortmund – Union Berlin 4:2 (2:1
- 30. September 2023: 1. FC Heidenheim – Union Berlin 1:0 (0:0)
- 23. September 2023: Union Berlin – 1899 Hoffenheim 0:2 (0:2)
- 16. September 2023: VfL Wolfsburg – Union Berlin 2:1 (2:1)
- 3. September 2023: Union Berlin – RB Leipzig 0:3 (0:0)
- 26. August 2023: SV Darmstadt – Union Berlin 1:4 (1:3)
- 20. August 2023: Union Berlin – FSV Mainz 4:1 (2:0)
1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal
- 2. Runde: 31. Oktober: VfB Stuttgart – Union Berlin 1:0 (1:0)
- 1. Runde, 13. August 2023: FC-Astoria Walldorf – Union Berlin 0:4 (0:3)
Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin
- Robin Gosens (29, Inter Mailand)
- Kevin Volland (31, AS Monaco)
- Lucas Tousart (26, Hertha BSC)
- Mikkel Kaufmann (22, FC Kopenhagen)
- Benedict Hollerbach (22, SV Wehen Wiesbaden)
- Alexander Schwolow (31, Hertha BSC)
- Brenden Aaronson (22, Leeds United, Leihe)
- David Fofana (20, FC Chelsea, Leihe)
- Alex Kral (25, Spartak Moskau, Leihe)
Abgänge beim 1. FC Union Berlin
Sven Michel (32, FC Augsburg)
Paul Seguin (28, FC Schalke 04)
Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)
Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)
Levin Öztunali (27, Hamburger SV)
Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)
Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)
Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)
Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)
Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)
Niko Gießelmann (31, Greuther Fürth)
Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)
Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)
Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)
Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)
Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)
Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)




