Fußball Bundesliga
: Dieser Wert entscheidet – so holt Union Berlin das Glück zurück

Union Berlin spielt wieder Fußball wie in Erfolgszeiten: Nicht schön, aber effizient. In Hoffenheim gab es den ersten Auswärtssieg seit August 2023. Trainer Bjelica nennt einen entscheidenden Faktor.
Von
Jan Lehmann
Hoffenheim
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Erster Auswärtssieg seit knapp sechs Monaten: Der 1. FC Union Berlin ist in der Fußball-Bundesliga raus aus dem Tabellenkeller. In Hoffenheim spielten die Eisernen wie in Erfolgszeiten.

Jan-Philipp Strobel/dpa

Das ging schneller als gedacht: Die Schneeglöckchen gucken in Berlin-Köpenick gerade erst aus der Erde, da hat der 1. FC Union Berlin bereits die größten Abstiegsängste in der Fußball-Bundesliga beseitigt. Mit dem 1:0 (0:0) bei 1899 Hoffenheim durch den Treffer des eingewechselten Brenden Aaronson (84.) verschafften sich die Eisernen ein Acht-Punkte-Polster auf den 1. FC Köln auf Relegationsrang 16. Das war angesichts der dramatischen Talfahrt im Herbst 2023 bis auf den letzten Platz so schnell nicht zu erwarten gewesen.

Die mitgereisten Unioner dürften aber den Samstag (17. Februar) in Hoffenheim nicht nur wegen der Frühlingssonne und des ersten Auswärtssieges nach knapp sechs Monaten genossen haben. Vielmehr bringen sie die Erkenntnis mit: Union Berlin macht wieder Union-Berlin-Dinge.

Umstrittene Platzverweise für Nsoki und Volland

Der Sieg in Hoffenheim war nach dem 1:0 gegen den VfL Wolfsburg der zweite Dreier in Folge, bei dem die Eisernen jenen Fußball zeigten, der sie in der Vorsaison bis in die Champions League gebracht hatte: Defensiv stabil, offensiv effizient – und ziemlich leidenschaftlich. Dass die Emotionen bei den umstrittenen Platzverweisen für Hoffenheims Stanley Nsoki (45.+3) und Unions Kevin Volland (45.+6) sogar überkochten, zeigt: Da ist wieder richtig Leben in der eisernen Bude.

Klar: Der Auftritt in Hoffenheim wird nicht in der Top-Ten der schönsten Bundesliga-Spiele auftauchen – dafür sind die Berliner aber in einer anderen Statistik weit vorn: Mit 2675,9 gelaufenen Kilometern ist Union das zweitbeste Team. Nur der kommende Gegner 1. FC Heidenheim (Samstag, 15.30 Uhr) hat in bisher 22 Spielen insgesamt drei Kilometer mehr abgespult.

Auch gegen Hoffenheim war Union mit 120,6 gelaufenen Kilometern mehr unterwegs als der Gegner (116,2). Schon gegen Wolfsburg waren die Berliner 131,8 Kilometer gelaufen. Für Trainer Nenad Bjelica ein entscheidender Faktor: „Das zeigt die Bereitschaft, das eigene Tor zu verteidigen. Vielleicht werden wir dafür belohnt, weil wir als Team verteidigen.“

Trainer Bjelica wechselt das Siegtor ein

Hoffenheim drängte in der zweiten Halbzeit vehement. Für Unions neuen Abwehrchef Kevin Vogt kein Grund zur Beunruhigung. Er befand: „Wir haben clever verteidigt.“ Der 32-Jährige konstatierte: „Es sah lange nach einem klassischen Unentschieden aus. Dann haben wir eine Lucky-Punch gesetzt.“

Dabei hatte Trainer Bjelica ein glückliches Händchen: Mit Jerome Roussillon, Yorbe Vertessen und Torschütze Aaronson wechselte er jene drei Spieler ein, die den entscheidenden Konter perfekt ausspielten. Torschütze Aaronson verriet: „Der Trainer hat mir gesagt, ich soll den Unterschied machen.“ Gesagt, getan – und Bjelica bilanzierte zufrieden: „Das Glück hat sich ein bisschen auf unsere Seite gedreht.“

Allerdings: Es gibt Sorgen um Rani Khedira, der verletzt ausgewechselt wurde. Und neben Kevin Volland ist auch Diogo Leite (5. Gelbe) gegen Heidenheim gesperrt. Der Portugiese ist Unions laufstärkster Spieler (233,7 Kilometer) – in dieser Statistik wollen die Eisernen an der Spitze bleiben. Kevin Vogt kündigte an: „Wenn jetzt einer meint, einen Schritt weniger machen zu müssen, dagegen gehen wir an.“ Trotz des tabellarischen Frühlingserwachens ist in Berlin-Köpenick die Zeit noch nicht reif für andere Blütenträume.

Tabelle der Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal

1. FC Union Berlin – die Champions League

Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin

Abgänge beim 1. FC Union Berlin

Kevin Behrens (VfL Wolfsburg)

Laurenz Dehl (Viktoria Berlin)

Leonardo Bonucci (Fenerbahce Istanbul)

Sheraldo Becker (Real Sociedad)

David Fofana (FC Chelsea)

Aljoscha Kemlein (FC St. Pauli, Leihe)

Sven Michel (FC Augsburg)

Paul Seguin (FC Schalke 04)

Jamie Leweling (VfB Stuttgart, Leihe)

Rick van Drongelen (Samsunspor, Türkei)

Levin Öztunali (Hamburger SV)

Kevin Möhwald (KAS Eupen, Belgien)

Tim Maciejewski (SV Sandhausen)

Morten Thorsby (Genua CFC, Italien, Leihe)

Tymoteusz Puchacz (1. FC Kaiserslautern, Leihe)

Lennart Grill (VfL Osnabrück, Leihe)

Niko Gießelmann (Greuther Fürth)

Timo Baumgartl (FC Schalke 04)

Milos Pantovic (KAS Eupen, Belgien)

Dominique Heintz (1. FC Köln)

Tim Skarke (SV Darmstadt, Leihe)

Jordan Siebatcheu (Borussia Mönchengladbach, Leihe)

Malick Sanogo (1. FC Nürnberg)